Bi-Bi – Helau“, die Narren sind los: In der proppenvollen Aurainhalle feierte die Karnevalsgesellschaft Buchfinken Bietigheim-Bissingen am Samstagabend mit befreundeten Vereinen Fasching bis in die Nacht hinein. Die Gastgeber verstanden es, die Auftritte anderer Hästräger mit Brauchtumstanz und ihrem seit zwei Jahren aktiven Männerballett in einen Rahmen zu betten, in dem sich die anderen Bühnenstars von Stuttgart bis nach G‘sälzhafhausen in Kuchen an der Fils wohlfühlten. Die Moderatorin Sonja Winter stand dabei vor einem „unglaublich vollen Haus“. Der einst von den Alemannen für Siedlungen und Felder stark dezimierte Buchfink als Symboltier der Karnevalsgesellschaft fand in der fünften Jahreszeit ein weich gepolstertes Nest unter gut bestückten Wäscheleinen, mit denen die Halle geschmückt war.

Stil- und zielsicher reichten die Backhaushexen trotz schwerem Häs und eingeschränkter Sicht auf die Bühne beim Brauchtumstanz das sagenumwobene Bietigheimer Brot an den Ersten Fasnetsverein Steinheim und an den Fellbacher Carneval Club, die in Maskentänzen ebenfalls die Geschichten ihrer Vorfahren erzählten. Die Stadtnarren von den Wobachspatzen stellten beim Charleston und beim Twist unter Beweis, wie viel Schwung in den Hüften ein Hästräger entwickeln kann und ernteten dafür einen Riesenapplaus.

Guggenmusik rockt die Halle

Nebelschwaden, Bocksprünge, wagemutige Pyramiden – das alles spornte das Publikum zum Mitmachen an, ganz abgesehen von der Guggenmusik, zu welcher in der ganzen Halle getanzt wurde. Mit ihrem schwarz-gelben Maskottchen rockten die First Guggen Stuttgart den Saal. Eine fetzige Performance animierte das Publikum zum Mitbrüllen, wie beispielsweise bei dem Titel „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. Die Sau Glogg Gugga Köngen in ihren Holland-Gloggs schreckten beim Partymachen nicht einmal vor „Halleluja“ von Leonard Cohen zurück und verliehen dem bis zur abgenudelten Version von vielen Interpreten gesungenen Hit ganz neue Dimensionen. Den Gugga Immortalis Bietigheim gehörte das Finale, als die lebensfrohe Narrenbande auf dem Höhepunkt der Stimmung war.

Was wäre ein Brauchtumsabend ohne schweißtreibende Showtänze wie dem der Karnevalsgesellschaft G‘sälzhafhausen. Die Roten Funken von Rosenmontag Stuttgart, eine ganz junge Truppe, setzte das Thema „Herzblatt“ in einen sportlich äußerst ambitionierten Hip-Hop-Tanz um und die Tänzerinnen des Carnevals Clubs Fellbach ließen die Petticoats und die Pferdeschwänze beim Rock ‘n’ Roll wippen.

Blaue Garde tanzt Samba

Einen heißen „Samba de Janeiro“ brachten die Brasilianerinnen von der Blauen Garde Unterweissach auf die Bühne. Insbesondere das männliche Publikum kam aus dem Raunen nicht mehr heraus, als die federbestückten Paradiesvögel als eine Gruppe, die sich selber trainiert, eine fernsehreife Choreografie auf die Bühne brachte.

Mit den Männerballetten fand der weibliche Tanz ein selbstbewusstes Pendant. Die Zuschauer konnten kaum erwarten, was sich die Weilemer Hörnleshasa, die Tänzer von den Buchfinken und die Mannen der Carneval-Gesellschaft Heilbronn so alles ausgedacht hatten. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, als die Hörnleshasa als Steinzeitfrauen mit Schlange im Zentrum einen Auszug aus dem Musical „Lion King“ samt Hebefiguren präsentierten.

14 „Helden in Schläppchen“ konnten die Buchfinken auffahren. Als „Fisherman‘s Friends“ brachten sie einen menschlichen Eisberg zum Einsturz und landeten mit dem „Knallroten Gummiboot“ auf der „Titanic“, wo sich eine balletös höchst anspruchsvolle Tragödie abspielte, bevor sie zu „Schatzi, schenk‘ mir ein Foto“ so elegant wieder aus dem Saal marschierten, dass im Publikum ein Transparent mit der Aufschrift „Ivo, ich will ein Kind von dir“ auftauchte.

Bei den „Helden der Musikgeschichte“ aus Heilbronn war dann endgültig vollends „Footloose“. Leichtfüßig moonwalkte Michael Jackson einer mondänen Tina Turner entgegen und Nena hüpfte vom „Leuchtturm“ bis ans Ende der Welt.