Kabarett Blümchenkaffee und Frotzeleien

Warten auf die Dritte in der Runde: In der Bietigheimer Kelter gab es  „Neues aus dem Dohlengässle“
Warten auf die Dritte in der Runde: In der Bietigheimer Kelter gab es „Neues aus dem Dohlengässle“ © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Susanne Yvette Walter 19.01.2018

Als die ursprünglich Dritte im Bunde, Islode Neu, mit 56 Jahren an Krebs starb, schien es vorbei zu sein mit dem Schwabentrio „Die drei vom Dohlengässle“. Doch nun starteten Dietlinde Elsässer und Ida Ott ihr Comeback in der vollbesetzten Alten Kelter in Bietigheim-Bissingen. Das rustikale Balken-Flair wölbte sich großartig über den Kaffetisch, wo traditionell das Weltgeschehen im Dohlengässle verhandelt wird und mit Spannung die neue Nachbarin erwartet wird.

Nach dem Schicksalsschlag, den das Frauenpower-Kabaretttrio traf, wollten auch die anderen beiden Schauspielerinnen mit Wurzeln im Theater Lindenhof Melchingen nichts mehr wissen vom Dreieckstratsch aus dem Dohlengässle. Aber jetzt sehen die Dinge wieder anders aus. Dietlinde Ellsässer und Ida Ott kochen in bewährter Manier Blümchenkaffee und verlustieren sich in ihren einmaligen Frotzeleien bis endlich die neue Dritte im Bunde im Hippilook als Müllsammelprophetin die Bühne betritt: Emma alias Gina Maas.

Hefezopf statt Torte

Statt der erhofften „Eierlikör-Rahm-Schmand-Apfeltorte“ oder so ähnlich hatte sie einen abgepackten Hefezopf aus dem Container im Gepäck und auch sonst bringt sie so allerlei Ecken und Kanten mit, die es knistern lassen im Dohlengässle. Als sich herausstellt, dass die neue Emma unter ihrem herzlichen „Jetztgrüß-Gott“ Leichen in Form von all zu großer Freizügigkeit versteckt hält, gerät die neue Einheit im Dohlengässle kurz ins Wanken.

Die beiden eingefleischten Dohlengässlerinnen und Moralapostelinnen springen wie vom Blitz getroffen auf ihre Wäscheleinen zu, hängen mechanisch in grässlich zuckenden routinierten Verrenkungen die trockenen „Gschirrdüchle“ ab und entscheiden sich dann doch für ein Friedensangebot, denn schließlich kann man sich die neue Nachbarin ja nicht raussuchen und muss sie nehmen wie sie ist – auch wenn sie von der Missionarstation geflogen ist, weil sie mit einem Kollegen inflagranti erwischt worden war.

Vertrautes trifft auf Neues – mit Elan flackern immer wieder wunderschön dreistimmig die neuen alten Lieder auf und „zsammehalde“ muss man schon, wo die Neue zwar weitgereist ist, aber doch Wurzeln in Oberschwaben hat.

Gelungenes Comeback

Es ist eine Einladung aufs Leba in der Dohlengassengemeinschaft, die die Rei’gschmeckte erwartet, und es jagen sich die Pointen. Auch in der neuen Konstellation schafft es das Trio, sein Publikum zu faszinieren durch seinen ganz eigenwilligen Schlagabtausch. „Der Abend ist genauso so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich kenne die drei aus dem Fernsehen“, lacht Renate Kern aus Bietigheim-Bissingen noch auf dem Weg in die Pause.

Natürlich geht auch das Leben im Dohlengässle weiter und die Neue bringt ihr Persönlichkeitskolorit mit. Da merken die beiden Verwurzelten schon, dass es an ihnen ist, Veränderung zuzulassen.

Von der neuen Lady in ihrer Mitte lernen die beiden betont Hängengebliebenen, dass es keinen Sinn macht, stur „am alta festzuhalta“, und dass willkommen sein‘ als Geschenk wahrgenommen werden kann. „Auf‘s Leba! Eba!“ – ein großartiger Abend und ein tolles Comeback einer Truppe, die  schon seit 20 Jahren tourt.

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