Abfallwirtschaft Biomüll: Zum Vergären in die Pfalz

In Bietigheim-Bissingen hatte die Absicht, eine Biogutvergärungsanlage im Steinbruch Fink zu bauen, vor einem Jahr zu heftigen Diskussionen geführt. Ein Bürgerentscheid am 17. Juli 2016 hatte das Projekt schließlich gestoppt.
In Bietigheim-Bissingen hatte die Absicht, eine Biogutvergärungsanlage im Steinbruch Fink zu bauen, vor einem Jahr zu heftigen Diskussionen geführt. Ein Bürgerentscheid am 17. Juli 2016 hatte das Projekt schließlich gestoppt. © Foto: Werner Kuhnle
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 15.07.2017

Fast genau ein Jahr ist es her, als am 17. Juli 2016 ein Bürgerentscheid das Projekt der BVB Biogutvergärung Bietigheim GmbH zu Fall brachte, auf dem Gelände des Steinbruchs Fink eine Vergärungsanlage für den Kreis zu errichten. Wie das Landratsamt am Freitag bekanntgab, ist nun ein neuer Standort gefunden: Dieser liegt rund 100 Kilometer entfernt in der Pfalz.

Laut der Mitteilung planen der Kreis Germersheim in Rheinland-Pfalz und das Entsorgungsunternehmen SUEZ, eine Kompostierungsanlage in der kleinen Gemeinde Westheim (rund 1700 Einwohner) zu erneuern und um eine Biogutvergärungsanlage zu erweitern. Wenn die dortigen Kreisgremien zustimmen, könnte die Anlage 2019 in Betrieb gehen und rund 58.000 Tonnen Bio- und Heckenabfälle verarbeiten, so der Plan. Der Kreis Ludwigsburg könnte 28.000 Tonnen Biomüll dorthin liefern. 22.000 Tonnen sollen aus dem Kreis Germersheim und 8000 Tonnen aus der Stadt Karlsruhe kommen.

Der AVL-Aufsichtsrat habe dem geänderten Standort unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass der Standortwechsel vergaberechtlich unbedenklich und die Wirtschaftlichkeit der Anlage gegeben sei. Beides soll die AVL-Geschäftsführung prüfen und im Falle eines positiven Ergebnisses einen Änderungsvertrag mit der Biogutvergärung Bietigheim abschließen. Die Gesellschaft, zu der auch die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen gehören, würde die Anlage errichten und betreiben. Das heißt, der Biomüll aus dem Kreis könnte nun doch energetisch verwertet werden, jedoch unter Inkaufnahme weiter Transportwege. Aus Sicht der BVB und der AVL sei der neue Standort dennoch „ökologisch wie wirtschaftlich gleichwertig mit einem Standort im Landkreis“, teilt Dr. Rainer Haas, Landrat und AVL-Aufsichtsratsvorsitzender, mit, „weil dort  auch Mengen aus Karlsruhe und dem Landkreis Germersheim verarbeitet werden, die in der Nähe anfallen“.

Das erzeugte Gas soll in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden, während Kompost und Flüssigdünger von Landwirten abgenommen würden.  Spannend wird sein, wie die Bevölkerung reagiert: Ende August soll es Infoveranstaltungen geben.