Auch das städtische Busunternehmen Omnibusverkehr Spillmann GmbH wird von der Corona-Krise hart getroffen. Wie berichtet brach im Touristik-Bereich ab 17. März mit Beginn der weltweiten Reisewarnung der Umsatz vollständig ein. Im wirtschaftlichen Ausblick, der im Jahresabschluss 2019 enthalten ist, werden jetzt Zahlen genannt.

In dem Bericht, der jüngst im Stiftungsrat der Sozialstiftung vorgelegt wurde, teilen Bürgermeister Joachim Kölz und Spillmann-Geschäftsführer Bülent Menekse mit, dass schwere Verluste zu erwarten seien. Zwar könne derzeit noch keine seriöse Vorhersage getroffen werden, laut einer vorsichtigen Schätzung sei aber von einem Verlust von 1,2 Millionen Euro auszugehen.
Wie Menekse auf BZ-Anfrage mitteilte, wurden seitens von Bund und Land zwar Corona-Hilfen beschlossen, Geld sei aber noch keines geflossen. Vermutlich werde dies erst ab Herbst der Fall sein, wenn Bund und Länder in Abstimmung die Mittel harmonisiert hätten, um Überschneidungen der Bund-Länder-„Töpfe“ zu vermeiden.
Zu dem Verlust tragen allerdings nicht nur die Auswirkungen der Corona-Krise bei. Auch die Tatsache, dass dem Busunternehmen durch eine gesetzliche Neuregelung ab 2020 Ausgleichsmittel fehlen, wirkt sich aus.

Hoher Investitionsbedarf

„Die größte Herausforderung in den kommenden Jahre wird der deutlich zugenommene Spannungsbogen sein, den wirtschaftlichen Schaden aus der Corona-Krise schrittweise abzutragen, die Realkosten mit den neuen Finanzierungsrichtlinien zu harmonisieren und die klimafreundliche Mobilität zu organisieren und finanzieren“, heißt es in dem Ausblick für das städtische Busunternehmen. Es bedürfe auch hoher Investitionen in moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, „um weiterhin konkurrenzfähig und fortschrittlich auf dem Markt bestehen bleiben zu können“.

Was das vergangene Jahr betrifft, so weist der Jahresabschluss einen Verlust von rund 179 000 Euro aus. Damit schneidet Spillmann besser ab als 2018, als ein Verlust von rund 250 200 Euro verbucht werden musste. Der Jahresverlust wird aufgrund des bestehenden Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags von der Städtischen Holding übernommen. Wie Menekse im Geschäftsbericht darlegt, war im Jahr 2019 in beiden Geschäftsbereichen ÖPNV und Touristik eine Besserung der konjunkturellen Stimmung erkennbar. Diese positiven Tendenzen hätten sich auch im Jahr 2020 fortgesetzt – bis Corona kam. Allerdings: Trotz gestiegener Umsätze in einigen Produktfeldern hätten die administrativen Herausforderungen in Vorbereitung auf das ÖPNV-Vergabeverfahren für die Verkehrsleistungen ab 2020 nicht nur zu einem zeitlich sehr hohen Aufwand geführt, sondern auch Kosten verursacht.

Problem Fahrermangel

Der Fahrermangel habe sich zunächst zu Beginn des Jahres 2019 leicht entspannt. Im weiteren Verlauf habe sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt indes wieder deutlich durch eine spürbare Zurückhaltung aufgrund dem zu der Zeit noch allgemein ungewissen Ausgang der Vergabeverfahren im ÖPNV verschärft. Der Fahrermangel erhöhe die Kosten, um Fahrpersonal zu gewinnen, erheblich. Neben dem Stellen des Arbeitsplatzes sei häufig das Wohnungsproblem mit zu lösen, damit Arbeitskräfte überhaupt in die Lage versetzt werden, einen Arbeitsplatz anzutreten. Auch Schichtdienste, Wochenenddienste und lange Dienste mit vielen Pausenzeiten machten es schwer, Personal zu finden.

Was die Busflotte betrifft, so wurden 2019 zwölf neue Busse beschafft, um im Vorgriff den erhöhten Leistungsumfang im ÖPNV ab 2020 zu decken. Dies führe zu einem erhöhten neuen Abschreibungsniveau in den kommenden Jahren, so Menekse im Geschäftsbericht. Günstig wirkte sich aus, dass die Dieselkosten um 6,7 Prozent sanken.
Der Jahresabschluss wurde vom Stiftungsrat einstimmig, ohne Aussprache, gebilligt. Am 21. Juli soll er im Gemeinderat und in der Gesellschafterversammlung abschließend vorgelegt und beschlossen werden.