Konzert Berührende Songs mit Botschaft

In der Bietigheimer Stadtkirche stellte Roland Bless Songs seines neuen Albums „Sternenstaub“ vor.
In der Bietigheimer Stadtkirche stellte Roland Bless Songs seines neuen Albums „Sternenstaub“ vor. © Foto: MARTIN KALB
Bietigheim-Bissingen / Bettina Nowakowski 26.11.2018

Stimmungsvoll wurden die Besucher des Konzerts von Roland Bless in der Stadtkirche in Bietigheim am Samstagabend empfangen, mit Kerzenschein und warmer Beleuchtung. Schnell füllten sich die Sitzreihen bis auf den letzten Platz. Zum ersten Mal trat hier Roland Bless mit seinem musikalischen Wegbegleiter Martin Schnabel an der elektrischen Geige und – ebenfalls eine Premiere – der Sängerin Xenia Wagner auf. Neben bekannten Songs aus seiner letzten CD „Zurück zu Euch“ standen auch die ganz neuen Lieder der im nächsten Frühjahr erscheinenden CD „Sternenstaub“ auf dem Programm.

Ein bisschen nervös

Er sei heute ein bisschen nervös, so der Musiker zur Begrüßung, denn in seiner Heimatstadt zu spielen, sei schon etwas Besonderes für ihn. Mit einem instrumentalen Intro eröffneten Roland Bless an der Gitarre und „Teufelsgeiger“ Martin Schnabel an der Violine den Konzertabend. „Ich bin wieder verliebt“ und „Lass mich jetzt nicht allein“ waren die ersten Solonummern von Bless. Seine Inspiration zu seinen selbst komponierten und getexteten Songs hole er sich aus wichtigen Stationen und Entscheidungen in seinem Leben. So erfuhr das Publikum zu jedem Song, welche Geschichte und Emotionen dahintersteckten. Dabei ging es nicht nur um Liebe, Sehnsucht oder die musikalische Weiterentwicklung nach Pur, sondern auch um gesellschaftliche und politische Themen, die Roland Bless am Herzen liegen.

Der Amoklauf in Winnenden 2009 war eine sehr einschneidende Erfahrung, die er nicht nur in dem Song „Wir“ verarbeitete, sondern auch die von ihm initiierte Gründung der „Gemeinschaft für starke Kinder“, die sich gegen Mobbing an Schulen einsetzt, zur Folge hatte. Das Publikum erfuhr auch, wie es dazu kam, dass Bless sich für ein Musikerleben entschied, obwohl sein Vater damals dagegen war. Mit 20 Deutsche Mark (DM) in der Tasche trampte der Student nach Südfrankreich, trat dort über Wochen als Straßenmusiker auf und kam mit 4000 DM wieder zurück. Cat Stevens Klassiker „Father and Son“ präsentierte Bless dann ohne Mikro, zwischen den Gängen der Kirchenbänke singend, von Publikum mitgesungen und begeistert aufgenommen.

Sympathisch und authentisch

„Seine Texte sind unheimlich berührend“, so eine Zuschauerin in der Pause. „Und seine Stimme ist unglaublich“, ergänzte eine andere. Vor allem seine sympathische und authentische Art, mit dem Publikum zu reden und zu singen, beeindruckte die Zuhörer am meisten. Seine puren Wurzeln verleugnet Bless nicht, gleichzeitig ist es ihm gelungen, seinen ganz eigenen musikalischen Stil zu finden. Die Erlebnisse aus seiner Musikerkarriere, zum Beispiel die Begegnung mit dem „Graf“ von Unheilig, mit dem Roland Bless auf Tour gegangen ist, ziehen die Zuhörer genauso in den Bann wie die Betroffenheit über den Tod der jungen Deutschtürkin Albayrak Tugce, die 2014 auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Offenbach niedergeschlagen wurde.

Eine Premiere war der neue Song „Freiheit und Frieden“, Roland Bless politisches Statement zu den zunehmenden Spannungen und „Feindbildern eines Trump und Putins“. Zusammen mit Xenia Wagner, die auf russisch sang, überzeugte er das Publikum mit der musikalischen Botschaft dieses Songs. „Das ist ein tolles Lied, ein Text, der einen mitnimmt“, so eine Reaktion.

Erst nach drei Zugaben konnte der Musiker die Bühne verlassen. „Ein großartiger Abend, ich habe mich selten so wohlgefühlt“, so das Fazit von Roland Bless nach dem Konzert. Ein Gefühl, das auch das Publikum teilte und mit nach Hause nahm.

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