Silvesterlauf Aus einer Wette wurde Tradition

Uwe Lukscheiter (links) ist ein Dauerläufer beim Bietigheimer Silvesterlauf. Dabei läuft er seit Jahrzehnten immer als letzter los, wie Silvesterlauf-Moderator Michael Kloiber erfährt.
Uwe Lukscheiter (links) ist ein Dauerläufer beim Bietigheimer Silvesterlauf. Dabei läuft er seit Jahrzehnten immer als letzter los, wie Silvesterlauf-Moderator Michael Kloiber erfährt. © Foto: Peter Willig
Bietigheim-Bissingen / Vivien Staib 02.01.2019

Der Bietigheimer Silvesterlauf ist eine langjährige Tradition. Er zieht Läufer aus allen umliegenden Orten in die Innenstadt, die zusammen, sobald der Startschuss ertönt, den elf Kilometer langen Lauf bestreiten. Seit 1982 läuft ein besonderer Sportler mit: Uwe Luckscheiter aus Freiberg startet in diesem Jahr bereits zum 33. Mal. Eine Besonderheit zeichnet den 53-Jährigen aus: Er startet immer als Letzter. „Ich habe bisher jedes Jahr am Silvesterlauf teilgenommen, bis auf drei Male. Im ersten Jahr habe ich noch nicht mitgemacht, weil ich nicht wusste, was für eine tolle Veranstaltung der Lauf ist. Ende der 80er war ich beim Militär und 2004 musste ich wegen einer Schulter-OP aussetzen“, erzählt der Sportler.

Luckscheiter sei normalerweise kein Ausdauersportler, sondern konzentriere sich eher auf Zehnkampf. „Das ist sehr anstrengend, aber bereitet unglaublich viel Freude“, so der 53-Jährige. Seit seinem 15. Lebensjahr praktiziert der Freiberger Wettkampfsport und ist eigentlich eher auf Schnelligkeit ausgelegt. „Der Silvesterlauf ist nicht ohne. Elf bis zwölf Kilometer über Kopfsteinpflaster zu laufen und Höhenunterschiede zu überwinden, ist alles andere als einfach. Chapeau, an alle Teilnehmer“, sagt Luckscheiter.

Der Grund, warum der leidenschaftliche Zehnkampfsportler jedes Jahr als Letzter in Bietigheim startet, beruht auf einer Wette mit einem Bekannten. „Ich sollte bei meiner ersten Teilnahme als Letzter starten, mein Freund als Erster. Damals wurde noch per Brutto-Zeitnahme gestoppt, das heißt, für mich war das ein klarer Nachteil“, erklärt Luckscheiter. Heutzutage habe jeder Läufer einen kleinen Chip am Schuh angebracht, der misst, wann der- oder diejenige startet. „Damals, 1982, gab es das noch nicht. So startete ich sechs Minuten später und hätte die Zeit aufholen müssen, um zu einem besseren Ergebnis zu kommen als mein Freund. Die Wette habe ich damals verloren“, lacht der 53-Jährige.

Palmen und Gentlemen

Er erinnert sich gerne an die lustigen Begegnungen, die er beim Silvesterlauf schon gemacht hat: „Ein Reisebüro hat mal eine riesige Palme mit sich herumgetragen. Nach der Hälfte der Strecke konnte einer der Träger nicht mehr, dann habe ich einfach ausgeholfen“, erzählt Luckscheiter. In einem anderem Jahr wollte ein älterer Herr unbedingt als Letzter starten. Die beiden Gentlemen wollten sich gegenseitig den Vortritt lassen, bis sie sich nach langer Diskussion am Start dazu entschlossen haben, einfach gemeinsam als Letzte zu starten.

„Der Gemeinschaftsaspekt und die Begegnungen zeichnen den traditionellen Silvesterlauf aus. Aus diesem Grund laufe ich Jahr für Jahr wieder“, schwärmt der 53-Jährige. Sein Verein startet in diesem Jahr mit rund 20 Sportlern. „Beim Silvesterlauf geht es uns nicht ums Gewinnen, oder darum die anderen zu übertrumpfen. Es geht um das Zusammensein, die Freude und um das großartige Sportspektakel, das die Stadt uns seit so vielen Jahren anbietet“, lobt Luckscheiter.

Der 53-Jährige trainiert nicht nur vier bis fünfmal in der Woche, sondern hilft auch Schülern dabei, sich auf ihr Sportabitur oder auf Wettbewerbe vorzubereiten. „Ich trainiere gerne Schüler für ihr Abitur oder für sonstige Wettkämpfe. Aber ich finde es nervenaufreibender am Rand zu stehen und meine Schützlinge anzufeuern, als selbst am Wettbewerb teilzunehmen. Ich fiebere immer sehr mit“, so der ehrenamtliche Mentor.

Luckscheiter hatte eine Zeit lang auch eine Laufgruppe für Flüchtlinge angeboten, die in Freiberg wohnen. „Das wurde damals gut angenommen, hat sich aber irgendwann leider im Sand verlaufen. Es war eine schöne Erfahrung und hat mir besonders viel Spaß gemacht.“

Der Freiberger hat in seinem Leben schon 139 Zehnkämpfe bestritten, Tendenz steigend: „Solange mich meine Füße noch tragen und ich in passablen Gesundheitszustand bin, werde ich mit Zehnkämpfen weitermachen. Es gibt auf der Welt tatsächlich nur einen einzigen Mann, einen US-Amerikaner, der mehr Zehnkämpfe als ich bestritten hat, nämlich rund 150.“ Der 53-Jährige absolviert pro Jahr trotzdem noch drei Zehnkämpfe und arbeitet darauf hin, selbst einmal den Weltrekord zu halten.

Am 1. Januar geht’s weiter

Der Silvesterlauf ist für ihn der schöne Abschluss eines erfolgreichen Jahres. „Ich beende das Jahr mit einem wunderbaren Sportspektakel, gemeinsam mit meinen Bekannten und Freunden und fange das neue Jahr auch sportlich wieder an“, so der Freiberger. Denn am 1. Januar nimmt der Athlet in der Disziplin Hammerwerfen in Ludwigsburg teil. Den Silvesterlauf möchte Uwe Luckscheiter aber nicht mehr missen. „Ich werde am Silvesterlauf teilnehmen, solange wie ich nur kann: ob mit 60, 70 oder 80 Jahren.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel