Die Digitalisierung macht auch vor Bankgeschäften keinen Halt. Immer mehr Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte komplett am PC oder Handy, das belegen die Zahlen von Sparkasse und Volksbank. Deshalb stellen sich die Unternehmen auch im Kreis darauf ein. Neben einer Ausweitung der digitalen Angebote hat das aber auch zur Folge, dass die Öffnungszeiten der Filialen reduziert werden. Das passt nicht jedem Kunden, weil es sogar zu langen Warteschlangen und vollen Filialen führt.

Gerade die Filialen der Kreissparkasse Ludwigsburg im Buch und in der Bietigheimer Hauptstraße seien davon betroffen, lauten die Klagen. „Bis Ende März 2019 waren die beiden Filialen ,Buch’ und ,Hauptstraße’ an 25 Stunden in der Woche geöffnet. Mit Wirkung ab 1. April haben wir die Öffnungszeiten jeweils auf 18 Stunden pro Woche reduziert“, bestätigt Sparkassen-Sprecher Martin Lober die geänderten Öffnungszeiten. Er weist aber auch darauf hin, dass die Sparkasse mit rund 100 Filialen im Kreis das dichteste Filialnetz aller Finanzdienstleister habe.

Wegen dem geänderten Nutzungsverhalten passe  man eben die Öffnungszeiten an. „Gut besuchte Filialen sind länger geöffnet und selten besuchte Filialen öffnen wir trotzdem noch stundenweise, da uns Präsenz und Erreichbarkeit vor Ort sehr am Herzen liegen“, so Lober weiter. Außerdem könne man telefonisch Termine in der Zeit von 8 bis 20 Uhr vereinbaren. Zur Situation in den angesprochenen Filialen erklärt Lober, dass die Inanspruchnahme dort stark zugenommen habe. „Das führt dazu, dass sich die Wartezeiten verändern, sie werden mitunter länger. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir durch laufende Optimierungen in den Abläufen die entstandenen Wartezeiten wieder reduzieren können“, erklärt der Sparkassen-Sprecher weiter. Wie diese Optimierungen aussehen, verrät er nicht.

Auch die Volksbank Ludwigsburg, die gerade ihre Filiale in der Bietigheimer Stadtmitte saniert (Eröffnung am 16. August), hat „die Zeiten für einen personenbedienten Service an den Filialstandorten der tatsächlichen Nachfrage angepasst“, wie es Sprecher Bernd Weisheit ausdrückt. Auch er verweist auf die Möglichkeit, zwischen 8 und 20 Uhr Termine zu vereinbaren. Die kürzeren Öffnungszeiten müssen aber nicht für immer gelten. „Bei steigenden Kundenzahlen wäre eine Ausweitung von Service- oder Beratungszeiten natürlich vorstellbar, aktuell sehen wir aber auch in Bietigheim bei der Servicenachfrage eine gegenteilige Entwicklung“, so Weisheit weiter. Es sei der Kunde, der mit seinem Handeln über das Angebot vor Ort entscheidet.

Tipp der Verbraucherzentrale

Den Kunden rückt auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ins Zentrum. Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken, Kredite, erklärt, dass Kunden von Privatbanken bei Unzufriedenheit nur die Möglichkeit eines Bankwechsels haben. Bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen sei das anders. Über ihre Mitgliedschaft könnten Kunden direkt auf die Geschäftspolitik ihrer Volksbank Einfluss nehmen. Die Sparkassen seien Anstalten öffentlichen Rechts, ihr Zweck liege dem Gesetz zufolge gerade nicht in der Gewinnmaximierung, sondern auch in der Versorgung der Bevölkerungskreise mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen. „Kunden können ihrem Unmut nicht nur mit einer Beschwerde bei der Sparkasse vor Ort Luft machen, sondern auch direkt bei Mitgliedern des Verwaltungsrats, der meist von Politikern besetzt wird“, empfiehlt Nauhauser.