Als elitär wirkend, bezeichnete Götz Noller die Pläne der Tennisabteilung des TSV Bietigheim für den Neubau des Vereinshauses. Der FDP-Stadtrat äußerte in der vergangenen Gemeinderatssitzung am Dienstag deutliche Kritik an den Wünschen der Abteilung: „Städtische Zuschüsse eignen sich nicht zur Mitfinanzierung überzogener Ansprüche und Wünsche.“ Die FDP-Fraktion forderte, die Vorlage zurückzuziehen und mit einer neuen Planung mit „realistischen Kosten und Zeithorizont“ erneut vorzulegen. Seine Kritik stieß bei den anderen Stadträten auf kein Gehör – bei drei Gegenstimmen der FDP wurde einem weiteren Zuschuss für den Neubau in Höhe von 86 000 Euro zugestimmt.

Die Kosten sind gestiegen

Eigentlich hatte der Gemeinderat bereits im Oktober 2016 einstimmig beschlossen, den Bau des TSV-Tennishauses am Fischerpfad als gemeinnütziges Bauprojekt mit 80 000 Euro zu unterstützen. Das waren damals rund ein Drittel der kalkulierten Baukosten von circa 252 000 Euro. Was also hat die Meinung der FDP geändert? Was seither geschah, liege nicht in Verantwortung des Gemeinderats, beschreibt es Noller: „Interne Dispute, Wechsel des Vorstands, Wechsel des Architekten, auch die Baukonjunktur hat sich in den verstrichenen drei Jahren verändert.“ Die Folge: Die Kosten für den Neubau sind gestiegen. Er wird doppelt so teuer. Nach den aktuellen Plänen ist für den Neubau mit Kosten von rund 500 000 Euro zu rechnen.

Auf BZ-Nachfrage erklärt Peter Gangl, Tennis-Abteilungsleiter, die Planungen: Es sei ein schlanker Massivbau mit Eigenleistungen der Vereinsmitglieder. „Es ist die günstigste Bauweise, wie eingeholte Angebote zu Alternativen, wie ein Modulbau oder ein Stahlbau, gezeigt haben.“ Das Einholen dieser Angebote und der Alternativen haben mehr als ein Jahr in Anspruch genommen, daher auch die Verzögerung. Dass die Kosten nun rund doppelt so hoch ausfallen, liege auch daran, dass 2016 Kosten einzelner Gewerke nur geschätzt werden konnten und konkrete Angebote erst später eingeholt worden sind. „Es bestand damals erhöhter Zeitdruck, weil das neue Clubhaus zur Sommersaison 2017 fertig sein sollte und in dieser Saison unsere Mannschaft Herren 30 erstmals in der Bundesliga spielte.“

Von den Gesamtkosten sind 430 000 Euro für den reinen Bau vorgesehen, 40 000 Euro für die Ausstattung und Sonstiges und 30 000 Euro für Unvorhergesehenes. „Eine halbe Million Euro wird aufgerufen für despektierliche acht Duschen und fünf WCs“, empört sich jedoch Noller. Zwar sei die Fraktion nicht prinzipiell gegen eine Unterstützung eines gemeinnützigen Vereins, doch bedürfe es weiterer Prüfung, so Noller.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing erwiderte, dass ein positiver Beschluss ein deutliches Signal an den Verein sende, dass die Stadt ihn unterstütze. „Ich halte die Planungen nicht für überzogen.“ Doch er räumte ein, dass die Stadtverwaltung den Neubau kritisch überprüfen werde. Für FDP-Stadtrat Dr. Georg Mehrle nicht genug: „Friss oder stirb – das kann sich ein Gremium nicht gefallen lassen.“

Mit dieser Einschätzung blieb die Fraktion jedoch alleine. „Ich verstehe nicht, warum jetzt diese kritische Haltung eingenommen wird“, entgegnete Thomas Wiesbauer, CDU-Fraktionsvorsitzender. Vorab wurde dem Verein vorgeschrieben, die Stadt in die Planung mit einzubeziehen, und jetzt werde ihm ein Fallstrick daraus gemacht, so der Christdemokrat. Ähnlich sahen es auch die Freien Wähler. „Ich glaube nicht, dass die Tennisabteilung die Kosten nicht ebenfalls senken will“, sagte Fraktionsvorsitzende Ute Epple. Deswegen sollte der Gemeinderat die Unterstützung zusagen. Uwe Careni, SPD, stimmte seinen Vorrednern zu und ergänzte, dass ein Verein Planungssicherheit benötige.

Die Meinungen spiegelten sich auch im Abstimmungsergebnis wieder: Der weiteren Förderung wurde zugestimmt. Damit kann die Tennisabteilung mit dem Neubau von rund 250 Quadratmetern loslegen. Der Baubeginn ist für das erste Quartal 2020 geplant und die Fertigstellung im dritten.

Ein Neubau mit Umkleiden, Sanitärräumen, Duschen und Technikräumen


Die Tennisabteilung des TSV 1848 Bietigheim wurde 1972 gegründet und umfasst derzeit 280 Mitglieder, davon rund 80 Jugendliche. Seit der Abteilungsgründung wird an den Tennisplätzen im Fischerpfad für Heim- und Gästespieler eine ehemalige Bauhütte als Umkleide- und Sanitäranlage genutzt. Diese war bereits seit Längerem in einem schlechten Zustand und wurde durch einen kapitalen Wasserschaden 2015 irreparabel geschädigt. Der Sachverständige bescheinigt einen wirtschaftlichen Totalschaden. Der für den Spiel- und Trainingsbetrieb dringend benötigte Neubau soll primär die bisherigen Räumlichkeiten ersetzen: Umkleiden, Sanitärräume, Duschen, einen Aufenthaltsraum und Technikräume.

Zur Finanzierung des Projekts steuert die TSV-Tennisabteilung direkt 50 000 Euro bei, der TSV-Hauptverein gewährt ein internes Darlehen von 30 000 Euro. An Eigenleistungen sind 68 000 Euro zu erwarten. Seitens des Württembergischen Landessportbunds wird ein Zuschuss von 36 000 Euro in Aussicht gestellt, und ein Mitglied der Tennisabteilung stellt zur Finanzierung ein Privatdarlehen in Höhe von 150 000 Euro zur Verfügung. Zur Deckung des Restbetrags beantragt der TSV Bietigheim 1848 über den bereits bewilligten Förderbetrag von 80 000 Euro hinaus einen weiteren Zuschuss der Stadt in Höhe von 86 000 Euro gemäß den Förderrichtlinien und der bisherigen Förderpraxis. Dieser wurde nun bewilligt. bz

Weiteres Ziel: Tennishalle


Die Tennisabteilung strebt darüber hinaus den Bau einer neuen Tennishalle an. Peter Gangl dazu: „Eine Tennishalle ist für den sportlichen Betrieb unseres Tennisvereins unverzichtbar, sobald die Kapazitäten im benachbarten Ballkult nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Die Kapazitäten der umliegenden Tennishallen können den Bedarf nicht decken und für die TSV-Jugendlichen wäre ein Fahrdienst nötig. Damit sei das Spielen im Winter nicht möglich, so der Abteilungsleiter. „Sobald wir Klarheit über den Bestand des Ballkults haben, werden wir unsere Planungen zu einer Tennishalle auf unserer aktuellen Anlage aktualisieren“, erklärt Gangl. „Bereits jetzt ist klar, dass die Finanzierung eine große Herausforderung ist.“ bz