Pedelecs Ausleihzahlen in der Kritik

Die E-Bike-Station am Bietigheimer Bahnhof ist wegen des Betreiberwechsels derzeit nicht in Betrieb. Die Umbauphase soll laut einem Zettel an der Tür bis voraussichtlich Februar dauern.
Die E-Bike-Station am Bietigheimer Bahnhof ist wegen des Betreiberwechsels derzeit nicht in Betrieb. Die Umbauphase soll laut einem Zettel an der Tür bis voraussichtlich Februar dauern. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 13.11.2018

Dass die Ausleihzahlen der Pedelec-Stationen in der Region zu wünschen übrig lassen, ist kein Geheimnis. Sie haben es sogar ins „Schwarzbuch“ des Bunds der Steuerzahler geschafft. Der Verein, der sich den Kampf gegen die Verschwendung von Steuergeldern und für die Rechte der Steuerzahler zur Aufgabe gemacht hat, bemängelt in seinem neuen „Schwarzbuch“ ein schlechtes Verhältnis zwischen den Kosten und der Auslastung.

Im Rahmen des Programms „Modellregion für nachhaltige Mobilität“ waren seit 2013 in 14 Kommunen Pedelec-Stationen eröffnet worden, die erste davon, mit zehn Pedelecs, am Bietigheimer Bahnhof. Ziel ist es, die Anschlussmobilität an den Bahnhöfen zu verbessern, Zielgruppe sind sowohl Pendler als auch Tagestouristen.

Doch statt zu steigen, sind die Ausleihzahlen in der Stadt immer weiter gesunken: laut Steuerzahlerbund von 920 Ausleihen im Jahr 2014 auf nur noch 330  Ausleihen im Jahr 2017. „Damit bezuschusste Bietigheim-Bissingen 2017 jede Ausleihe mit fast 40 Euro“, hat der Bund der Steuerzahler ausgerechnet.

Wie schon berichtet, verzeichnete die Stadt 2017 einen Fehlbetrag von rund 11 000 Euro für das Angebot – womit man allerdings bei 33 Euro pro Ausleihe wäre. Würde man die Investitionskosten mit einbeziehen, wäre der Zuschuss pro Ausleihe indes viel höher. Diese beliefen sich nach einer früheren Aussage von Rainer Gessler von der Geschäftsstelle für „Nachhaltig mobile Region Stuttgart“ auf mehr als 190 000 Euro, die sich Region, Land und Kommunen teilten.

Die Zuschüsse für das Projekt hat der Steuerzahlerbund schon länger im Visier. So bemängelte er bereits im vergangenen Jahr, dass jede Ausleihe im Jahr 2016 mit 20 Euro bezuschusst werde. Auch Stadtrat Dr. Georg Mehrle (FDP) hatte das Thema 2017 in seiner Etat-Rede angesprochen.

Bahn-Tochter übernimmt

Für Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen, ist die Kritik daher nicht neu. Doch die Stadt sei gerade dabei, die Ausleihe zu verbessern, berichtet sie. Wie bereits dargestellt, gibt es einen Betreiberwechsel: Nach dem Auslaufen des Vertrags mit der Leipziger Firma „ nextbike“, die seit Inbetriebnahme der Verleihstation im Herbst 2013 als Betreiber fungiert hat, Ende Oktober, wird ab 2019 als neuer Betreiber die Deutsche Bahn Connect GmbH einsteigen. In der Zwischenzeit werden neben der Station in Bietigheim-Bissingen auch andere Verleih-Stationen in der Region Stuttgart umgebaut und neu eingerichtet. Das neue System „RegioRadStuttgart“ habe mehrere Vorteile, so Hochmuth: Einer besteht darin, dass die Räder nicht mehr zum Startpunkt zurückgebracht werden müssen, man kann sie einfach an einer der mehr als 100 Ausleihstationen abgegeben. Allein in Stuttgart gibt es rund 75 Stationen. Zudem stünden viel mehr Räder zur Verfügung. Nach Angabe von „RegioRad“ gibt es in der Landeshauptstadt und weiteren Kommunen in der Region rund 700 Fahrräder im blauen Design, Ende September sind 150 neue Pedelecs dazu gekommen.

Richtig sei, dass die Ausleihe anders gelaufen sei als gedacht, sagt die Sprecherin zur Kritik des Steuerzahlerbunds. Sie gibt vor allem der fehlenden Vernetzung – die jetzt verbessert werden soll – die Schuld am Ausleih-Flop. Doch: „Es war ein Versuch“, so Anette Hochmuth, ein Modellprojekt. „Das beinhaltet, dass auch was schiefgehen kann.“

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