Bietigheim-Bissingen Bissinger Großbrand vor Gericht

Bietigheim-Bissingen / JULIA SCHWEIZER 28.10.2015
Der Großbrand in einer Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses in der Bissinger Bahnhofstraße Anfang März 2014 hatte Aufsehen erregt. Nun muss sich der mutmaßliche Täter vor Gericht verantworten.

Diese Bilder bleiben im Kopf: Dichter Qualm dringt aus der Tiefgarage, Feuerwehrleute, die nur mit Vollatemschutz gegen den Brand ankämpfen, und Menschen, die mit goldenen Rettungsfolien vor dem Gebäude stehen oder Senioren, die von Rettern die Treppen hinuntergetragen werden. Gegen 22.25 Uhr an diesem 1. März 2014 hatte das Unheil seinen Lauf genommen und Zeugen erste Rauchschwaden gemeldet. In der Folge mussten alle 20 Bewohner das Gebäude in der Bissinger Bahnhofstraße verlassen, drei erlitten dabei so starke Rauchgasvergiftungen, dass sie ins Krankenhaus mussten. Tagelang war das Haus nicht mehr zugänglich.

Verantwortlich dafür sein soll ein 26-Jähriger, der sich von Donnerstag an vor dem Heilbronner Landgericht verantworten muss. Angeklagt ist er wegen schwerer Brandstiftung sowie weiterer Delikte. Und die sollen es auch gewesen sein, weshalb es überhaupt zu dem Brand gekommen ist - es geht um Diebstahl. Denn die Anklageschrift geht von 22 Fällen aus, in denen der Mann - mutmaßlich um seine Drogensucht zu finanzieren - sich durch den Verkauf von zuvor gestohlenen Teilen von Motorrädern und Motorrollern eine "Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang" aufgetan habe. Im August 2013 habe der Angeklagte den Entschluss dazu gefasst, die Tatorte sollen vor allem in Bietigheim-Bissingen liegen.

Einer dieser Versuche, einen Motorroller zu stehlen, führte ihn dann in jener Nacht in die Tiefgarage in der Bahnhofstraße. Weil es aber misslungen sei, den Roller kurzzuschließen und zu starten, soll er an einem Auto Benzin abgezapft haben. Um zu überprüfen, ob das funktionierte, soll er dann mit einem Feuerzeug Licht gemacht haben. Der ausgelaufene Kraftstoff soll sich entzündet haben, so die Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte sei dann mit dem Motorroller getürmt, obwohl er gewusst haben soll, dass sich über der Tiefgarage Wohnungen befinden, heißt es in der Anklage weiter, die den Schaden mit mindestens einer halben Million Euro angibt.

Fünf Verhandlungstage hat das Heilbronner Landgericht für den Prozess angesetzt. 18 Zeugen und zwei Sachverständige sind geladen. Ein Urteil könnte Mitte November gefällt werden.

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