Eine Frage blieb unbeantwortet: „Wo soll die neue Grundschule hin?“, fragte die Gesamtelternbeiratsvorsitzende Gabriele Kretzer in der Sitzung des Schulbeirats am Donnerstagabend im Bieitigheimer Rathaus, nachdem zuvor Inga Mollerus, die Leiterin des Amts für Bildung, Jugend und Betreuung, den aktualisierten Schulentwicklungsplan und den Stand des Schulbauprogramms erläutert hatte. Der sieht als eine mögliche Konsequenz aus steigenden Schülerzahlen eine weitere Grundschule in der Stadt vor (die BZ berichtete). „Wir denken über verschiedene Standorte nach“, erklärte dazu Bürgermeister Joachim Kölz, aber welcher es sein werde, stehe noch nicht fest. Und Claus Stöckle, CDU-Stadtrat und Leiter der Realschule im Aurain, betonte, dass der Gemeinderat in seiner jüngsten Klausurtagung noch keinerlei Entscheidung über das zukünftige Schulbauprogramm getroffen habe. Klar ist aber, dass die prognostizierte Zunahme der Schülerzahlen um 25 Prozent teilweise erhebliche Auswirkungen auf die Schulen hat.

Derzeit befinde man sich noch in einem Tal bei den Schülerzahlen, sagte Inga Mollerus. Ab 2020 werde es jedoch nach der Prognose des Büros „biregio“ stetig bergauf gehen – von aktuell gut 1500 Grundschülern auf 1900 im Jahr 2026. Danach werde die Schülerzahl auf hohem Niveau stabil bleiben. Die Konsequenzen im Grundschulbereich:

In der Hillerschule mit ihrer Außenstelle in Metterzimmern soll nach wie vor eine durchgängige Dreizügigkeit angestrebt werden. Denn für vier Parallelklassen fehlten die notwendigen Räume, so Mollerus. Zwar wird an der Schule derzeit gebaut, doch der Anbau, der nach derzeitigem Stand im ersten Quartal 2021 fertig werden wird, enthält keine Klassenräume.

Eng wird es an der Grundschule im Sand. Mollerus rechnet damit, dass sie ab dem Schuljahr 2022/23 voraussichtlich vierzügig wird. Die Schule müsste künftig auch Schüler aus dem Bogenviertel aufnehmen, wofür jedoch die Räume fehlen. Außerdem mangele es an Ganztagsräumen.

Auch die Grundschule im Buch erhält in Zukunft Schüler aus einem Neubaugebiet: Sie wird von Schülern aus dem Lothar-Späth-Carré besucht werden, außerdem nehmen die Kinderzahlen im Stadtteil Buch zu. Die Folge, so die Amtsleiterin: Fünf statt bisher vier Züge ab 2022/23, für die aber die Klassenzimmer nicht da seien.

Das Gleiche in Grün spielt sich an der Schillerschule in Bissingen ab: Sie wird aufgrund von Schülern aus den Neubaugebieten Kreuzäcker/Ellental ebenfalls ab 2022/23 fünfzügig – ohne dass man die Räume dafür hätte.

  Entspannter sieht es dagegen in der Bissinger Waldschule aus: Die bleibt laut den Vorhersagen zweizügig.

Die Stadtverwaltung hält aus diesen Gründen eine zusätzliche Grundschule mit zwei bis drei Zügen für sinnvoll, um die Grundschulen, die sonst aus den Nähten platzen, zu entlasten. Drei Grundschulen – im Sand, im Buch, in der der Schillerschule Bissingen – „können die zusätzlichen Schüler räumlich nicht ohne Änderung der bisherigen Nutzung beziehungsweise weiterem Ausbau aufnehmen“, so Mollerus.

Das Ganze schlägt dann ab dem Schuljahr 2026/27 auf die Sekundarstufe durch. Für das Schuljahr 2026/2027 zeigt sich erstmals eine Übergangszahl in die Sekundarstufe, die deutlich über den Schülerzahlen der letzten sieben Jahre liegt. Diese Schülerzahlen werden in den folgenden Jahren weiter ansteigen und auch nach 2030 auf höherem Niveau als bisher stagnieren, so die Prognose.

In der Realschule im Aurain ist laut der Amtsleiterin mit fünf Zügen die Kapazitätsgrenze erreicht. Für den Ganztagsbereich und Fachräume müsse angebaut werden, wobei das Raumprogramm nun von 650 (geplant) auf 800 Quadratmeter erhöht werden solle. Auf die Frage einer Elternvertreterin, ob künftig womöglich keine auswärtigen Schüler mehr aufgenommen werden könnten, von denen viele aus Ingersheim kommen, sagte Bürgermeister Kölz, die Ingersheimer könne man weiter gut aufnehmen.

Auch der Campus Bissingen soll weiter ausgebaut werden: Dort gibt es, wie bereits berichtet, zusätzlichen Raumbedarf von rund 1000 Quadratmetern. Schwankende Schülerzahlen und Raumbedarf der einzelnen Jahrgänge und Schularten können aber aufgrund des gemeinsamem Campus von Realschule Bissingen und Waldschule gut ausgeglichen werden, meint Inge Mollerus. Die Realschule Bissingen soll teilweise vierzügig werden (derzeit drei Züge), in der Gemeinschaftsschule Waldschule könne durch den Bau zusätzlicher Klassenzimmer ein dritter Zug eingerichtet werden. Das würde die Gemeinschaftsschule stärken, da dadurch die Auswahl bei den Wahlpflichtfächern größer würde.

Ellental: Keine stärkere
Aufnahme auswärtiger Kinder

Was die Gemeinschaftsschule im Sand betrifft, so wird diese nach den Prognosen auch in Zukunft in der Orientierungsstufe nur ein bis zweizügig bleiben. Sie werde künftig nicht mehr die Räume der Schule im Buch für die 10. Klassen nutzen können, kündigte die Amtsleiterin an. Für den weiteren Betrieb müssten dringend zusätzliche Klassenzimmer und neue Fachräume gebaut werden.

Zur weiteren Entwicklung der Ellentalgymnasien (derzeit sechs bis sieben Züge in der Sekundarstufe 1) kündigte Inga Mollerus an: „In den nächsten Jahren werden Eingangsklassen mit acht bis neun Zügen erwartet. Erfahrungsgemäß nehmen diese Züge ab Klasse 8 um mindestens einen Zug ab.“ Eine deutlich stärkere Aufnahme auswärtiger Kinder als bisher werde nicht möglich sein.

Kölz: „Nicht unsere Aufgabe“


Eine Oberstufe für die Gemeinschaftsschule war ebenfalls Thema im Schulbeirat. In Antwort auf eine Frage der Gesamtelternbeiratsvorsitzenden Gabriele Kretzer erklärte Bürgermeister Joachim Kölz, die Stadt sei hier nur teilweise der richtige Ansprechpartner. Laut Schulgesetz seien mindestens 60 Schüler nötig, um eine solche Oberstufe einrichten zu können. So viele Schüler habe man aber in Bietigheim-Bissingen nicht, es müssten auch Schüler anderer Gemeinden dazukommen. Hier sei das Schulamt gefragt. Dieses müsse entscheiden, ob und wo eine Oberstufe im Landkreis entstehe. Kölz: „Das ist nicht unsere Aufgabe.“ Es gebe für die Schüler aber zwei Alternativen: Sie können nach der zehnten Klasse an die Ellentalgymnasien  wechseln, müssen aber die zehnte Klasse wiederholen, oder sie gehen in die elfte Klasse eines beruflichen Gymnasiums. um