Vereinssterben Dem Schwarzwaldverein steht ein Umbruch bevor

Bietigheim-Bissingen / Christiane Rebhan 14.03.2018

Wieder ein Bietigheimer Traditionsverein, der mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat: In der Jahreshauptversammlung des Schwarzwaldvereins Bietigheim-Bissingen konnten bei den anstehenden Wahlen nicht alle Ämter besetzt werden. Gesucht wird noch ein Schriftführer sowie jemand der die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt und sich um Heimatpflege kümmert. Gravierender wiegt allerdings die Vakanz des Vorsitzenden – der Stellvertreter Wolfgang Wachter, führt den Verein nun kommissarisch.

Seit 116 Jahren gibt es die Ortsgruppe dieses Wandervereins, den Stephan Seyl, Sprecher des Dachverbands als „starken Verein mit reichhaltigem Programm“ beschreibt. Er kennt die Situation in Bietigheim aus Erzählungen. „Günter Schwarz war über elf Jahre lang Vorsitzender und hat deshalb riesige Fußstapfen hinterlassen. Dass es deshalb in der Übergangsphase einige Vakanzen gibt, ist normal“, will Seyl beruhigen. Auch der Angesprochene ist zuversichtlich, dass sich Nachfolger finden. „Unser Verein steht noch nicht auf der Kippe, wir haben ein vollständiges Jahresprogramm ausgearbeitet und das wird durchgezogen“, sagt der 76-jährige Schwarz. Der Verein muss nun im kommenden Vierteljahr eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, von der das weitere Bestehen der Ortsgruppe abhängt.

Scheu vor Verantwortung

„Leute, die es machen können, haben wir, aber in der heutigen Zeit will keiner mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Schwarz. Hier liegt seiner Meinung nach das Hauptproblem. Der Schlossermeister hatte nach eigener Aussage keine Ahnung, wie man einen Verein führt, arbeitete ohne Computer. „Ich habe mir Dinge, wie den Umgang mit Behörden und anderes erfragt.“

Er und seine Frau sind seit 1962 im Verein aktiv und ständig dabei etwas zu organisieren, um „den Verein mit Leben zu füllen“. Er hat alle Posten vom Jugendleiter bis zum Vorsitzenden bekleidet und ist enttäuscht, dass sich bis zuletzt kein Nachfolger gemeldet hat. Manchen Mitgliedern wirft er Nutznießertum vor: „Viele wollen nur schöne Wanderungen erleben, scheuen aber vor Vorstandsposten zurück.“ Die Nachfolgesuche sei ihm an die Nieren gegangen – schon bei der Wahl vor drei Jahren, also mit langem Vorlauf, hatte der 76-Jährige seinen Rücktritt angekündigt. „Irgendwann muss Schluss sein, seitdem ich einen leichten Schlaganfall hatte, fallen mir Arbeiten schwer.“ In erster Reihe will Günter Schwarz nicht mehr stehen, aber wenn sich ein neuer Vorsitzender fände, würde er diesen gerne anlernen.

„Wenn gar nichts hilft, muss der Verein aufgelöst werden“, erklärt der ehemalige Vorsitzende. Andere Vereine und Ortsgruppen des Schwarzwaldvereins haben sich wegen Nachwuchsproblemen bereits aufgelöst (Murg im Landkreis Waldshut) oder fusioniert, wie zum Beispiel Weil der Stadt mit Leonberg, bestätigt Stephan Seyl. „Wir raten manchen Ortsgruppen sogar zu fusionieren, da kein Vorsitzender gerne seinen Verein auflöst.“ Der Dachverband geht deshalb auf Ortsgruppen zu oder wird zu Hilfe gerufen, weil viele den Generationswechsel nicht mehr schaffen. „Wie in Bietigheim sind die Mitglieder zusammen in Freundschaft gealtert, auf Anhieb ist es dann schwer Nachwuchs zu finden“, sagt Seyl. Seit einiger Zeit gebe es auch ein Handbuch „Der zukunftsfähige Schwarzwaldverein“, das Vereinsvorsitzende zusammen mit externen Beratern in Seminaren entworfen haben.

Zukunftsfähige Ideen

Die meisten Mitglieder hätten ein hohes Traditionsbewusstsein. Mit Schwarz zusammen, ist eine ganze Riege der Ortsgruppe alt geworden, die sich in Bissingen oder Untermberg zu Monatsrunden trifft, auf denen sie Wanderlieder singen. Für die älteren Mitglieder gehören Bräuche wie das Singen dazu, bei den Jungen komme das nicht so gut an, fasst Seyl die Rückmeldungen aus den Ortsgruppen zusammen. „Aber in einem gesunden Verein gibt es Angebote für traditionelle und jüngere Mitglieder.“ Für die jüngere, berufstätige Zielgruppe bieten Schwarzwaldvereine zum Beispiel After-Work-Wanderungen und Leistungsorientiertes wie Marathonwandern an. Der Sprecher des Dachverbands und Günter Schwarz sind zuversichtlich, dass es für die Bietigheimer Ortsgruppe weiter geht.

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