Schwerpunkt Städtepartnerschaft Bälz’ Erbe schweißt zusammen

Zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft im Jahr 2013 unterzeichneten eine Delegation aus Kusatsu und Oberbürgermeister Jürgen Kessing eine Freundschaftsurkunde (Zweiter von rechts Nabuo Fukuda, der stellvertretende Bürgermeister aus Kusatsu).
Zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Partnerschaft im Jahr 2013 unterzeichneten eine Delegation aus Kusatsu und Oberbürgermeister Jürgen Kessing eine Freundschaftsurkunde (Zweiter von rechts Nabuo Fukuda, der stellvertretende Bürgermeister aus Kusatsu). © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 09.06.2018

Anfang der 60er-Jahre in Bietigheim. Eine Delegation der Japanischen Medizinischen Gesellschaft fragt nach dem Geburtshaus von Erwin Bälz. Der gebürtige Bietigheimer gilt als Mitbegründer der modernen Medizin in Japan und wird dort hoch verehrt. Doch Bürgermeister Karl Mai muss zunächst passen. Bälz ist damals noch kein Begriff. Wo sich sein Geburtshaus befindet, muss erst recherchiert werden. Dennoch wird die Begegnung zur Initialzündung der ersten Bietigheimer Städtepartnerschaft: Bereits 1962 knüpft die Stadt offiziell freundschaftliche Bande mit Kusatsu, einer Stadt in Japan, in der auf Bälz’ Initiative die vulkanischen Quellen erschlossen wurde, womit eine Entwicklung zum Kurort begann. Die Partnerschaft kann dieses Jahr auf ihr 55-jähriges Bestehen zurückblicken.

Doch wie lässt sich eine Städtepartnerschaft über eine solche Entfernung hinweg so lange aufrechterhalten? Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadtverwaltung und Städtepartnerschaftsbeauftragte, nennt vor allem den Schüleraustausch zwischen der Realschule  Bissingen und der  Junior High School  Kusatsu. Einmal jährlich im September reisen Realschüler nach Kusatsu, Ende Juli sind Schüler von dort zu Gast an Enz und Metter. Zur Verständigung gibt es Dolmetscher, ansonsten klappe diese „mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch“, so Anette Hochmuth.

Der Austausch sei für beide Seiten ein Gewinn. Die Schüler, die bei Gastfamilien wohnen, könnten jeweils eine fremde Kultur kennenlernen, die Schule besuchen und Ausflüge unternehmen. Dabei entstünden Freundschaften, und es wachse das gegenseitige Verständnis – ganz im Sinne von Erwin Bälz.

Möglich ist der Schüleraustausch mit der japanischen Stadt allerdings nur durch städtische Förderung. Ein Austausch auf Vereinsebene werde durch die hohen Kosten eines Flugs und Aufenthalts in Japan gehemmt, so Hochmuth.

Bürgermeister nicht dabei

Und es reisen immer wieder offizielle Delegationen an. Zur Feier des 55-jährigen Bestehens der Städteverbindung wird demnächst, vom 15. bis zum 18. Juni, eine 35-köpfige Delegation aus Fernost in Bietigheim-Bissingen erwartet. Darunter seien Mitglieder des Gemeinderats von Kusatsu und weitere Bürger der Stadt, berichtet die Beauftragte für die Städtepartnerschaft.

Bürgermeister Nobutada Kuroiwa werde allerdings nicht wie ursprünglich geplant dabei sein, berichtet Hochmuth. Der Grund: Der Berg Kusatsu-Shirane, wo es am 23. Januar dieses Jahres zu einem Vulkanausbruch gekommen war (die BZ berichtete), sei immer noch unruhig. Der Bürgermeister wolle daher vor Ort sein. Die Bergregion ist für die 7400 Einwohner zählende Stadt wegen des Winter- wie auch Sommertourismus sehr wichtig. Nach dem Vukanausbruch waren Skipisten gesperrt worden.

Am Sonntag, 17. Juni, findet dann der offizielle Festakt statt. Zuvor wird es unter anderem einen Ausflug nach Wildbad, einen Stadtrundgang und einen Besuch des Hornmoldhauses geben. Letzteres ist gewissermaßen Pflichtprogramm: Denn  dort informiert das Bälz-Kabinett über den Japanarzt, dessen Erbe die Partnerschaft zwischen den beiden Städten zusammenschweißt.

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