Initiative Bürokratie blockiert Hilfe für Bhutan

Andreas Lukesch 11.07.2018

Wenn es nach Dr. Wolfgang Pfeiffer, Bietigheim-Bissinger Gemeinderat und Honorarkonsul des Königreichs Bhutan, ginge, dann wären bereits 30 „gut ausgebildete“ und mit Grundkenntnissen der deutschen Sprache ausgestattete Krankenpflegekräfte aus dem kleinen Land am Rand des Himalayas auf dem Weg nach Ludwigsburg, nach Konstanz und ins Hohenlohische, um sich dort als Krankenpfleger nach deutschen Standards weiterzubilden. Zehn von ihnen wären bei den RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim im Einsatz.

Insgesamt planen Pfeiffer und der Verein Bhutanhilfe Bietigheim-Bissingen mit dem Vorsitzendem Prof. Alexander Klaussner den Einsatz von 150 Pflegekräften, die jeweils fünf Jahre in Deutschland blieben und dann in ihr Land zurückkehren würden. Letzteres ist Pfeiffer besonders wichtig, denn die Tatsache der begrenzten Aufenthalts ist ein Knackpunkt in der Auseinandersetzung der Bhutan-Helfer mit Behörden und Ministerien in Deutschland.

Die blockieren bisher die Umsetzung des Vorhabens und berufen sich auf die deutsche Beschäftigungsordnung, die wiederum auf einem Kodex der Weltgesundheitsorganisation WHO fußt, der es verbietet, aus Ländern mit „kritischem Gesundheitssystem“ Pflegekräfte anzuwerben.

Eine Erklärung der WHO, die Deutschland zum Gesetz erhoben habe, die aber im Fall der Bhutanhilfe nicht greife. „Wir werben nicht an, sondern wir versuchen den Wunsch einer Regierung an uns umzusetzen“, betonte der Honorarkonsul bei der Vorstellung des Projekts in Bietigheim-Bissingen gleich mehrmals. Dies widerspreche nicht dem WHO- Kodex

Mit dem Gang in die Öffentlichkeit wollen die Initiatoren nun Druck ausüben, um möglicherweise per Ministerverfügung oder durch Einlenken der entsprechenden Behörden doch noch grünes Licht für die Weiterbildung bhutanischer Fachkräfte zu erhalten.

An Empfehlungsschreiben aus dem Himalaya und den hiesigen Fachstellen  mangelt es jedenfalls nicht. Auch deshalb nicht, weil alle Beteiligten von einer Win-win-Situation ausgehen. Denn während das von Arbeitslosigkeit gezeichnete Königreich nach fünf Jahren hoch qualifizierte Pflegekräfte zurückbekäme, wäre die Aktion in Deutschland ein Beitrag gegen den Pflegenotstand.

Laut Klaussner wären die Weiterzubildenden nach einer eineinhalbjährigen Einarbeitung für dreieinhalb Jahre umfänglich auf den Pflegestationen einsetzbar. Wie es weitergeht, kann Pfeiffer derzeit nicht sagen.

Er wirbt weiter bei der WHO für eine Streichung Bhutans von der Liste der unter den Kodex fallenden Länder und in Deutschland für eine Anerkennung der Aktion als Weiterbildung. „Spätestens in vier bis sechs Monaten könnten wir dann mit dem Projekt starten.“

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