Eine ganze Reihe von Trinkwasserbrunnen sprudeln in der Landeshauptstadt Stuttgart, die im Sommer durstigen Stadtbewohnern umsonst zur Verfügung stehen. Wer will, kann das kühle Nass auch in Flaschen abfüllen und mitnehmen. In Bietigheim-Bissingen müssen die Bewohner und Gäste diesbezüglich jedoch darben. Kein Trinkwasserbrunnen weit und breit, der einen kühlen Schluck bietet. Die GAL-Fraktion würde das gerne ändern und hatte dazu 2016 einen Vorstoß im Technischen Ausschuss gemacht. Doch die Diskussion war vertagt worden und ist danach versickert. Jetzt hat die GAL nachgehakt.

Jüngst im Technischen Ausschuss machte Albrecht Kurz wieder auf das Anliegen seiner Fraktion aufmerksam. Der GAL-Fraktion schwebt vor, zwei öffentliche Trinkwasserspender im Stadtgebiet zu installieren. Einen im Bürgergarten am Enztalradweg und einen im Bereich der Fußgängerzone. Ein Trinkwasserspender biete rund um die Uhr frisches Trinkwasser. Gerade in den Sommermonaten sei im Bereich Bürgergarten und Altstadt ein derartiges Angebot für Radfahrer, für Spaziergänger und Touristen sinnvoll, so die GAL in ihrer Begründung. Per Taste oder Knopfdruck könne die Wasserabgabe für einen bestimmten Zeitraum geöffnet werden. Die Entnahme soll kostenlos sein.

Gute Erfahrungen haben auch die Ludwigsburger Stadtwerke mit solchen Trinkwasserspendern gemacht, die sie allerdings nicht im öffentlichen Raum, sondern an Schulen installiert haben. „In Summe haben wir im Rahmen eines Projektes zwischen 2013 und 2015 an fünf Schulen einen Trinkwasserspender installiert und eine Erstausstattung Flaschen dazu geliefert“, berichtet Pressesprecherin Astrid Schulte. Die Folgekosten wie Wartung und Kohlensäure würden von den Schulen übernommen. Als Gegenleistung haben die Schulen Projekte zum Thema Wasser umgesetzt. „Die Schulen sind – soweit wir wissen – sehr zufrieden“, sagt Schulte.

In Bietigheim-Bissingen hat die Stadtverwaltung bei der Beratung des GAL-Antrags 2016 hingegen vor allem auf die Probleme hingewiesen. Die Abgabe von Trinkwasser, welches aus dem Ortsnetz der Stadt Bietigheim-Bissingen in Wasserspender eingespeist werde, unterliege lebensmittelrechtlichen Vorschriften sowie der Überwachung durch die Lebensmittel-Überwachungsbehörde, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung zu diesem Thema. Jeder, der solches Wasser an Verbraucher abgebe, sei für die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Wassers verantwortlich. Damit sei „ein enormer technischer, finanzieller und organisatorischer Aufwand“ verbunden.

Auch bezüglich der hygienischen Handhabung, Wartung, Reinigung und Desinfektion würden an Trinkwasserspender viele Anforderungen gestellt. So sei die Wasserentnahme mit bereits benutzten, selbst mitgebrachten Trinkgefäßen verboten. Konsequenz: Es müssten Einmalbecher bereitgestellt werden. Der Standort des Wasserspenders sollte schattig sein, möglichst zentral und einfach überwachbar. Eine tägliche Reinigung und Desinfektion der Zapfanlage sei notwendig. Mindestens einmal pro Monat sei eine Desinfektion aller wasserführenden Geräteteile nötig, und jeden Morgen müsse man ein bis zwei Liter Wasser aufgrund der „nächtlichen Stagnationsphase“ ablaufen lassen. Nicht zu vergessen regelmäßige mikrobiologische Wasseruntersuchungen.

Thema vertagt

Aufgrund dieses Aufwandes hatte die Verwaltung zunächst vorgeschlagen, das Thema nicht weiterzuverfolgen. Oberbürgermeister Jürgen Kessing hatte dann aber auf eine Abstimmung verzichtet und versprochen, das Thema in einer späteren Sitzung wieder aufzugreifen. Seitdem war Funkstille.

Nun werde man den Wunsch nach den Trinkwasserspendern nochmals thematisieren, sagte Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadtverwaltung, auf Anfrage. Einen Termin dafür gebe es allerdings noch nicht. An den von der Verwaltung genannten kritischen Punkten bezüglich Hygienekontrolle, Reinigung und so weiter habe sich allerdings nichts geändert.

Letztlich müssten die Stadträte entscheiden, ob sie die Trinkwasserspender trotz dieses Aufwands wollten, so Hochmuth.