Freibad Badegäste stören sich an Burkini

Eine muslimische Schülerin in Freiburg im Ganzkörper-Badeanzug. In Bietigheim hat der Burkini für Unmut gesorgt.
Eine muslimische Schülerin in Freiburg im Ganzkörper-Badeanzug. In Bietigheim hat der Burkini für Unmut gesorgt. © Foto: dpa
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 16.05.2018

„In den letzten 35 Jahren war ich als Bietigheimer Gast im Freibad, so etwas gab es jedoch noch nie“, empört sich ein Badegast, der anonym bleiben will. Der Anlass für die Aufregung: Anfang Mai seien „mindestens zwei Frauen mit einer komplett verhüllenden schwarzen Bekleidung“ in den Becken des Ellental-Freibads gesichtet worden. Er habe deshalb die Aufsicht informiert, die ihm zur Antwort gegeben habe, dass das in der Stadt geduldet werde. „Für mich eine nicht nachvollziehbare Reaktion“, so der Mann. Auch Kinder würden regelmäßig aus dem Wasser gepfiffen, wenn sie ein T-Shirt anhätten. Badeordnung und Badekultur verhinderten aus vielen Gründen eine vollständige Bekleidung.  Andere Badegäste hätten sich darüber ebenfalls geärgert.

Nur wenige Fälle

Thilo Dittmann, der Leiter der Bäderbetriebe und Eishallen bei den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen, bestätigt auf Anfrage den Vorfall. Die Aufsicht habe sich die „Bekleidung“ der Frauen angesehen und für in Ordnung befunden. Das sei nach den Richtlinien, die man habe, dann der Fall, wenn es sich um Badebekleidung handle. Dazu zähle auch der sogenannte Burkini, ein Badeanzug für muslimische Frauen als Alternative zum westlichen Badeanzug oder Bikini. Dieser bedeckt den Körper bis auf Gesicht, Hände und Füße, besteht aber aus dem gleichen Material wie herkömmliche Badeanzüge.

Dittmann verweist auf ein Gutachten der Uni Konstanz aus dem Jahr 2014. Darin wird – nach vorangegangenem Streit – der Burkini in öffentlichen Bädern befürwortet. „Es geht darum, mehr Partizipation, Sichtbarkeit und Kontakte unterschiedlicher Lebensauffassungen zu ermöglichen“, heißt es darin. Auch die Stadt Heilbronn verfolge diese Linie, so Dittmann. In Bietigheim handle es sich nur um wenige Fälle – hygienisch kein Problem. Er wisse aber, dass das auch kritisch gesehen werde.

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