Umwelt Das Apfelsammeln soll sich lohnen

An den Samstagen 29. September und 13. Oktober werden am Dreschschuppen wieder Äpfel angenommen.
An den Samstagen 29. September und 13. Oktober werden am Dreschschuppen wieder Äpfel angenommen. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 21.09.2018

Der Verein Bietigheimer Apfelsaft sammelt auch in diesem Jahr wieder Äpfel, diese können am 29. September und 13. Oktober im Dreschschuppen beim Viadukt abgegeben werden. Voraussetzung: Sie müssen von Bietigheim-Bissinger Streuobstwiesen sein, dürfen nicht gespritzt und die Wiesen nicht oder nur organisch gedüngt sein. Seit mehr als zehn Jahren gibt es jetzt diese Initiative, die den Zweck hat, die Bewirtschaftung der ökologisch wertvollen Streuobstwiesen durch einen fairen Preis für Mostäpfel wieder attraktiver zu machen.

„Im Dachverband Natur Bietigheim-Bissingen kamen vor 2007 häufig die Beschwerden, dass es nicht lohne, sich für teilweise 4 bis 6 Euro pro 100 Kilo Äpfel zu bücken und dass für die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen kein wirtschaftlicher Anreiz vorhanden sei“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Huber zur Entstehungsgeschichte. Gleichzeitig seien Streuobstwiesen „ein sehr wichtiges Natur- und Kulturgut, insbesondere für die Insekten, und damit auch für die Vogelwelt“. In Anlehnung an Streuobstinitiativen in Berglen bei Winnenden und Karlsruhe-Bruchsal sei daher im Jahr 2007 eine Initiative zunächst aus dem Dachverband Natur heraus und dann als Verein gegründet worden, um das Äpfelauflesen lohnenswerter zu machen.

Nur sieben Mitglieder

Der Verein besteht nur aus sieben Mitgliedern, darunter Oberbürgermeister Jürgen Kessing. „Es sind seit der Gründung keine neuen Mitglieder hinzugekommen. Gerne nehmen wir aber welche auf“, meint der Vorsitzende. Bei der Apfelannahme oder am Apfeltag, an dem der Verein mit Schaupressen vertreten ist, helfen aber weitere Menschen mit.

Um zu gewährleisten, dass auch tatsächlich kein gespritztes Obst verarbeitet wird, nimmt der Verein jährlich von zwei Grundstücken seiner Anlieferer im Mai oder Juni Blatt- und Fruchtproben, die von einem unabhängigen Institut untersucht werden. „Außerdem wird jährlich auch der Apfelsaft von einem unabhängigen Institut untersucht“, sagt Huber. Durch eine Vereinbarung mit jedem Anlieferer und die Kontrollen erhalte der Verbraucher ein Produkt, das eigentlich Bio-Qualität habe, aber nicht zertifiziert ist. Denn das würde recht hohe Zusatzkosten verursachen.

Diese sollen vermieden werden, denn der Verein will seinen Anlieferern einen hohen Preis zahlen. Auch in diesem Jahr wird wie in den Vorjahren eine Gesamt-Auszahlung von mindestens 20 Euro je 100 Kilo angestrebt. Der Marktpreis liege dagegen in den meisten Jahren um die 6 Euro pro 100 Kilo. Huber: „Damit können wir gut 300 Prozent des Marktpreises zahlen.“

Das gehe hauptsächlich dadurch, „dass wir die Annahme und den Vertrieb ehrenamtlich im Verein betreiben“, beschreibt Huber das Modell. Der Preis im Laden für die hergestellten Produkte sei nicht wesentlich höher als der vergleichbarer hochwertiger Erzeugnisse.

Aus den Äpfeln werden Bietigheimer Apfelsaft, Bietigheimer Apfel-Schorle und Bietigheimer Cidre hergestellt. Gepresst werden die Äpfel bei einem Unternehmen in Mundelsheim.

In diesem Jahr sind sehr viele Äpfel in den Streuobstwiesen zu sehen, was sich beim normalen Marktpreis dämpfend auswirken könnte. Doch nach dem letzten Jahr, in dem es fast kein Obst gab, dürften die Lager an einheimischem Saft ziemlich leer sein, meint Wolfgang Huber. „Wir versuchen jedenfalls, die Höhe unserer Auszahlung wie in den Vorjahren zu halten.“

In Bietigheim-Bissingen gibt es nach Auskunft der Stadt rund 75 bis 90 Hektar Steuobstwiesen. Der Vereinsvorsitzende hofft, dieses Jahr wieder zwischen 25 und 30 Tonnen Äpfel annehmen zu können. Da das Obst dieses Jahr mangels Regen relativ trocken ist, könnte das zirka 15 000 bis 18 000 Liter Saft geben.

Annahmetermine und Saftpresse

Die „Aufpreisinitiative“ Bietigheimer Apfelsaft nimmt an den Samstagen 29. September und 13. Oktober jeweils von 15 bis 17 Uhr im Dreschschuppen beim Viadukt Äpfel von Bietigheim-Bissinger Streuobstwiesen an. Die Äpfel dürfen nicht gespritzt und die Wiesen nicht oder nur organisch gedüngt sein. Eine schriftliche Vereinbarung zwischen den Anlieferern und dem Verein muss spätestens eine Woche vor der Annahme abgeschlossen werden, teilt der Verein mit. Bei der Annahme wird zunächst mindestens der marktübliche Tagespreis, nach dem Verkauf des Saftes der Restbetrag als Prämie ausbezahlt.

Die Stadt organisiert zusammen mit der Grünen Nachbarschaft wieder eine mobile Obstpresse ebenfalls im Dreschschuppen von Montag, 24., bis Mittwoch, 26. September. Alle Termine sind bereits vergeben. um

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