Markante Bauten Architektur mit dem „Aha“-Effekt

Von Uwe Mollenkopf 01.12.2018

Sucht man über eine Internet-Suchmaschine Bilder von Bietigheim-Bissingen, so bekommt man unter anderem die Villa  Visconti mit dem Turm der Grauen Pferde gezeigt. Ein Zeichen dafür, dass Architekt Jo Frowein recht damit hatte, als er bei der Einweihung 2002 sagte: „Wir hoffen und glauben, dass die  Villa Visconti ein Wahrzeichen dieser Stadt wird.“

Gestaltet von den Architekten Professor Jo Frowein und Dieter Schäffer sowie künstlerisch abgerundet durch Jürgen Goertz bereichere das „Haus der Köpfe“ das  Stadtbild, heißt es auf der städtischen Homepage. Die Bietigheimer Wohnbau hat sich den Bau mit dem auffallenden Tonnendach und der Klinkerfassade seinerzeit 4,5 Millionen Euro kosten lassen. Im Innern befinden sich heute Eigentumswohnungen, eine Zahnarztpraxis und die Mensa für die Hillerschule.

Letzteres zeigt, dass in puncto Gastronomie die Erwartungen nicht ganz aufgegangen sind. Mehrere Pächter hat das Erdgeschoss erlebt, ohne dass sich ein Anbieter wirklich hätte etablieren können. Bei der Mensa-Nutzung wird es bis voraussichtlich 2020 bleiben, bis der Neubau an der Hillerschule fertig ist. Dann könnte vielleicht wieder ein Restaurant in der Villa einziehen. Es gebe eine Liste von drei bis vier Interessenten, sagt Carsten Schüler, der Geschäftsführer der Wohnbau.

Kein Kunstwerk wie das „Haus der Köpfe“, aber auch ein Hingucker, ist ein Gebäude, das in jüngster Zeit an der Ecke Hornmoldstraße/Großingersheimer Straße entstanden ist: Architekt Moritz Kley, der in einem älteren Haus dahinter wohnt, hat an der Straße einen – noch nicht ganz fertigen – Büroanbau errichtet, dessen Fassade aus grauem Spritzbeton mit kleinen Fenstern mit Schallschutzglas besteht. Der Architekt arbeitet darin mit drei Mitarbeitern.

Oberfläche mit Patina

Das Besondere daran: Es wirkt abschottend, und es ist auch so gedacht. Die Idee sei, der viel befahrenen Großingersheimer Straße etwas entgegenzusetzen, so der Architekt. Deshalb sei mit dem Spritzbeton auch ein widerstandsfähiges Material gewählt worden. Die unbehandelte Oberfläche werde sich noch verfärben und eine Patina bilden, erzählt Kley. Eine übliche weiße Fassade wäre in dieser Umgebung einfach nicht angebracht gewesen, meint er. Über die Gestaltung habe er viele Diskussionen mit seinen Mitarbeitern geführt und sie an unzähligen Modellen überprüft, ein konkretes Vorbild dafür gebe es nicht. Mit der Stadtverwaltung sei der Plan in einigen Punkten besprochen worden.

Im Inneren des 90 Quadratmeter großen Baus gibt es ein Sockelgeschoss und ein Obergeschoss mit Aussicht auf den Garten. Das Niedrigenergiehaus 45, das im kommenden Frühjahr fertiggestellt werden soll, soll noch eine intensive Dachbegrünung erhalten. Kleys bisherige Erfahrung: Die Meinungen über das Gebäude sind durchaus gespalten, doch diejenigen, die sich an der Betonfassade stören, seien positiv überrascht, wenn sie das Gebäudeinnere in Augenschein nehmen.  Die Architektur löse auf jeden Fall einen „Aha“-Effekt aus.

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