Thomas Hoefling, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, hat es eilig gehabt. Im Rahmen der Themenwochen zur Digitalisierung besuchte er drei Betriebe in Bietigheim-Bissingen, Stuttgart und Remshalden, die das Zukunftsthema der digitalen Vernetzung beispielhaft vorantreiben (die BZ berichtete).

Die Botschaft der Tour de Region war eindeutig: Industrie 4.0 ist kein Thema großer Industriebetriebe und internationaler Konzerne, sondern trifft alle, Handwerker und mittelständische Familienunternehmen. Ohnehin hält Welf Schröter, Leiter des Mittelstandsforums Soziale Technikgestaltung, den Begriff Industrie 4.0 für irreführend. Treffender wären Wirtschaft 4.0 oder Arbeit 4.0. „Kernpunkt ist die Digitalisierung und Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette. Dadurch notwendige Umbauprozesse betreffen alle Beteiligten, vom Anlagenbauer und Zulieferer über alle damit verbundenen betriebsinternen Prozesse, ebenso Marketing, Vertrieb und Buchhaltung bis hin zum Endkunden“, so Welf Schröter.

Digitale Einsatzplanung

Aufgabe der Kammern ist es nun, dieses Bewusstsein für die nächste industrielle Revolution auch bei den Mittelstandsunternehmen und Handwerksbetrieben einzupflanzen.  Wie dort Industrie 4.0 ankommt, da sind die Vorstellungen vielfach noch vage, auch bei Kreishandwerksmeister Albrecht Lang. Fest steht für ihn zwar, dass sich das Handwerk „mit dem Thema beschäftigen muss“, aber in welchem Ausmaß, das kann auch Lang noch nicht genau einschätzen. „Das Handwerk wird die Entwicklung beobachten und auf den Zug aufspringen, wenn die Betriebe erkannt haben, wo die Potenziale für sie liegen“, sagt der Kreishandwerksmeister, der aber auch an einen Wesenszug des Handwerks erinnert: „Dass der Handwerker einmal durch Maschinen ersetzt wird, glaube ich nicht. Den Auftrag mit der Hand am Arm muss er immer noch selbst erledigen.“

Ganz so traditionell zuversichtlich wirkt der Aktionismus, den die Handwerkskammer an den Tag legt, indes nicht. In unzähligen Veranstaltungen arbeiten die Wochen zur Digitalisierung die ganze Bandbreite des Themas ab. Die reichen von der digitalen Einsatzplanung von Mitarbeitern  über die elektronische Vergabe von Leistungen, E-Mobilität und 3-D-Druck. Firmen präsentieren sich und ihre innovative Betriebsführung. Am 10. November beispielsweise geht es bei Metzger Elektrotechnik in Freiberg um den „Mobilen Monteur“ und eine Spezialsoftware für die Auftragsabwicklung. Auch die IHK setzt alles daran, ihre Mitgliedsbetriebe fit für den Wandel zu machen. Die Veranstaltung „Industrie 4.0 – Grundvoraussetzungen (Teil1)“ am 14. Oktober (neun Uhr im IHK-Haus Stuttgart) zeigt aber auch, dass der Mittelstand vielfach noch am Anfang steht. Denn Ziel des Infotages soll es sein, den Teilnehmern erst einmal klar zu machen, wie Industrie-4.0-Lösungen für den Mittelstand aussehen können und was sie den Betrieben bringen.

Die Wirtschaft jenseits der Konzernstrukturen hat also noch ein Stück Weg zurückzulegen, bis Handwerkskammer-Chef Hoefling über alle Betriebe sagen kann, was ihn nach dem Besuch beim Zahntechniker Herzing in Bietigheim-Bissingen begeisterte: „Vom Auftragseingang bis zur Lieferung und Rechnungsstellung läuft hier alles digital.“ Andreas Lukesch