Kooperation Bietigheimer Fachwissen für olympische Medaillen

Bietigheim-Bissingen / Julia Schweizer 25.01.2017

Es war zunächst alles nur ein totaler Zufall. Doch der könnte dafür sorgen, dass das Bietigheimer Unternehmen Rehazentrum Hess künftig über einen neuen, zweiten Standort im geplanten „Taekwondo Competence Center Friedrichshafen“ an mehreren olympischen Medaillen beteiligt ist. So ist es zumindest der Plan, für den derzeit die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen – und einen Hauch von olympischem Erfolg gab es nun auch mit dem Besuch des Rio-Silbermedaillengewinners Abdoulrazak Issoufou Alfaga zu einer ersten Untersuchung und Therapieeinheit.

Begonnen hatte alles mit einem Gespräch zwischen der Nichte eines Reha-Hess-Mitarbeiters und Markus Kohlöffel, seit 2009 Trainer der schwedischen – und zeitweise auch der nigerischen – Taekwondo-Nationalmannschaft, der in Friedrichshafen schon in einem Zentrum trainieren lässt. Telefonisch gab es danach den ersten Kontakt zwischen dem Sportler und dem Inhaber Milko Hess. „Er hat in Friedrichshafen etwas geschaffen, was sonst noch nirgendwo in Europa entstanden ist“, sagt Hess über den künftigen Partner, der nun noch Größeres vorhat: „eine Produktionsstätte für Olympia.“

Denn Kohlöffel möchte am Bodensee ein weltweites Trainingszentrum für Taekwondo schaffen, mit Hallen, Internat, Bewegungsbad, Sauna und Therapiefläche. Vieles sei geplant, was über den Tellerrand hinausgehe, so Hess. Er ist für Kohlöffel und das geplante 2000 Quadratmeter große medizinische Zentrum, in das Hess sich dann einmieten und öfters vor Ort sein würde, ein guter Partner. Denn auch wenn er noch keine sportartspezifischen Kenntnisse hat, so doch zumindest mit anderen Spitzensportlern. „Wir arbeiten seit über 30 Jahren im Hochleistungssport“, sagt Hess. Und auch in Leichtathletik, Handball oder Eishockey habe er sich zu Beginn reindenken müssen. Das ist auch das, was Kohlöffel braucht: „Einen Partner, der Transferdenken einbringt“, sagt er. Denn gerade im Taekwondo änderten sich öfters die Regeln, was auch Auswirkungen aufs Training und mögliche Verletzungen sowie die allgemeine physiotherapeutische Betreuung hat.

Die Planungen für das Trainingszentrum sind laut Kohlöffel schon weit, der Gemeinderat sei informiert und es habe Vorgespräche mit der Stadt gegeben. Mit einer offiziellen Entscheidung sei vor der Sommerpause zu rechnen, abhängig ist der konkrete Start dann auch von dem Zeitpunkt, zu dem die Stadt das nötige Grundstück zur Verfügung stellt. Mit im Boot seien aber auch diverse Sportverbände, zum einen die für Taekwondo, ebenso der Deutsche Olympische Sportbund, auch wenn die Sportart national nicht so gefördert werde wie etwa in Frankreich oder Großbritannien, weiß Kohlöffel. „Davon könnte Deutschland etwas lernen.“

Erste positive Reaktionen hat er aber auch vom weltweiten Pendant, dem IOC, erhalten. Dieser Verband verteilt im Herbst Scholarships, spezielle Förderungen. Bekäme man für das Trainingszentrum eine offizielle Anerkennung, so bekämen alle Taekwondo-Athleten weltweit die Empfehlung, in Friedrichshafen zu trainieren. Schon jetzt habe man eine große Nachfrage, sogar von Olympiasiegern, sagt Kohlöffel. Doch die Plätze seien limitiert, und wer bei den Kontinentalwettbewerben nicht unter den ersten Drei sei, habe kaum eine Chance, aufgenommen zu werden. Und für die olympischen Spiele gibt es eine weitere Begrenzung, wenngleich für die Begleiter. Pro zwei Athleten dürfe ein Offizieller mit, so Kohlöffel, bei kleinen Landesverbänden seien das deshalb oft nur wenige Trainer. Schaffen es aber mehrere der Sportler, die im neuen Friedrichshafener Zentrum trainieren, zu den nächsten Spielen nach Tokio, so steigt aufgrund der verschiedenen Nationalitäten auch die Zahl der Betreuer. Und Hess wäre dann tatsächlich mit dabei.

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