Bietigheim-Bissingen / Philipp Stuiber und Rena Weiss  Uhr

Bietigheim-Bissingen hat sich in Hip-Hop-Kreisen längst einen Namen gemacht. Nun gibt es einen neuen begabten Rapper und Sänger: Der Bietigheimer Carsten Schmiedel alias Caz macht zwar bereits seit 13 Jahren Musik, möchte mit seinem ersten Live-Auftritt im Jugendhaus 4D nun auch bei der breiten Masse ankommen. Dabei unterstützt ihn Saxofonist David Stöppler. Die BZ hat mit beiden gesprochen.

Wie kamen Sie zur Musik und zu Hip-Hop?

Caz: Es ist schon lange her, ich mache das seit 2006, also schon seit 13 Jahren. Damals war urbane Musik wie Hip-Hop ganz neu. Ich fand das Rebellische bei Sido und Eminem cool. Battle-Rap hat mich zudem zu Musik gebracht.

David Stöppler: Mit dem Saxofon hab ich Ende 2011 angefangen, weil mich mein ehemaliger Musiklehrer Andreas Rapp darauf aufmerksam gemacht hat. Das Instrument hat mich fasziniert und ich habe eine große Leidenschaft entwickelt.

Woher kommen die Ideen für Ihre Songs?

Caz: Ich sitze nachts im Studio, stell’ mich vor mein Mikrofon ohne einen Plan. Ich habe dann ein Instrumental, das mir gut gefällt, setze meine Kopfhörer auf und dann lasse ich es einfach fließen. Dann fallen mir erst mal Melodien ein, mit irgendeiner erfundenen Sprache und später bastle ich nach und nach einen Text zusammen, zu der die Melodie passt. Die Melodien zu finden macht mir sehr viel Spaß. Die Wörter dazu zu finden und was Neues zu erschaffen, ich liebe das.

David Stöppler unterstützt Sie mit dem Saxofon. Rap und Saxofon – keine übliche Kombination. Wie kam es dazu?

Caz: Wir kennen uns seit knapp einem Jahr. Ein gemeinsamer Freund hat uns einander vorgestellt, weil er wusste, dass ich Jazz und Soul liebe. Deswegen haben wir gesagt, lass’ es uns zusammen versuchen.

Stöppler: Ich habe in der Schule sehr viel Jazz gemacht, war da unter anderem in einer Big Band. Habe aber zwischenzeitlich aufgehört, weil ich mich gefragt habe, wieso ich nicht die Musik machen kann, die ich auch höre, also Hip-Hop in Caz’s Stil. Das habe ich dann ausprobiert und es hat sich gut angehört. Ich hatte sofort Lust, mehr zu machen.

Und wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Stöppler: Wir sitzen im Studio, Carsten fängt an, Skizzen zu machen, und dann legen wir dort, wo es passt, das Saxofon drüber. Das passiert immer ganz spontan. Das hat bei „Luft“ dann sehr gut reingepasst.

Caz: Man erwartet bei „Luft“ zum Beispiel nicht, dass da noch ein Saxofon kommt, trotzdem hebt das die melancholische Stimmung des Liedes auf ein neues Level. Ich liebe das. Saxofon ist mein Lieblingsinstrument.

Am Samstag werden Sie beide im Jugendhaus 4D auftreten. Welche Erwartungen haben Sie?

Caz: Das ist mein allererstes Konzert. Ich bin zwar aufgeregt, aber ich freue mich schon drauf. Mit 200 Leuten rechnen wir schon, falls es mehr werden, bin ich überglücklich.

Warum ist Hip-Hop so beliebt in Bietigheim-Bissingen?

Caz: Weil wir einfach was richtig Besonderes im Wasser haben. Wir werden in Rap-Wasser gebadet.

Warum machen Sie Musik?

Caz: Ich wollte nie etwas anderes machen und ich werde nie etwas anderes machen und Qualität muss sich auf kurz oder lang durchsetzen. Deswegen bleib ich dran und da gibt es für mich keine zweite Option oder einen Plan B. Ich mach Musik und so wird es auch bleiben.

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, Musik zu vertreiben. Welchen Weg gehen Sie?

Caz: Ich mache das über den Onlinevertrieb Recordjet, die bringen das dann zum Beispiel auf Spotify und dort auch auf Playlists, wenn genug Leute den Song anhören. Man braucht also gar nicht mehr ein Riesenlabel dahinter. Trotzdem ist das mein Ziel – man will ja auch irgendwie leben können.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer Musik?

Caz: Das klingt jetzt zwar sehr klischeehaft, aber das war für mich immer, dass Leute das anhören, sich daraus etwas mitnehmen und vielleicht etwas für ihr eigenes Leben lernen. Für mich ist es das Schönste, wenn jemand mir schreibt, dass ihm meine Musik gefallen hat und er sie gut findet. Kurz gesagt war es immer mein Ziel, Leute mit meiner Musik zu erreichen und zu bewegen.

Widmen Sie Ihre Songs jemandem?

Caz: Es gibt immer eine Muse, meistens ist es meine Freundin. Man kennt es ja in einer Beziehung, alles was man da erlebt, führt vielleicht zu dem besten Song, den man je geschrieben hat.

Stöppler: Ich finde das auch das Beste an Musik: Man kann seine Gefühle damit ausdrücken und verarbeiten. Musik ist etwas Persönliches.

Wie sieht es mit einem Album aus? An diesem Freitag erscheint ja die neue Single „Dunkelheit“.

Caz: Es soll schon auf ein Album hinauslaufen. Ich will mein Album fertigmachen und veröffentlichen und dann sehen, ob es jemanden gibt, der mich unterstützen will. Vom Stil her soll es in die Richtung von „Luft“ gehen. Das Ziel ist einfach, ein tolles Album zu machen und damit zu einem Label zu kommen. Mit Dave (David Stöppler, Anm. d. Red.) als Begleitung, die sich als roter Faden durch das Album ziehen wird – überall dort, wo sie reinpasst.

Was sind Ihre weiteren Projekte?

Stöppler: Ich arbeite mit Gerhardt Mornhinweg zusammen, mit dem ich Hip-Hop- und Jazz-Beats für eine Band mache. Dann natürlich weiter mit Caz und auch mit der Ludwigsburger Band „Stur und Dumm“ und mit DJ Kahveci. Mit ihm gehe ich eher in die härtere Richtung mit Elektro und Dubstep.

Caz: Im Juli spielen wir in der Villa BarRock in Ludwigsburg und im September begleiten wir  meinen Freund Mauli auf Tour durch ganz Deutschland.

Sie drehen Ihre Musikvideos selbst und hauptsächlich in Bietigheim – warum?

Caz: Ich bin dafür bekannt, dass ich Bietigheim repräsentiere. Weil ich das sehr gerne mache, versuche ich beim Filmen in Bietigheim zu bleiben. Natürlich gehe ich im Notfall auch außerhalb filmen, wenn es hier keine passende Location gibt, aber das begrenze ich auf ein Minimum.

Was sind Ihre Lieblingsplätze in Bietigheim? Wo trifft man Sie?

Caz: Im Studio, im Park – ich laufe allgemein gerne durch die Altstadt und liebe es, spazieren zu gehen. Ansonsten, Beas Bänkle in Bissingen, da ist es echt schön, genauso wie die Aussichtsplatte. Einfach mal dort oben sitzen. Also wenn nicht im Studio, dann bitte raus. Einfach raus und genießen.

Sehr heimatverbunden – ist das auch der Grund, warum Sie nur auf Deutsch rappen und singen?

Caz: Ich bin Deutscher und kann mich am besten auf Deutsch ausdrücken. Meine Musik basiert darauf, dass ich so singe, wie ich normal rede. Ich versuche das einfach zu halten. Deswegen war es für mich nie eine Option, Englisch zu singen und zu rappen.

Wer ist Ihr Vorbild?

Caz: Mein Vorbild ist auf jeden Fall Ed Sheeran, in allen Aspekten. Er macht alles selber, er komponiert selber, schreibt selber. Er ist ein Riesenstar. Ich finde, das ist auch irgendwo die Erwartung, die man an sich selber haben soll.

Was war Ihr größtes Erlebnis, das Sie ohne die Musik nicht erlebt hätten?

Caz: Haftbefehl hat mich angerufen, das war das Coolste. Ende 2012 hat mich sein kleiner Bruder kontaktiert und meinte, ich soll mich mal melden, weil meine Musik gut ist. Dann hat mich Haftbefehl angerufen und mich eingeladen, vorbeizukommen. Er wollte mich für sein Label gewinnen. Da habe ich gemerkt, ich mache irgendwas richtig. Ich habe mich dann aber dagegen entschieden, weil ich gefühlt habe, dass ich da nicht reinpasse. Ansonsten das erste Bausa- und das Rin-Konzert in der MHP-Arena. Das waren so Momente, in denen ich wusste, ich werde niemals etwas anderes machen.

Erster Auftritt im Jugendhaus 4D

Am Samstag, 18. Mai, 19 Uhr, wird Caz sein erstes Konzert überhaupt geben. Er hat sich bewusst für das Jugendhaus 4D in Bietigheim-Bissingen entschieden. „Mir ging es darum, dass ich meinen allerersten Auftritt in Bietigheim habe. Das wollte ich schon immer“, sagt der Rapper und Sänger. Mit ihm auf der Bühne stehen werden Saxofonist David Stöppler, Lucky Looks, Young Mokuba, „John on a Mission“, Joey Stranger und der Newcomer Art. Der Eintritt wird per Würfel entschieden (1 bis 6 Euro). rwe