Infrastruktur Bauwerk trotzt Hochwasser, aber nicht dem Krieg

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 02.10.2017

An Brückentagen wie an diesem Montag haben sich viele Arbeitnehmer als „Brückenbauer“ betätigt – von einem freien Tag zum anderen. Als Brückenbauer im wörtlichen Sinn mussten sich die Bietigheimer im Mittelalter betätigen, um durch eine bessere Verkehrsinfrastruktur den wirtschaftlichen Aufschwung ihrer Stadt zu beflügeln. Ein historischer Rückblick am „Brückentag“.

Zunächst kam Bietigheim ganz ohne Brücke aus. In der Anfangszeit des Ortes ermöglichte eine Furt am Zusammenfluss von Enz und Metter die Überquerung beider Flüsse per Pferd und Wagen. Für mehr Bequemlichkeit sorgten später ein hölzerner Steg und ein großes Fährschiff. Bei Hochwasser hieß das allerdings, dass nichts mehr ging.

Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen wuchs schließlich im 15. Jahrhundert der Wunsch nach einer Steinbrücke, um eine komfortablere Flussüberquerung zu ermöglichen. Bei der Obrigkeit stieß das auf offene Ohren, und 1456 erhielt die Stadt von Graf Ludwig II. von Württemberg die Erlaubnis, ein solches Bauwerk in Angriff zu nehmen.

Realisiert wurde das für die damalige Zeit gewaltige Vorhaben von 1463 bis 67 durch Baumeister Alberlin Jörg, wie einer Tafel an der Brücke zu entnehmen ist. Der hatte unter anderem schon die Alexanderkirche in Marbach gebaut. Bei den Kosten verkalkulierten sich die Verantwortlichen ziemlich: 4000 Heller wurden veranschlagt, am Ende waren es 8000 – Frondienste nicht mit eingerechnet. Zur Gegenfinanzierung wurde nach der Fertigstellung ein Brückengeld, eine Art Maut, erhoben.

1945 gesprengt

Die Brücke erleichterte den Handel und kurbelte so die Wirtschaft in der Stadt an. Sie war so stabil gebaut, dass sie alle Hochwasser der kommenden Jahrhunderte unbeschadet überstand. Wahrscheinlich würde sie heute noch stehen, wenn nicht der Zweite Weltkrieg dazwischengekommen wäre. 1945 wurde sie von der deutschen Wehrmacht gesprengt, um die vordringenden Alliierten aufzuhalten. Die heutige Brücke wurde unmittelbar nach dem Krieg neu gebaut, vom alten Bauwerk blieb laut Inschrift nur der Bogen über die Metter erhalten.

 In den folgenden Jahrzehnten floss der immer stärker zunehmende Autoverkehr über die Enzbrücke in die Altstadt hinein, bis dieser Zustand irgendwann nicht mehr haltbar war. Der Bau der neuen B27 und neuer Brücken schaffte Abhilfe: die Auwiesenbrücke wurde 1976 fertig, die Mühlwiesenbrücke 1980. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, dass die alte Enzbrücke frei vom Autoverkehr werden konnte. Bei der Einweihung der Mühlwiesenbrücke reimte OB Manfred List: „Die alte Brück’ frei von Verkehr/das freut die Fußgänger jetzt sehr.“ Vor der Landesgartenschau 1989 erhielt das Bauwerk dann auch noch einen neuen Belag und große, steinerne Sitzbänke. Sie wurde nun endgültig Teil der Fußgängerzone.