Bis auf den letzten Platz besetzt war der Ratssaal des Bietigheimer Rathauses am Montagabend, manche Bürger standen gar oder saßen auf den Treppen. So voll wie bei der Infoveranstaltung zum künftigen Anwohnerparken ist es oft auch in dem betroffenen Gebiet rund um das Krankenhaus selbst. Das soll sich mit den neuen Regelungen ändern, die vom 2. Februar an gelten, von der Großingersheimer Straße bis zur Dammstraße, von der Uhlandstraße/Klinik bis zur Moltkestraße. Die Hälfte der bisher eingezeichneten Stellplätze entlang der Straßen ist dann für Anwohner mit speziellen Ausweisen reserviert, für die anderen müssen werktags zwischen acht und 20 Uhr Parkscheiben ins Auto gelegt werden. Der Großteil der auswärtigen Fahrer aber soll ins neu eröffnete Parkhaus.

So ist zumindest der Plan der Stadt. Überzeugen konnte sie damit am Montag aber nicht viele der Anwohner, die sich zu Wort gemeldet haben. Denn mit Parkscheibe darf man sechs Stunden auf dem entsprechenden Platz bleiben. "Da geht doch keiner ins Parkhaus und zahlt dort", so ein Mann, der fürchtet, dass die Plätze zu lange von Fremden belegt sind - auch wenn die Gebühr im Parkhaus ein Euro pro Stunde betrage, wie ein Bürger gehört hatte. "Sechs Stunden, das kann ich nicht nachvollziehen", kritisierte eine Frau, die dafür Applaus erhielt. Andere forderten, mehr Bewohnerparkplätze zu schaffen - doch das ist straßenverkehrsrechtlich nicht möglich, sagte Ordnungsamtsleiter Thomas Höfel.

Bezweifelt wurde auch ein weiteres Ziel der neuen Regelungen, die den Parksuchverkehr reduzieren sollen. Denn künftig dürfe man durch Straßen fahren, die bislang mit einem Schild "Anlieger frei" gekennzeichnet waren. Und wenn bekannt sei, dass auf der Hälfte der Plätze bis zu sechs Stunden lang geparkt werden dürfe, würden es viele Autofahrer natürlich versuchen und durch die Straßen fahren, kritisierte ein Anwohner der Uhlandstraße.

Dem widersprach Frank Peter Schäfer von dem beauftragten Ingenieurbüro BS. Denn grundsätzlich verknappe sich das Angebot an Parkplätzen. "Wir gehen schon davon aus, dass es funktioniert. Das zeigt die Erfahrung", sagte er mit Verweis auf ein früheres Projekt in einem Wohngebiet nahe des Baden-Badener Bahnhofs. Dort parke heute keiner mehr, der nicht Anwohner sei.

Und auch Thomas Höfel zeigte sich überzeugt von den neuen Regelungen, wenngleich er auch auf Nachteile hinwies. Denn das "Mischsystem" aus Plätzen mit Parkscheibenpflicht und Bewohnerausweisen erfordere viele Schilder. "Das gefällt uns auch nicht. Aber wir nehmen das in Kauf, weil wir denken, es ist das beste System."

Für ihn ist aber auch "nicht alles in Stein gemeißelt". Denn seine erste Idee sei es ebenfalls gewesen, Parkgebühren einzuführen, sagte er auf den Vorschlag einer Frau. Aber man habe denen entgegenkommen wollen, die keinen freien Bewohnerparkplatz mehr finden und auf die Plätze mit Parkscheiben ausweichen müssen. Sollte sich zeigen, dass der Parkdruck für die Anwohner nicht weniger wird, werde er dem Gemeinderat vorschlagen, dass die Parkdauer reduziert oder eine Gebühr eingeführt wird. Man müsse aber erst noch abwarten.

Bei einem Erfolg scheint es für die Stadt auch denkbar, die Regelungen in weiteren Gebieten einzuführen. Denn die Anwohnerparkausweise sind laut Höfel mit einem K für Klinikum gekennzeichnet - "zur Unterscheidung, falls weitere Gebiete dazukommen".

Die Regeln für Anwohner

Ausweis Anwohner erhalten einen Ausweis. Er kostet 60 Euro und ist zwei Jahre gültig, danach muss er neu beantragt werden - das soll laut Stadt unkompliziert gehen, so die Stadt. Das Formular steht auch unter www.bietigheim-bissingen.de.

Knöllchen Die Verwaltung schafft es nicht, bis zum 2. Februar alle Ausweise auszustellen, auch wegen vieler früherer Einwendungen. Wer noch keinen hat und als Anwohner einen Strafzettel erhält, bekomme diesen nach einem Anruf oder Mail erlassen. Die Stadt weist aber darauf hin, dass Anwohner auf Plätzen mit Parkscheibenregelung diese auch einlegen müssen. Wer tatsächlich falsch parkt, muss 30 Euro zahlen.