Am Dienstagmorgen war Tobias Hähnle, beim städtischen Busunternehmen Spillmann für ÖPNV-Planung und Qualitätsmanagement zuständig, persönlich am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) im Einsatz, um den Fahrgästen bei der Orientierung zu helfen. Denn mit der Fahrplanumstellung zum Jahreswechsel hat sich bei vielen Linien auch die Bussteigzuordnung geändert. Da am Dienstag für viele der erste Arbeitstag im neuen Jahr war und auch die Schüler erstmals wieder unterwegs waren, sei durchaus noch „Unterstützungsbedarf“ nötig gewesen, berichtet Hähnle von seinen Erfahrungen. Dass etliche Busse aus dem Fahrplan gerieten, habe aber nicht an den Änderungen gelegen, sondern am Glatteis, wodurch an manchen Stellen der Busverkehr vorübergehend fast vollständig zum Erliegen kam.

Personalbedarf steigt

Was die Neuerungen betrifft, geht Hähnle davon aus, dass es noch einige Tage dauern wird, bis sich alle daran gewöhnt haben. Etliche Fahrgäste hatten bereits am 1. Januar die Möglichkeit genutzt, beim kostenlosen „Schnupperfahren“ die neuen Linien zu inspizieren. Dieses Angebot sei gut angenommen worden, berichtet Tobias Hähnle, „die Nachfrage war spürbar höher als üblich an Werktagen im Winter“. Wie darüber hinaus die Resonanz zum neuen Fahrplanangebot seitens der Nutzer ausfällt, lasse sich noch nicht genau abschätzen. „Bislang haben uns nur verhältnismäßig wenige Rückmeldungen erreicht“, berichtet der Spillmann-Mitarbeiter.

Hauptsächlich hätten sich Fahrgäste erkundigt, was sich auf ihrer Verbindung im Einzelnen ändere. Während die Mehrzahl der Fahrgäste vom ausgeweiteten Fahrplanangebot profitiere, gebe es durch die neuen Linienführungen auch einzelne Verbindungen, die künftig einen Umstieg erfordern. Ein Beispiel sei die Linie vom Ellental zur Waldschule. „Somit gab es auch einzelne kritische Rückmeldungen“, berichtet Tobias Hähnle. Insgesamt falle die Zwischenbilanz knapp eine Woche nach der Umstellung aber überwiegend positiv aus. Nachjustierungen werden vermutlich noch bei der Zuordnung der Gelenkbusse auf die stark nachgefragten Fahrten erforderlich sein.

Der neue Fahrplan verlangt dem städtischen Unternehmen einiges ab. „Durch die Ausweitung des Fahrplans steigt auch unser Personalbedarf im Linienverkehr um circa zehn bis zwölf Fahrer“, sagt Hähnle. „Wir haben bereits Mitte des vergangenen Jahres mit dem Aufstocken des Personals begonnen, zum Jahreswechsel sind nochmals sieben neue Kollegen hinzugekommen, die nun in der Einarbeitungsphase sind.“ Spillmann geht davon aus, dass der Aufstockungsprozess bis etwa April abgeschlossen ist.

Problem: überlastete Straßen

Das Unternehmen profitiert dabei von der Tatsache, dass das erste Quartal saisonal im Reiseverkehr Nebenverkehrszeit ist. Hähnle: „Somit können wir auch teilweise unsere Reisefahrer auf der Linie einsetzen.“ In der Verwaltung sei durchaus die eine oder andere Sonderschicht erforderlich gewesen, um den zusätzlichen Arbeitsaufwand im Zuge des Fahrplanwechsels zu bewältigen. Insbesondere die Datenversorgung der Bordrechner sei ziemlich arbeitsintensiv.

Zudem mussten auch neue Busse angeschafft werden. Kurz vor Weihnachten wurden fünf neue Linienbusse an Spillmann ausgeliefert, alle wieder mit einer individuellen Innenraumgestaltung. Weitere sollen im Lauf des Jahres folgen, sodass bis zum Jahresende der Anteil an Hybridbussen an der Linienflotte auf 50 Prozent steigen wird.

Zur Frage, ob der 15-Minuten-Takt, den es jetzt teilweise gibt, angesichts des Verkehrsaufkommens in der Stadt eine Herausforderung für die Pünktlichkeit darstelle, sagt der Spillmann-Verkehrsplaner, die größte Herausforderung für die Pünktlichkeit im Stadtgebiet von Bietigheim-Bissingen sei die Überlastung des Straßennetzes durch den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu den Hauptverkehrszeiten – „unabhängig von der Taktfrequenz der Busse“. „Wir haben bei einzelnen Linien zusätzliche Fahrplanpuffer eingebaut, um die Fahrplanstabilität zu verbessern. Das ist aber auch nur eine Notlösung, die zusätzliche Ressourcen bindet.“ Aktuell werde im Rahmen des städtischen Verkehrsentwicklungsplans untersucht, wie man die Abhängigkeit des Busverkehrs vom MIV reduzieren und damit die Attraktivität des ÖPNV steigern könne, zum Beispiel durch zusätzliche Busspuren.

Spillmann erwartet durch die Ausweitung des Fahrplanangebots und die übersichtlichere Netzstruktur mit einheitlichen Linienwegen zusätzliches Fahrgastpotenzial, eine Prognose zum Ausmaß sei aber schwierig, so Tobias Hähnle. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigten, dass es in der Regel zwei bis drei Jahre dauere, bis Fahrplanänderungen ihre volle Wirksamkeit auf den Verkehr entfalteten.