Was war, was kommt Auf großem Fuß

Andreas Lukesch  kennt sich prima mit Sprichwörtern aus.
Andreas Lukesch kennt sich prima mit Sprichwörtern aus. © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 28.07.2018

Endlich sind Sommerferien und wir können uns Beschäftigungen widmen, die zwar weitgehend sinnentleert sind, aber auch nicht schaden, um die Zeit totzuschlagen. Ein Tipp wäre da kommenden Freitag die „sprichwörtliche Führung“ durch die Stadt mit Ursula Weidel (18 Uhr, Treffpunkt Ku(h)riosum). Während die Gästeführerin den Ursprüngen bekannter Sprichwörter auf den Grund geht, blicken wir an dieser Stelle nicht zurück, sondern suchen eher die aktuellen Bezüge. Wenn also jemand in Bietigheim-Bissingen sein „blaues Wunder“ erleben möchte, dann ist das ganz einfach. Er muss sich nur  bei 36 Grad Außentemperatur unter wolkenlos blauem Himmel mit dem Auto aus Richtung Kammgarnspinnerei durch die Stadt nach Sachsenheim in Bewegung setzen. In dem Moment greift das Sprichwort, das einst Goethe prägte: „Der Mut stellt sich die Wege kürzer vor.“ Tatsächlich ist dieses Autofahrerwagnis im Baustellensommer der Stadt mutig, wenn Eile geboten ist und nur empfehlenswert, will man einmal in Ruhe aus dem Auto heraus das Stadtpanorama genießen.

Dass die Stadt hingegen genügend Kleingeld auf „die hohe Kante gelegt“ hat, kann man nur hoffen, blickt man auf die diese Woche bekannt gewordene Wunschliste der Bietigheim-Bissinger Feuerwehr. Die Brandschützer haben die sonst so wehrhaften Gemeinderäte tief beeindruckt mit Furcht einflößenden Begriffen wie „Einstieg in das Wechselladekonzept“ oder „AB Rüst für Großschadenslagen“. Diese Fachtermini zwingen jeden „Sparfuchs“ in die Knie, denn wenn beim Brandschutz nicht „alles in Butter“ ist, dann ist die Stadt der nächsten Feuersbrunst mindestens ebenso schutzlos ausgesetzt wie schwedische Wälder dem skandinavischen Sommer. Aber ernsthaft: Welcher Stadtrat und welcher Steuerzahler will schon die Schuld auf sich laden, dass eine Freiwillige Feuerwehr, die es gewohnt ist, mit Porsche-Dienstfahrzeugen an den Staus vorbei zu brausen, ihre Einsatzfahrzeuge mit Anwohnerparkausweisen ausstatten muss, weil die Brandschutzboliden nicht mehr durchs Hallentor passen oder in Bissingen durch die dünne Bodenplatte zu brechen drohen? Gut, früher, als wir noch nix hatten, da hätten es ein paar Stützpfeiler im Keller auch getan, um den Brandschutz zu gewährleisten. Heute aber „leben wir auf großem Fuß“ und die Feuerwehr will sich natürlich „nichts durch die Lappen gehen lassen“. Denn wie heißt es doch so schön: „Der nächste beim Feuer wärmt sich.“

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