Hans Georg Pflüger: Bietigheims eigener zeitgenössischer Komponist Bietigheims eigener zeitgenössischer Komponist

Der Komponist und Musiker Hans Georg Pflüger in seinem Haus in Bietigheim am Flügel im Jahr 1998, kurz vor seinem Tod am 9. März.
Der Komponist und Musiker Hans Georg Pflüger in seinem Haus in Bietigheim am Flügel im Jahr 1998, kurz vor seinem Tod am 9. März. © Foto: Lachenmaier
sz 06.05.2017

Nach ihm ist der Kammermusiksaal im Schloss, dem Sitz der Musikschule Bietigheim-Bissingen, benannt. Der Musiker, Organist und Komponist Hans Georg Pflüger war zu seiner Zeit für den damaligen Kulturamtsleiter Heinz Steidle und die Kultur der Stadt unverzichtbar. Man schmückte sich, so zeigen BZ-Artikel der 1990er-Jahre, gerne mit ihm als „unser zeitgenössischer Komponist“. Doch darüber hinaus war Pflüger ein in der ganzen Republik angesehener und bedeutender Komponist, dem viele Kulturinstitutionen Aufträge gaben. Im März 1999 starb Hans Georg Pflüger in seinem Haus in Bietigheim, er war erst 54 Jahre alt. Noch heute lebt seine Witwe, Anette Pflüger, dort.

Heinz Steidle ist ein Wegbegleiter des Komponisten. „Im Sinne der Künstlerförderung der Stadt haben wir die Musik gefördert, im Auftrag der Stadt hat Hans Georg Pflüger einige Werke komponiert“, erinnert er sich. Diese Arbeiten sind aber nur ein kleiner Teil des Oeuvres des Komponisten, der für namhafte Auftraggeber schrieb. Selbst nach Pflügers Tod wurden noch Werke von ihm uraufgeführt. Seine Kompositionen zeugen von einer großen Vielfalt, neben modernen Passagen, die sich fast schräg anhören, stehen von der Romantik beeinflusste Stücke. „Er sagte immer, kein Mensch kann sich zwei Stunden lang moderne klassische Musik anhören“, so Heinz Steidle. Aber, auch kompositorisch sei er „ein Sohn seiner Zeit gewesen“. Und „vielseitig interessiert“, so Steidle, was Pflüger zu einem großen Ratgeber für das Kulturamt machte.

Der Musiker engagierte sich im Kulturbeirat der Stadt und sorgte mit seinen vielen Kontakten zu zeitgenössischen Künstlern dafür, dass in Bietigheim schon in den 1980er-Jahren die Klassik-Crème-de-la-Crème auftrat. „Eines Montags rief er mich an, war ganz aufgeregt und sagte zu mir, merk’ dir den Namen Hilary Hahn. Das wird mal ne ganz Große, die musst du nach Bietigheim holen“, erinnert sich Heinz Steidle. Gesagt, getan. 1998 trat die Geigerin in der Stadt auf, mittlerweile ist sie ein gefeierter Star. „Pflüger hat sie für uns entdeckt, seine Erfahrung und sein Ohr waren für uns Gold wert“, so der ehemalige Kulturamtsleiter.

Auch Pflügers eigene Konzerte sorgten für ein vielseitiges Angebot. „Er war ein ganz großer Organist“, so Steidle. Hans Georg Pflüger war an der katholischen Kirche in Bad Cannstatt als Kirchenmusiker angestellt. In ganz Deutschland wurden seine Werke aufgeführt, teilweise mit bedeutsamen Inhalten: In Neuss erlebte Pflüger noch kurz vor seinem Tod 1997 die Uraufführung von „...eisig ist die Welt außen“ nach Worten des Autisten Birger Sellin. Denn als Mensch war Hans Georg Pflüger immer den Außenseitern der Gesellschaft zugewandt.

Hans Georg Pflügers Leben und Werk

Hans Georg Pflüger wurde am 26. August 1944 in Schwäbisch Gmünd geboren und lebte seit 1950 in Bietigheim. 1961 war er Preisträger beim Klavierwettbewerb des Deutschen Tonkünstlerverbandes. Er studierte Komposition bei Henk Badings und Wolfgang Fortner sowie Orgel bei Karl Richter und Fernando Germani (als Stipendiat der italienischen Regierung). Außerdem studierte er Liedgestaltung bei Hubert Giesen, Dirigieren
bei Ottmar Suitner sowie Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. 1977 erhielt er den Rompreis „Villa Massimo“. Hans Georg Pflügers kompositorisches Werk umfasst alle wichtigen musikalischen Gattungen wie Oper, Ballett, Oratorium, Orchesterwerk, Chorwerke, Kammermusik und Liedvertonungen. Er starb am 9. März 1999.

Pflügers Werk umfasst unzählige Werke aller musikalischen Gattungen, die auf seiner Homepage verzeichnet sind, die seine Frau Annette eingerichtet hat. Darunter sind auch Kompositionsaufträge der Stuttgarter und Wiener Oper für Ballettmusik. Auch einige Orchesterwerke wurden von ihm komponiert, unter anderem sein letztes, „Patchwork“, für das Stuttgarter Kammerorchester, das erst nach seinem Tod, 1999, uraufgeführt wurde. Ein Oratorium schrieb er: „Memento Mori“, nach Texten von Georg Trakl für den Süddeutschen Rundfunk. Unzählige  Kammermusikstücke stammen aus seiner Feder. 1998 feierte sein Orgelwerk „Harmagedon“ in der Bietigheimer Laurentiuskirche Uraufführung, mit „erschütternder Wirkung“, wie die BZ berichtete. sz

www.hans-georg-pflueger.de

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