Bietigheim-Bissingen/Karlsruhe Biovergärung: Karlsruhe stimmt für Transporte

Bietigheim-Bissingen/Karlsruhe / JULIA SCHWEIZER 26.03.2016
Der Gemeinderat von Karlsruhe hat dafür gestimmt, den Biomüll der Stadt in den kommenden 20 Jahren von jener Bietergemeinschaft verwerten zu lassen, die auch an der geplanten Vergärungsanlage in Bietigheim-Bissingen beteiligt ist.

Der Karlsruher Biomüll reist künftig auch nach Bietigheim-Bissingen - so will es der Gemeinderat. Nur zwei Mitglieder votierten am Dienstagabend gegen die Vergabe des Auftrags an die Bietergemeinschaft BEM Umweltservice GmbH/KWB Kompostwerk Bauland GmbH & Co. KG, unter ihnen Jürgen Wenzel.

Der Freie Wähler war zuvor mit seinem Antrag gescheitert, den Beschluss zurückzustellen. Wenzel kritisierte, dass gemäß den Plänen jährlich mit knapp 1000 Lastwagenladungen der Abfall bis zu 150 Kilometer weit transportiert werden müsste. Der Müll soll zunächst in Flörsheim-Wicker bei Wiesbaden, später dann etwa die Hälfte der Menge - durchschnittlich 17.000 Tonnen pro Jahr zu einem Nettopreis von 70 Euro je Tonne - auch in Bietigheim-Bissingen verwertet werden (die BZ berichtete). Wenzel hätte sich gewünscht, dass ein regionaler Anbieter zum Zug kommt - die von der Stadt festgelegte Preisobergrenze habe das jedoch erschwert, sagt er. Von sieben Interessenten sei deshalb nur die eine Bietergemeinschaft übrig geblieben. Man hätte aber auch die Kosten der Umladung einrechnen müssen, so Wenzel

Man habe die Umladung nicht ausschreiben können, weil sich das nicht 20 Jahre im Voraus planen lassen könne, entgegnete die Stadt. "Dem Bieter würde in einem solchen Fall ein ungebührliches Wagnis übertragen", heißt es in der Erläuterung der Verwaltung zu Wenzels Antrag. Zudem könne man eine möglichst große Flexibilität bei der Zurverfügungstellung/Umladung der Abfälle sicherstellen und die Mengen prüfen, wenn die Leistungen in der eigenen Verantwortung verbleiben.

Wenzel kritisierte zudem, dass die Stadtverwaltung nicht auf die großen Widerstände in der Bevölkerung von Bietigheim-Bissingen hingewiesen habe. Er erinnerte daran, dass sich eine Bürgerinitiative gegen Neubaupläne gebildet hatte, als klar wurde, dass die Karlsruher Nassvergärungsanlage im Juni 2015 nach 20 Jahren Betrieb stillgelegt werden sollte. Im Sommer 2014 empfahl dann eine sogenannte Konsensus-Konferenz aus ausgewählten Bürgern die externe Vergabe der Entsorgung. Man sollte eine Bürgerinitiative nicht einfach überfahren, sagte Wenzel. "Wenn man die Karlsruher Bürger ernst nimmt, muss man auch die anderswo ernstnehmen." Die Stadt sei aber wohl einfach nur froh gewesen, dass die Müllentsorgung nun günstiger sei als mit dem Neubau einer Anlage; die Rede ist von einer jährlichen Einsparung von rund einer halben Million Euro abzüglich der Umladekosten von 80.000 Euro.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel