Bietigheim-Bissingen / Susanne Yvette Walter  Uhr

Einmal im Jahr lädt die Stadt Bietigheim-Bissingen Bewohner von Pflegeheimen, die noch rüstig sind und Menschen, die über die Behindertenhilfe als Leistungsempfänger bekannt sind, in den Enzpavillon zum Mittagessen ein, um sie darüber zu informieren, welche Mobilitätsbeschränkungen und Barrieren inzwischen in Bietigheim beseitigt wurden. Im Gegenzug nimmt OB Jürgen Kessing Anregungen  von Betroffenen entgegen.

„Perfekt barrierefrei wird unsere Stadt wegen ihrer schwierigen baulichen Substanz wohl nicht werden können, aber wir wollen zumindest das, was möglich ist, verändern mit der Vision einer barrierefreien Stadt“, macht Kessing deutlich. Und wieder, wie in den vergangenen Jahren auch schon hat die Stadtverwaltung eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um Rollstuhlfahrern möglichst überall in der Stadt einen bequemen Zugang zu verschaffen. Zum Beispiel wurden bei der Bushaltestelle Mühlwiesenstraße auf der Kaufland-Seite ein abgerundeter Bordstein und eine Bedachung angebracht, die vor Wind und Wetter schützen soll.

Im Zuge von Straßenbaumaßnahmen  wurden Bushaltestellen mit Bussonderbordsteinen versetzt. Das gilt für die neugestalteten Bushaltestellen in Untermberg und Fischerpfad. „Zwischenzeitlich wurde auch der Förderantrag zum flächendeckenden Ausbau aller möglichen Bushaltestellen im Stadtgebiet gestellt“, so der Schultes weiter. Wegen der Förderung warte man nun auf das Regierungspräsidium bevor es mit dem Bau losgehen könne. Kessing rechnet im Herbst mit grünem Licht.

Vom Verein „Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen“ war der stellvertretende Vorsitzende Hans-Joachim Sämann gekommen und zeigte in einer Präsentation, wie die Anpassung der Bushaltestellen im Stadtgebiet geplant ist. Etwa 20 Haltestellen sollen 2020 umgestaltet werden. „163 Treppen hat die Stadt und davon ist noch keine behindertengerecht angelegt“, betont Sämann und nennt ein Beispiel: „Die Treppe zur Enzbrücke hat trotz Versprechen noch keine Rampe. Außerdem sind die Stufen nicht markiert. Ebensowenig wurde das Geländer verlängert.“

Im Friedhof Metterzimmern wurde dagegen parallel zur Treppe vor dem Aufbahrungsraum eine Rampe angelegt. Wo es geht, lasse die Stadtverwaltung auch  Automatiktüren einbauen. Sie machen ein berührungsloses Öffnen der Durchgangstüre im Übergangsbereich der Tiefgarage Kronenzentrum möglich.

Konsequent sei in diesem Jahr auch das 2016 begonnene Programm Ampeln mit Blindenanforderungen auszustatten weitergeführt worden. Die Ampeln an der B27/Schöllerstraße, Geisinger-/Moltkestraße, Poststräßle/Pleidelsheimer Straße, und zweimal an der Schwarzwaldstraße sowie in der Bahnhofstraße/Post. Eine weitere flächendeckende Maßnahme finde derzeit an Treppen statt. Dort werden an den Stufenkanten Markierungen zur besseren Wahrnehmung angebracht. Eine Schwierigkeit dabei sei es, Firmen für die Ausführung zu finden, so die Stadtverwaltung.

Geplant sei Geh- und Radwege voneinander zu trennen im Zuge der Aufwertung des Mettertales. Dazu muss eine Rampe vom Overland-Park-Garten zur Alten Enzbrücke gebaut werden. Wegen des Höhenunterschiedes wird die Steigung allerdings acht Prozent betragen, lässt OB Kessing wissen. Problematisch ist derzeit wohl die hohe Radfahrer- und Fußgängerfrequenz im Bürgergarten. Um dort Entlastung zu bringen, soll die Holzgartenstraße als Radweg verbessert werden. Beim Ausbau von Kindertagesstätten im Stadtgebiet sollen künftig nicht nur Behinderten-WCs für Erwachsene, sondern auch für Kinder entstehen.

Im Vorjahr hatte das Treffen „Barrierefreies Bietigheim-Bissingen“ Ideen auf den Plan gerufen, von denen inzwischen einige umgesetzt wurden. Im vergangenen Jahr war moniert worden, dass der Badepark keinen Lift habe, der Rollstuhlfahrern den Weg ans Becken ermöglicht. Im Bad am Viadukt wird zu diesem Zweck ein Rollstuhl genutzt. Zwei Träger helfen dem Rollstuhlfahrer dann ins Wasser. Weil dies schneller geht als mit dem Lift, wird diese Lösung auch für den Badepark anvisiert.

Sämann machte auch darauf aufmerksam, dass Fahrräder im Schlosshof den Zugang zum Gebäude versperren und regte an, die Fahrradständer an einen anderen Platz zu verlegen.

Busfahrer zu rasant unterwegs

Die Firma Spillmann hat gemeinsam mit dem Verein „Barrierefreie Stadt“ spezielle Schulungen für Busfahrer gemacht, um sie für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren. Beim Treffen am Samstag im Enzpavillon bemängelten etliche Besucher in der Fragerunde dennoch die rasante Fahrweise einiger Busfahrer, so dass es nun erneut Gespräche geben soll.  suy