Schlossfestspiele Das Wunderkind aus Tennessee ganz privat

In der Wohnung von Karl Heinz Siber(Hintergrund) gibt es eine spontane Jam-Session mit der US-amerikanische Mandolinen-Bluegrassmusikerin Sierra Hull und Bassist Ethan Jodziewicz.
In der Wohnung von Karl Heinz Siber(Hintergrund) gibt es eine spontane Jam-Session mit der US-amerikanische Mandolinen-Bluegrassmusikerin Sierra Hull und Bassist Ethan Jodziewicz. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Gabriele Szczegulski 16.05.2018

Sierra Hull sitzt im Wohnzimmer von Karl Heinz Siber in Sachsenheim. „Es ist gemütlich hier“, sagt sie. Die US-amerikanische Musikerin genießt auf ihrer Europatournee einen freien Tag. Die 27-Jährige hat, so erzählt sie, gerne das Angebot von Siber, der ihre Tour organisiert, angenommen, um eine Art deutsches Familienleben zu genießen. Vor allem, da sie genau an diesem Montag, 14. Mai, ein Jahr verheiratet ist, ein Hochzeitstag, den sie ohne ihren  Mann Justin Moses, der zu Hause in Nashville geblieben ist, verbringen muss. „Das macht mich ein bisschen traurig“.

Am vergangenen Wochenende ist sie bei einem Bluegrass-Festival in Bühl und bei Konzerten in der Schweiz aufgetreten, sie war in Prag, es folgen Auftritte in Aalen und Lauterbach, die Siber für sie organisierte. Wenn sie an diesem Samstag gemeinsam mit ihrem Bassisten Ethan Jodziewicz bei den Schlossfestspielen in der Kelter in Bietigheim auftritt, dann wird sie im Hotel Schiller am Marktplatz übernachten.

Die beste Mandolinenspielerin der Jahre 2016 und 2017, gekürt von der Internatioal Bluegrass Music Association, und zudem die erste Frau, ist nach Deutschland gekommen, wegen des Konzerts bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen. Die US-Amerikanerin hatte zuvor noch nie von den Schlossfestspielen gehört. Siber, der die Agentur Muff-Musikmanagement für Bluegrass-Musik betreibt, hat ihr aber schon eine Menge erzählt. „Ich freue mich, dass ich bei einem solchen Festival auftreten darf, und ich freue mich darauf, die mittelalterliche Altstadt von Bietigheim zu sehen, wir Amerikaner kennen das ja gar nicht“, sagt sie im Gespräch mit der BZ. Auf den Auftrittsort, die Kelter, ist sie sehr gespannt, „wie das klingt, eine Mandoline und ein Bass in so einem historischen Haus“.

„Ich träume schon lange davon, Bluegrass-Musiker zu den Festspielen zu bringen“, sagt Siber. Mit der in  den USA sehr populären jungen Sängerin fand er eine Künstlerin, deren Können sowohl den Intendanten Thomas Wördehoff als auch Bietigheims Kulturamtsleiter Stefan Benning überzeugte. „Meine Wurzeln liegen im Bluegrass, aber heute kombiniere ich Klassik, Jazz und Weltmusik zu einem ganz persönlichen Klang“, erklärt Hull. In Bietigheim wird sie vor allem Stücke ihres Albums „Weighted Mind“ von 2016 spielen. Dieses Album brachte ihr eine Grammynominierung ein. Sie schrieb die Songs nur für ihre Stimme, die Mandoline und den Kontrabass. Ganz spartanisch klingen die Arrangements. Die Texte handeln vom  Leben oder „wie es sein könnte“, sagt Sierra Hull. Das Album wurde produziert von dem amerikanischen Banjo-Spieler Bela Fleck, der in der New-Grass-Szene mit seiner Band Flecktones bekannt wurde. Mit acht Jahren fing Hull an, Musik zu machen, in Kirchen zu singen.

Als ihr Bruder ein Instrument lernte, wollte sie das auch. „Man will immer das machen, was große Brüder machen.“ Sie bekam eine Geige zu Weihnachten, die sie nicht spielen konnte, weil sie zu groß war. Um das Greifen der Saiten zu üben, bekam sie von ihrem Vater, der damals selbst Mandoline lernte, eine amerikanische Mandoline. „Da war es um mich geschehen, ich wusste, das ist mein Instrument, ich wollte Mandolinenspielerin werden, nichts anderes“, erzählt sie.

Von da an verbrachte sie jedes Wochenende auf Bluegrass-Festivals in Tennessee, lernte große Musiker kennen, wollte so spielen können wie ihre „Helden“. Und schaffte es: Mit 13 bekam sie ihren ersten Plattenvertrag. Mit 18 wurde ihr ein Stipendium am berühmten Berklee College of Music in Boston angeboten.

In den USA gilt sie als das Wunderkind an der Mandoline. „Was sie mit ihrer Mandoline macht, grenzt an ein Wunder“, sagt Karl Heinz Siber. Dieses Wunder können die Besucher ihres Konzertes am Samstag, 19. Mai, 20 Uhr, in der Bietigheimer Kelter erleben.

Info Es gibt nur noch wenige Restkarten für das Konzert von Sierra Hull am Ticketschalter der Bietigheimer Zeitung, Kronenbergstraße 10, und online.