Während der eine Wunsch der Bietigheim-Bissinger Sportvereine noch bis zum kommenden Jahr auf Eis liegt, schlagen die Wellen jetzt bei einem anderen Thema höher: Die Sanierungsbedürftigkeit des Bissinger Hallenbades ist bekannt, nun soll der Gemeinderat nach der Sommerpause erstmals über konkrete Vorlagen abstimmen.

Zuletzt war das Anliegen der Wassersportvereine in Bietgheim-Bissingen Thema in einer Sitzung des Stadtverbands für Sport (SVS). Falls ein neues Becken entsteht, hoffen die Clubs wie der Schwimmverein, die Unterwasserfreunde und die DLRG, dass dann ein 50-Meter-Becken gebaut wird (die BZ berichtete). „Nur mit einem langen Becken kann man den Bedarf von Badebetrieb, Übungs- und Wettkampf-Einheiten gleichzeitig ermöglichen“, kommentierte dazu Schwimmvereinspräsident Michael Bertet.

Etwa 70.000 Badebesucher und 3500 Saunagäste nutzen jährlich das alte Hallenbad, das seit über vier Jahrzehnten besteht. „Das Hallenbad ist in die Jahre gekommen, für einige Teile im technischen Bereich gibt es keine Ersatzteile mehr“, sagt Joachim Kölz, Erster Bürgermeister der Stadt. In der Verwaltung ist bekannt, dass die Stadt in Bissingen tätig werden muss. „Es geht nicht morgen kaputt, aber um die Erneuerung kommen wir nicht herum“, sagt Kölz weiter.

Jedoch sei es für konkrete Forderungen noch zu früh: „Wir sind mit dem Schwimmsporttreibenden Vereinen im Gespräch, sie kennen die Situation im Bad.“ Ein überdachtes, wettkampffähiges 50-Meter-Becken gibt es nicht in Bietigheim-Bissingen. Ob dies realisierbar sei, weiß Kölz, dem die Bauverwaltung untersteht, nicht. Allerdings gibt er zu bedenken: „Die Sanierungskosten für das Bissinger Hallenbad werden nicht günstiger als ein Abriss und Neubau.“ Genaue Zahlen könnten seine Mitarbeiter noch nicht nennen, die Sanierung würde mit zehn Millionen Euro oder mehr veranschlagt werden. „Wir reden nicht über kleine Beträge, das wird noch einige Diskussionen notwendig machen“, sagt Kölz.

Die Dringlichkeit bestätigt Günter Krähling, Vorsitzender des Stadtverband für Sport Bietigheim-Bissingen (SVS): „Es herrscht Druck, funktionierende Gebäude zu haben, da dort nicht nur die vereine trainieren, sondern auch der Schulsport und andere Schwimmkurse ausgerichtet werden.“ Die Technik in Bissingen sei veraltet. Die Kosten für einen Neubau hingen von der Größe des Bades ab. „Je nachdem, wie das Bad schwerpunktmäßig genutzt werden soll, wird es eine Kosten-Nutzen-Rechnung geben“, sagt Krähling.

„Der Badebetrieb wie er gerade mit Schulschwimmen und weiterem organisiert ist, wäre mit einer Fläche nicht darstellbar“, sagt Kölz. In beiden Hallenbädern der Stadt – das Bad in Bissingen und das Bad am Viadukt – herrscht Vollauslastung. Im Bad am Viadukt gehen jährlich 220 000 Schwimmer und 20 000 Saunagäste aus und ein. Es ist eher ein Freizeit- als ein Sportbad wie das in Bissingen.

Wettkampfstandards benötigt

Im Bissinger Hallenbad findet unter anderem der DLRG Rettungsschwimmerwettkampf statt. Für Staffelwettkämpfe auf der 50-Meter-Bahn gibt es nach FINA-Standards (internationaler Sport-Dachverband für Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball) keine Örtlichkeit in der Stadt. Zwar hat das Freibad im Ellental ein wettkampftaugliches Becken, für Staffeln fehlen aber ausreichend Stadtblöcke.

Krähling, der als Vorsitzender nicht nur dem Sportdachverband, in dem 40 Mitgliedsvereine organisiert sind, vorsteht, sondern auch Vorsitzender des TSV Bietigheim ist, sieht keine Konkurrenz zwischen dem Neubau beziehungsweise der Sanierung eines Hallenbades und dem weiterhin aktuellen Wunsch der Ballsportvereine nach einer Ballsporthalle. Zum Vergleich: Diesen Bau, der in der Komplettlösung maximal 14 Millionen gekostet hätte, hatte der Gemeinderat für drei Jahre auf die lange Bank gelegt. „Bei der Sanierung oder dem Bau eines Hallenbades wären ja die Stadtwerke Bauherr“, verweist Krähling. Hier stimmt Kölz zu: „Die Stadt würde beides finanzieren, aber das sind getrennte Themen.“

Platz wäre auf jeden Fall für einen Neubau: Und zwar zwischen Eishalle und dem neuen Sportvereinszentrum des TSV 1848 Bietigheim. Die Fläche beim Ballkult befindet sich im Besitz der Stadt.