Ich komme auch gerne wieder und länger – arbeitet an euch:“ So stellte der Comedy-Star Ingo Appelt am Samstagabend im voll besetzten Kronenzentrum das Publikum schon mal auf seine nächste Live-Show in Bietigheim ein. Die Zuschauer brüllten vor Lachen im zwei Stunden und 40 Minuten dauernden Programm „Besser ist besser!...Das Update! Jetzt noch besser!“

Unter der Gürtellinie

Das zum festen Ensemble von „Nuhr im Ersten“ gehörende „Enfant terrible“ der deutschen Comedy-Szene hatte nicht zu viel versprochen, als er sich in den „Souterrain“ der Männerseele begab und wieder mal kräftig unter der Gürtellinie zuschlug. „Gute Laune ist wie Sex in der Ehe. Man muss sich nur zwingen, dann ist es auch wieder schön“.

Appelt, im Folgenden auch „Ingsi-Schatzi“ genannt, stieg mit Vollgas in die Katakomben der Männlichkeit hinab und schlug im ersten Teil einen militärischen Rhythmus an, bei dem das Brüllen erst einmal Aufgabe der Diktatoren von Hitler bis zu Erdogan war. „Tut einfach so, als hättet ihr jahrelang auf mich gewartet“, schrieb er dem Publikum seine Rolle zu.

„Alle wissen, dass wir Nazis sind, nur wir nicht“, teilte der Sozialdemokrat und ehemalige Gewerkschafter aus. Als Franke, bei denen die Depression bereits in den Dialekt „mit nei gebaut“ sei und wo Jungs,  die „wissen, wie man Willy Brandt richtig schreibt, zu Terroristen erzogen“ würden, bevor sie im erwachsenen Alter die „weltweit frustrierte Männlichkeit“ erleben dürften.

„Komm‘ Mädel zieh‘ die Burka aus und fühl dich wie zu Hause“, so würde der Islamist erklären, warum die Unterdrückung der Frau nichts mit Religion zu tun hat. Appelt inkarnierte den Führer nach dem Kino-Film „Er ist wieder da“  und machte die Kanzlerinnengeste „weiter unten“ vor dem körperlichen Inbegriff der Männlichkeit überhaupt.

Alles mit Rang und Namen

Da, wo bei den Frauen die „Bundesmuschi“ ist. Von Walter Ulbricht über Franz Josef Strauß bis zu Merkel und Trump beleuchtete er politisch alles aus dem Unterkörper, was Rang und Namen hat. Appelt erwies sich in atemberaubenden Tempo wieder mal als Multi-Talent im Parodieren. Seine Fans sahen die Pointe kommen und brüllten schon vorher vor Lachen.

Mit Veget-“Ariern“, Veganern, Glutenallergikern, SUV-Fahrern, E-Scooter-Fahrern, Fahrradfahrern und  Elektro-Grillern als frustrierte Ehemänner schlechthin deckte er die Themenpalette des Alltags ab. Ein „Bild des Elends“ zeichnete „Ingschi“ als depressiver Gatte beim BH-Kauf bei Hunkemöller, im Familien-Urlaub in Hurghada oder beim Frühstück, das er ans Bett serviert. Den Weg eines Ingo Appelt in das Herz der Frau legte er jedem Zuhörer ans Herz: „Dienstleister“.

„Ohne Zielvorrichte“ wie die Damen der Schöpfung auf der Toilette, wo sich männlicher- wie weiblicherseits ein nicht unbeachtlicher Teil des Programms abspielte, setzte sich „Ingsi-Schatzi“ an den Flügel und tat so, als könne ihn jeder spielen. Das Publikum bog sich vor Lachern über seine Grönemeyer-Parodie, die einschlug wie eine Bombe.

Lösungsversuche

Appelts Lösungsversuch gegen den geforderten fünffachen, multiplen Orgasmus und Drohungen wie „ein falsches Wort am Morgen und du kannst es vergessen heute Abend“ ist: „Wir gehen in die sexuelle Verweigerung.“ Ein Mann könne nun mal beim Sex nicht auch noch reden, wenn „das ganze Blut im Souterrain ist“.

Wie das aussieht, spielte Ingo Appelt bei seiner Nummer „Till und Angie“ vor. Der Akt von Till Schweiger, der seinem Namen besser Ehre machen sollte, und Frau „Wir schaffen das“, blieb im voll besetzten Kronenzentrum nicht ohne Folgen.

Appelts Männer-Verbesserungs-Comedy  schrie geradezu nach Zugabe, die die Besucher auch forderten. Aber „Ingo, Ingo!“ kommt ja wieder. „So große Kaufhäuser“ wie das mal eben in der Pause schnell aufgesuchte Kaufland Bietigheim habe er in Berlin nämlich nicht.