Konzert Ausdruck einer guten Verbindung

Die jugendliche Musiker aus Downers Grove in den USA bei ihrem Abschlusskonzert in der Kelter.
Die jugendliche Musiker aus Downers Grove in den USA bei ihrem Abschlusskonzert in der Kelter. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Susanne Walter 20.06.2018

Seit dem Jahr 1985 besteht der Austausch zwischen Orchestern der Musikschule im Schloss Bietigheim-Bissingen und dem District 99 Streichorchester der South und North High School von Downers Grove in Illinois, einem Vorort von Chicago. Für beide Seiten sei es immer wieder ein Höhepunkt, sich gegenseitig zu besuchen und auf einem anderen Kontinent Konzerte zu geben. Aktuell waren rund 60 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren zu Gast in Bietigheim-Bssingen. Am Montag gaben sie ihr Abschlusskonzert in der Bietigheimer Kelter.

Anders als hierzulande sei in den USA das Orchesterspiel fester Bestandteil im Schulalltag, erklärt Bietigheimer Musikschulleiter Reimund Schiffer. „Die amerikanischen Schüler haben ein anderes Ausbildungssystem und üben täglich eine Stunde zusammen. Wir haben lediglich einmal in der Woche eine gemeinsame Probe.“ Dafür hätten die Amerikaner allerdings kaum Einzelunterricht und lernten ihr Instrument beinahe alle in der Gruppe, so Schiffer.

Das technische Niveau der jungen Streicher aus Amerika ist entsprechend hoch. Nach einem gemeinsamen Konzert mit dem Gitarrenorchester der Bietigheimer Musikschule unter Bernd Gehlen, dem Blockflötenorchester unter Annette Bachmann und dem Jugendstreichorchester unter Eva Janßen in Ingersheim erlebten Streichorchesterfans am Montag die Jugendlichen unter der Leitung von Jennifer Mullen in der Kelter. Zum rustikalen Rahmen kam die Engelsharfe, gespielt von Catherine Ramsey aus Downers Grove. Mit kräftigem perlenden Harfenton überzeugte die junge Solistin ihre Zuhörer schnell. Für sie hatte Dirigentin Jennifer Mullen ihr versiertes Streichorchester extra das Stück „Esperance“ von Catherine McMichael einüben lassen und andere Stücke, in denen die Konzertharfe eine exponierte Stellung spielt.

Wenig bekannte Werke

Das Programm der Amerikaner enthält für westeuropäische Ohren besonders reizvolle Werke, die sich zwischen Jazz und Moderner Musik bewegen und hier wenig bekannt sind. In Jeffrey Bishops „Symphony for strings“ erlebte das Bietigheimer Publikum Western Swing, Southern Lullaby, einen Cowboy-Walzer und Shaker Dances. In den Sätzen sind typische amerikanische Themen verarbeitet wie Billy the Kid, Auszüge aus dem Leben einer Sklavin, Anspielungen auf den Bürgerkrieg und Songs der Quäker. „Das ist ein ganz anderes Programm, wie man das sonst bei uns hört“, stellt Zuhörerin Renate Böckle fest, deren Nichte eine amerikanische Geigenspielerin zu Gast hat.

„Ich kann gar nicht sagen, wie oft die Amerikaner schon bei uns waren oder wir schon dort“, beschreibt Musikschulleiter Reimund Schiffer das enge Verhältnis. Die Musikschule im Schloss pflege sogar an zwei verschiedenen Orten in Amerika Austauschkontakte, der zweite ist in Kansas City.

Termin bis 2025 sind fix

In Kürze fliegen das Gitarren- und Blockflötenorchester und das Streichorchester mit über 60 Leuten in die USA. „Alle vier Jahre ist ein Orchester von drüben bei uns, und da wir zwei Austauschkontakte haben, sind alle zwei Jahre Schüler von uns in Amerika“, so der Musikschulleiter weiter. Bis 2025 stehen alle Termine schon fest. Ziel sei es, so Schiffer, jedem Musikschüler, der im Ensemble spielt, einmal in seinem Musikschulleben die Möglichkeit zum Amerika-Besuch zu geben.

Austausch läuft gut

Der Austausch mit den Gastfamilien läuft nach den Worten von Raimund Schiffer sehr gut: „Die Bereitschaft von Bietigheimer Gastfamilien ist sehr hoch, Jugendliche aus Amerika aufzunehmen.“ In der Regel sei das eigene Kind bei der Familie untergebracht, deren Kind jetzt in Bietigheim war. Schiffer lobt die reibungslose Zusammenarbeit, die wohl nur deshalb so gut funktioniere, weil die Austauschreise einen sehr hohen Stellenwert bei den Musikschülern auf beiden Seiten habe. suy

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