Stehende Ovationen gab es am Samstag in der vollbesetzten Pauluskirche für das Ergebnis eines wochenlangen intensiven Engagements der Bietigheimer Kantorei und des Ehemaligen-Chores der Realschule Im Aurain. Lange hatte der Bietigheimer Kirchenmusiker und Dirigent Burkhard Pflomm wohl den Wunsch gepflegt, dem fast vergessenen Romantiker Christian Fink ein musikalisches Denkmal zu setzen. Jetzt führte er zum ersten Mal überhaupt dessen Komposition "Der 130. Psalm" auf - 160 Jahre nach der Entstehung des Werkes.

Unterstützung fand Pflomm in Gertraud Weixler, die keine Stimmprobe scheute. Dazu fand sich für den Chorgesang Unterstützung im Ehemaligen-Chor der Realschule im Aurain, um den Klangkörper mit versierten Sängern zu vergrößern. Das Bietigheimer Kantatenorchester lieferte, ganz selbstverständlich, professionell einen Klangteppich für dieses Vorhaben, der keine Wünsche offen ließ.

Finks unbekanntem Werk, das, typisch für die Romantik, auch die dunkle Seite der menschlichen Abgründe thematisiert, stellte Projektleiter Burkhard Pflomm eine Psalmenvertonung von Felix Mendelssohn-Bartholdy zur Seite und die Ouvertüre C-dur aus Mirjams Siegesgesang. "Vom Dunkeln ins Licht könnte man den emotionalen Weg, auf den Punkt gebracht, beschreiben, den dieses Konzert nimmt", erklärte Pflomm nach dem großartigen Schauspiel - ein Ausgleich, der ihm wichtig ist, vor allem wenn ein schweres Stück, das in die Tiefe führt, gleich am Anfang steht. Aus der professionell angelegten Klangdichte der Chöre und des Orchesters hoben sich glasklar die Stimmen der Solisten ab, Miriam Burkhardt und Kerstin Plaschka im Sopran, Susanne Wiesbauer (Alt) und Stephan Frieß (Tenor).

Der Reiz von Finks Werk liegt auch in besonderen Arrangements. Es startet mit einem Largo, was die Schwere gleich ins Feld führt und ungewöhnlich ist zum Konzertauftakt. Es findet den Ausgleich zwischen Rezitativ und Chorgesang. Am Ende steht der Siegeszug, den Franz Schubert beisteuerte. Hier brillieren die Stimmen, beschleunigen sich gegenseitig und heben die Stimmung im Saal bis hin zur Exstase.

Die Qualität stimmt im Konzert von der ersten bis zur letzten Minute. Dazu tragen entscheidend die versierten und professionell agierenden Solisten bei. Allein ihre markanten Stimmen zu hören, schenkt Kraft und neue Energie, die die Chöre noch steigern.

Nichts, aber auch gar nichts, überließ Burkhard Pflomm dem Zufall bei der Erfüllung seines lang gehegten Wunsches nach einer Uraufführung. Dafür gab es am Ende begeisterte Zurufe. Viele Zuhörer standen auf und fingen nach dem Konzert den versierten Dirigenten gleich am Pult ab.