Als im japanischen Kobe im Frühjahr 2019 eine große Ausstellung mit Werken des Künstlers Kawanabe Kyosai (1831 bis 1889) gezeigt wurde, steuerte auch das Stadtmuseum Hornmoldhaus sieben Werke dazu bei. Denn in den 50er-Jahren hat das Bietigheimer Museum rund 60 Werke Kyosais erworben, die ihm Hatto Bälz, der Enkel des Japanarztes und Sohnes der Stadt Erwin von Bälz, verkauft hatte. Nun sind die sieben Bilder wieder zurück im Museum, doch bevor sie ins Depot kommen, werden sie in einer kleinen Kabinettausstellung gezeigt, die am Montag eröffnet wird.

Museumsleiterin Dr. Catharina Reible ist stolz darauf, dass die Kunstwerke aus Bietigheim einen wichtigen Beitrag für die Kyosai-Ausstellung in Japan geleistet haben. Sichtbar ist das daran, dass eines der Exponate, das eine junge Frau begleitet von Knochenmännern zeigt, für das Ausstellungsplakat verwendet wurde. Die Skelette sind ein Markenzeichen des Künstlers, der zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 1889 als einer der besten Holzschnittmeister Tokios und herausragender Maler humoristischer, skurriler und satirischer Motive galt. Auch Krähen tauchen bei ihm immer wieder als Motiv auf, wie auch auf einem der Bilder im zweiten Obergeschoss des Hornmoldhauses.

Ebenfalls typisch: ein flotter Pinselstrich, der die dargestellten Figuren sehr plastisch und lebendig wirken lässt. „Er galt als ein sehr schneller Maler“, sagt Volontärin Andrea Kaufmann. Sie kennt sich mit Kyosais Kunst aus, hat sie doch die sieben Werke aus Bietigheim mit nach Japan begleitet.

Der Ausstellungseröffnung im Hornmoldhaus ging eine Rochade voraus. Dort, wo ab Montag die Bilder Kyosais zu sehen sind, befand sich zuvor das Erwin-von-Bälz-Kabinett. Dieses ist nun in einem anderen Raum im zweiten Obergeschoss zu finden. Es wurde neu gestaltet, mit mehr Exponaten als bisher und einer durchgehenden deutsch-japanischen Beschriftung, berichtet Reible. Letzteres geschah mit Blick auf japanische Besucher, die im Zuge des Austausches mit der Partnerstadt Kusatsu, aber auch darüber hinaus ins Stadtmuseum kommen, um sich über Bälz (1849 bis 1913) zu informieren. Der gebürtige Bietigheimer wirkte bekanntlich von 1872 bis 1905 als Mediziner in Nippon, unter anderem ab 1890 als Leibarzt der kaiserlichen Familie.

Als passionierter Kunstsammler erwarb Bälz die beachtliche Zahl von 6000 Objekten, von denen sich ein kleiner Teil in Bietigheim befindet. Weitere Werke der Sammlung gehören zum Bestand des Lindenmuseums in Stuttgart.

Museumsleiterin Reible verweist zudem auf die Verbindung von Bälz und Kyosai: Der Arzt erwarb auch Werke dieses Künstlers – oder erhielt sie als Geschenk –, und er begleitete diesen als behandelnder Arzt in seinen letzten Stunden.

Während das Bälz-Kabinett eine Dauerausstellung ist, gehen die sieben Kyosai-Werke der neuen Ausstellung nach deren Ende zurück ins Depot. Der Raum, in dem sie sich befinden, soll künftig den römischen Spuren in der Stadt gewidmet werden. Doch es gebe Überlegungen, in ein bis zwei Jahren wieder eine große Kyosai-Ausstellung zu gestalten, verrät Catharina Reible. Die letzte gab es im Jahr 1997.

Info Die Sonderausstellung wird am Montag, 30. September, 17 Uhr, im Erdgeschoss des Hornmoldhauses eröffnet. Es sprechen OB Jürgen Kessing, Marion Petri und Museumsleiterin Dr. Catharina Reible. Für Musik sorgen Schülerinnen der Musikschule. Der Eintritt ist frei, im Anschluss gibt es japanischen Tee und Leckereien.