Spende Auswege aus dem Teufelskreis der Sucht

Scheckübergabe für die Beratungsstelle für Suchtkranke in Bietigheim Bietigheim (von links): Initiator Christian von Berg, Abgeordneter Fabian Gramling, „KisEL“-Koordiantorin Janika Binder und Beratungsstellenleiter Mike Ullmann.
Scheckübergabe für die Beratungsstelle für Suchtkranke in Bietigheim Bietigheim (von links): Initiator Christian von Berg, Abgeordneter Fabian Gramling, „KisEL“-Koordiantorin Janika Binder und Beratungsstellenleiter Mike Ullmann. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Heike Rommel 08.11.2018

Anlässlich einer Scheckübergabe stellte die Psychosoziale Beratungsstelle (PSP) am Montag ihr Projekt „KisEL“ (Kinder suchtkranker Eltern) vor. Diese erhielt 2900 Euro, welche auf Initiative von Christian von Berg beim letzten Pferdemarkt gesammelt wurden. Berg verkaufte einen Teil seiner Schokobananen zu Gunsten des Projekts, wobei ihm Fabian Gramling (CDU) eine Stunde lang half. Das Erstaunliche dabei: Alle Schausteller des Bietigheimer Pferdemarktes gaben Spenden dazu.

Christian von Berg, mit seinen Schokobananen schon lange Jahre auf dem Pferdemarkt, arbeitete bei der Spendenaktion mit Patricia Kinzler von der gleichnamigen Schaustellerfamilie zusammen. Mike Ullmann, Fachbereichsleiter Sucht des Kreisdiakonieverbandes, formulierte das Ziel des Projekts „KisEL“ so: Man wolle „Kinder aus dem Teufelskreis der Sucht herausbringen.“ Es solle gezeigt werden, wie Freizeitgestaltung funktioniere, „ohne dass die Eltern ständig im Nebel herumhängen“. Vor allem gelte es zu verhindern, „dass die Kinder selber in die Sucht hinein rutschen“.

Sucht, so Ullmann, sei eine anerkannte Erkrankung, und die Leidtragenden seien immer die Kinder. Kinder könnten nicht zwischen guten und schlechten Vorbildern unterscheiden, und ruckzuck sei schon wieder eine kranke Generation da.

Auch Spielsüchtige

Projektleiterin und Sozialpädagogin Janika Binder, nach ehrenamtlicher Arbeit und Honorararbeit am 1. Oktober hauptberuflich eingestiegen, betreut derzeit acht Kinder und acht Jugendliche von suchtkranken Eltern.

Der Großteil der Elternteile ist alkoholabhängig, es gibt aber auch Kinder und Jugendliche von Spielsüchtigen. KisEL umfasst alle Süchte. Zu Binder kommen auch Kinder und Jugendliche ohne Wissen der Eltern, andere Eltern wiederum nehmen zusammen mit ihren Kindern an den Angeboten teil.

Binder kooperiert mit Kindergärten, Kitas, Schulen, Schulsozialarbeitern, Ausbildungsbetrieben, dem Jugendamt sowie mit der Drogenberatung des Kreisdiakonieverbandes „Chillout“. Während KisEL nur bis zu einem Lebensalter von 18 Jahren läuft, kümmert sich „Chillout“ um junge Leute bis zum 26. Lebensjahr. Sie konsumieren dann meistens schon selber Drogen.

Der Einzugsbereich des Projekts KisEL umfasst den ganzen Landkreis Ludwigsburg. Es werden Wochenenden mit Übernachtung in der PSB organisiert, wo gemeinsam gekocht und auf gesunde Ernährung geachtet wird. „Viele Eltern denken, ihre Sucht hat nichts mit ihren Kindern zu tun“, berichtet Janika Binder. Das weiß sie unter anderem von Familienfreizeiten, bei denen stets ein Therapeut dabei ist, der die Eltern gerne unter seine Fittiche nimmt. Da habe schon so mancher betroffene Vater oder so manche betroffene Mutter Hilfe gefunden.

Mike Ullmann hat seit dem Sommer auch eine Schuldnerberatung im Hause am Japangarten 6. Denn wenn Schulden drückten, sagt er, käme der Alkohol manchmal ganz schnell. Mit erlebnispädagogischen und therapeutischen Elementen möchte das Projekt KisEL in erster Linie Kindern und Jugendlichen suchtkranker Eltern einen geschützten Entwicklungsraum schaffen.

Kontakt: Mike Ullmann, Fachbereich Sucht, Kreisdiakonieverband, Telefon (07142) 97 43-0, E-Mail: M.Ullmann@kreisdiakonieverband-lb.de

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel