Ida Baggen unterrichtet im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) Englisch im kleinen guatemaltekischen Ort Cabrican und sah sich zu Beginn mit vielen Aspekten konfrontiert (die BZ berichtete): Spanisch lernen, eine völlig neue Kultur und ihre Menschen kennenlernen, neue Bildungsstrukturen und natürlich auch die Umstellung auf das Tausende von Kilometer entfernte Guatemala und sein Klima.

Andere Kultur

Mittlerweile fühlt sich die 18-Jährige trotz der Unterschiede rundum wohl: „Seit fast zwei Monaten bin ich nun in Guatemala und muss sagen: Ich habe mich verliebt. In das Land, in die Menschen, in die Unordnung und die Tradition. Sogar ein wenig in die Sprache“, schwärmt Baggen. Die Amtssprache in Guatemala ist offiziell Spanisch. Allerdings gibt es in dem südamerikanischen Land viele indigene Sprachen, die von Ort zu Ort unterschiedlich ausgeprägt sein können: „Ich habe einen dreiwöchigen Sprachkurs in Spanisch absolvieren dürfen, lebe allerdings im kleinen Ort Cabrican, in dem Ma’am gesprochen wird. Allein Ma’am unterscheidet sich in Cabrican schon vom Ma’am im Nachbarort. Das macht das Erlernen der Sprache nahezu unmöglich für mich“, erklärt die Bietigheimerin.

Sprachbarriere kein Problem

Eine große Befürchtung der FSJlerin war, dass sich die Kommunikation mit ihren Schülern aufgrund ihrer geringen Sprachkenntnisse in Spanisch als schwierig oder unmöglich gestalten könnte. „Diese Befürchtung hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Obwohl die Mehrheit der Schüler Ma´am spricht, komme ich mit Spanisch gut klar. Außerdem unterrichte ich Englisch, daher halte ich den Unterricht in englischer Sprache“, so Baggen.

Die Englischvorkenntnisse der Schüler seien gering, sodass sie auch bei den älteren Schülern mit Basisaufgaben beginnen musste: „Begrüßungen, Pronomen, Früchte und Tiere. Das Niveau des Unterrichtsinhalts ist wirklich kaum mit dem zu vergleichen, was in Deutschland im gleichen Alter unterrichtet wird. Wie wichtig jedoch eine gute Bildung in Guatemala und in so vielen anderen Ländern dieser Welt für die Zukunft der Jugendlichen ist, wird mir hier von Tag zu Tag mehr bewusst“, sagt Baggen.

Viel Armut

Ihre Schüler sind zwischen sechs und 18 Jahren alt. „Wenn Kinder an Straßenständen verkaufen müssen, um der Familie über die Runden zu helfen, sehe ich, wie sich das Hamsterrad der Armut dreht.“ Dabei werde ihr  mehr und mehr klar, was sie für ein Bildungsprivileg in Deutschland genießen durfte. „Meine Mitschüler während meines Sprachkurses aber auch meine Kollegen an den Schulen, an denen ich unterrichte, sind allesamt sehr offen und verständnisvoll gegenüber meiner holprigen Versuche, spanische Konversation zu führen. Schon jetzt habe ich das Gefühl, von Freunden umgeben zu sein. Das gibt mir ein wohliges Gefühl von Heimat“, sagt Ida Baggen. Nach zwei Monaten könne sie von sich behaupten, dass sie angekommen sei. Mittlerweile unterrichtet die Bietigheimerin zehn Klassen. Insgesamt seien in Guatemala neun Jahre Schulbesuch verpflichtend. Alles was danach kommt, können die Jugendlichen freiwillig belegen.

Neben ihrer Arbeit, taucht die Bietigheimerin komplett in eine neue Kultur ein, die sie hier und da herausfordere, aber in erster Linie bereichere: „Die Menschen sind sehr viel konservativer und traditioneller. Der Mann verdient das Geld, die Frau bleibt mit den Kindern zu Hause“, sagt Baggen.

Info Ida Baggen schreibt über ihre neuen Erfahrungen auch in einem eigenen Blog. Wer die 18-jährige Bietigheimerin auf ihrer Reise begleiten möchte, kann unter folgendem Link ihre persönlichen Berichte finden:

https://malraus.jimdofree.com/

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz