Fünf Euro kostet derzeit die Fahrt mit dem Bus von Bissingen nach Bietigheim und zurück. Etlichen Bissingern ist das zu teuer. Sie forderten beim Bürgergespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Montagabend in der Rommelmühle eine schnelle Einführung des sogenannten Ein-Euro-Tickets. Doch für die Verwaltung wäre das der zweite Schritt vor dem ersten.

Zu schnelles Fahren, vor allem nachts, Ärger über parkende Autos und verstopfte Straßen – Themen, die auch den Bissingern auf den Nägeln brennen. Umso mehr mahnten Teilnehmer des Bürgergesprächs am Montag an, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen, um mehr Menschen dazu zu bewegen, das Auto stehen zu lassen. Wie zu hören war, liege das Problem nicht nur in den hohen Kosten für ein Busticket, auch an der Pünktlichkeit der Busse hapere es. Zudem sei die derzeitige Ringlinie unattraktiv, manchmal sitze er alleine im Bus, beklagte ein Bürger. Er wies zudem darauf hin, dass auch im Gemeinderatswahlkampf Versprechen abgegeben worden seien, in dieser Richtung aktiv zu werden.

Verkehrsentwicklungsplan 2020

In der Tat berichtete OB Jürgen Kessing, dass sich erst vor Kurzem der Gemeinderat in einer Klausurtagung mit dem Thema befasst hatte. Doch das Ergebnis war nicht so, wie es sich einige erhofft hatten. Erst solle die Qualität des ÖPNV in der Stadt verbessert werden, dann könne über eine Absenkung des Preises entschieden werden, sagte Kessing. Der Gemeinderat habe alles abzuwägen, nicht nur den ÖPNV, so der Verwaltungschef.

Deshalb soll als nächster Schritt im zweiten oder dritten Quartal 2020 zunächst der Verkehrsentwicklungsplan beschlossen werden, der sich umfassend mit dem Thema Verkehr beschäftigt, auch mit Umfahrungen. Kessing zeigte sich diesbezüglich allerdings skeptisch: Für eine Westumfahrung müsse man mit einem dreistelligen Millionenbetrag rechnen, von dem die Stadt zwei Drittel bis drei Viertel selbst bezahlen müsse. Zudem sei dann der Grotztunnel schnell zu klein. Stattdessen könnten Pförtnerampeln helfen, den Durchgangsverkehr zu kanalisieren.

Beim Busverkehr setze man auf Taktverbesserungen, so Kessing. Diese sollen ab dem kommenden Jahr in Angriff genommen werden, auch als Reaktion auf einen 15-Minuten-Takt der S-Bahn. Ebenso würden bessere Verbindungen, unter anderem nach Bissingen, angestrebt. Auch die Ringlinie soll nach den Worten des Rathauschefs eingestampft werden. Ein Beschluss über ein günstigeres Ticket soll dann 2021 folgen, wobei der Preis – ob ein Euro oder drei Euro für ein Tagesticket – noch offen ist.

Schritt für Schritt vorgehen

Von den anwesenden Gemeinderäten verteidigten Uwe Careni (SPD) und Hermann Eppler (CDU) dieses Vorgehen beim Bürgergespräch. Man habe das Stadtticket auf dem Plan, sagte Careni, doch es müsse ein Schritt nach dem anderen getan werden. Wenn der Bus im Stau stehe, bringe es auch nichts. Für eine Preissenkung müssten erst die Voraussetzungen geschaffen werden, erklärte Eppler.

Bürgerbüro: Neuer Versuch im nächsten Jahr


Seit geraumer Zeit ist das Bürgerbüro im Bissinger Rathaus geschlossen. Der Grund: Es fehlt an Personal. Wie der neue Leiter des Ordnungsamtes, Matthias Volk, beim Bürgergespräch in der Rommelmühle sagte, ist für das kommende Jahr eine Wiedereröffnung geplant, der genaue Zeitpunkt sei allerdings noch offen. Das hänge auch von der Ausbildung neuer Mitarbeiter ab. Der Start solle behutsam sein, gedacht sei zunächst an einen Tag pro Woche.

Nach den Worten von Pressesprecherin Anette Hochmuth ist es auch nicht so einfach möglich, Mitarbeiter von Bietigheim nach Bissingen abzustellen, da 2020 Sonderaufgaben auf die Verwaltung zukommen. Das sei zum einen die anstehende OB-Wahl, zum anderen das Volksbegehren zum Thema Bienen. Dafür müssen von der Verwaltung Unterschriften beglaubigt werden. Wohl keine Chance hat ein Vorschlag beim Bürgergespräch, stattdessen das Bürgerbüro in Bietigheim an einem Tag zu schließen. um