Bietigheim-Bissingen Asylbewerber aus Syrien sind seit Montag im Liederkranzhaus Bissingen

Abgehängte Stellwände, Klappbetten, Schränke sowie Tische und Stühle: so sieht es in der Notunterkunft im Liederkranzhaus aus.
Abgehängte Stellwände, Klappbetten, Schränke sowie Tische und Stühle: so sieht es in der Notunterkunft im Liederkranzhaus aus. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / JULIA SCHWEIZER 27.10.2015
Ursprünglich sollten am Freitag rund 60 Asylbewerber ins Bissinger Liederkranzhaus einziehen. Nun sind sie am Montag angekommen - und bei den Behörden scheinen die Kapazitäten immer knapper zu werden.

Alles war aufgebaut am Freitag: ein Schutz-Bodenbelag war im Liederkranzhaus angebracht und Leitungen verlegt. Und anders als in der zweiten großen Kreisunterkunft, der Sporthalle des Beruflichen Schulzentrums, gab es bereits beim geplanten Einzugstermin Trennwände, die mehrere Betten zu einer Einheit einteilten - obwohl sich diese Lösung ebenfalls kurzfristig am vergangenen Montag abgezeichnet hatte. Ergänzt wurden die Bereiche um abschließbare Kleiderschränke, Kühlschränke und Tische mit Stühlen.

Doch dann kamen die neuen Bewohner nicht. Erst am Montag trafen sie ein - weniger als angekündigt. Zwischen 40 und 55 sind es, die Angaben schwanken, je nachdem, wen man fragt. Am Freitag seien einfach keine Asylbewerber dagewesen, als die Busse abfahren wollten, heißt es aus dem Umfeld von Helfern, die am Montagvormittag vor dem Liederkranzhaus stehen. Im Innern beziehen einige der Männer - alle stammen aus Syrien und waren zuvor in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Meßstetten - gerade die Betten und räumen die Schränke ein.

Eine kleine Gruppe ist auf der Suche nach einem Ansprechpartner, fragt nach Trinkwasser. Der Hausmeister der Stadt Bietigheim-Bissingen muss sie vertrösten. Es werde alles Nötige gebracht, antwortet er ihnen, sie müssten aber noch ein wenig warten. Die Mitarbeiter des Landratsamts seien vermutlich vom Einzugstermin überrascht worden, mutmaßt er.

Und auch viele der Flüchtlinge selbst scheinen überrascht. In Meßstetten sei die Unterkunft besser gewesen, wegen der abgetrennten Zimmer. Zudem habe es dort Wlan gegeben, damit sie mit ihren Familien daheim kostenlos Kontakt aufnehmen konnten, berichten zwei von ihnen.

Doch das sind vermutlich nur kleine Sorgen gegenüber denen des Landratsamts, das nun zwar erstmals eine städtische Sporthalle zur Verfügung gestellt bekommen hat, dem aber auch die eigenen Hallen ausgehen. Vielleicht auch deshalb scheinen in der Behörde bei manchen die Nerven blank zu liegen. Gab es von einem Landratsamtsmitarbeiter telefonisch noch eine Fotografiererlaubnis, so stellt sich das wenig später von einem vor Ort eingetroffenen Mitarbeiter gegenteilig dar. Auch Hartmut Bernecker ist mit der aktuellen räumlichen - wer oben auf der Bühne schlafe, bekomme kein Tageslicht - und personellen Situation wenig glücklich. Der Helfer vom Freundeskreis Asyl berichtet von einer "ganz schlechten Betreuung" aufgrund einiger Krankmeldungen unter den Sozialarbeitern. Zudem hätten die Ehrenamtlichen am Mittag fürs Erste die Versorgung übernommen, zumindest mit Wasser, Tee und Kaffee, ehe am Abend dann der Caterer übernehmen solle, der schon Essen für die Flüchtlinge in der Sporthalle des Beruflichen Schulzentrums liefert.

Ihre medizinische Versorgung läuft ebenso wie dort ab: Die Menschen können einen Krankenschein beim zuständigen Sozialarbeiter erhalten, um damit zu einem niedergelassenen Arzt zu gehen, sagte Jürgen Vogt, der zuständige Dezernent des Kreises. Notfalls können sie auch den Notarzt rufen - das soll nach Angaben von Bernecker auch am Montag schon geschehen sein, zudem hätten Helfer zwei Menschen ins Krankenhaus gebracht.

Lösungen gibt es mittlerweile immerhin für den Schulsport des Beruflichen Schulzentrums. Der sollte, nachdem der Kreis dessen Sporthalle zweckentfremdete, in das Liederkranzhaus ausweichen, doch dann zerschlug sich auch das. "Ich bin der Stadt sehr dankbar. Sie ist uns sehr entgegengekommen und stellt uns viele Hallenzeiten zur Verfügung", fasst Schulleiter Stefan Ranzinger des Ergebnis eines Gesprächs aller Beteiligten von Ende vergangener Woche zusammen. Den größten Teil des Sportunterrichts könne man in die Jahnhalle - dorthin müsse der Kreis dann einen Busshuttleverkehr einrichten und finanzieren - und die alte Aurainhalle verlegen. Für ein paar weitere Stunden könne man vielleicht im Sport- und Freizeitcenter Ballkult unterkommen, so seine Hoffnung.

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