Oberbürgermeister Jürgen Kessing hatte es schon geahnt. Der Verkehr – sowohl der ruhende wie der fließende – spiele bei Bauvorhaben immer eine große Rolle, hatte er eingangs bei der Bürgerinformation zu den Bebauungsplänen „Stuttgarter-, Freiberger-, Gartenstraße, 1. Abschnitt“ (Lothar-Späth-Carré) sowie „Gartenstraße/Gröninger Weg“ am Dienstagabend im Rathaus gesagt. Und in der Tat wurde bei der Veranstaltung, zu der rund 40 Besucher kamen, am meisten über Themen wie Stellplätze und Schleichverkehr diskutiert.

Kessing erläuterte eingangs, warum auf dem ehemaligen Valeo-Gelände, das die Stadt Ende 2011 erworben hat, abschnittsweise gebaut werden soll. Es sei nicht gelungen, bei der Grundstückszuteilung alle Eigentümer unter einen Hut zu bringen, daher beginne man nun im Süden des Areals, wo zwei Unternehmen in den Startlöchern säßen. Mit zwei Hektar ist dies etwa die Hälfte der Gesamtfläche. Der übrige Bereich zur Freiberger Straße hin soll später in einem zweiten, vielleicht auch dritten Bauabschnitt in Angriff genommen werden, so Kessing. Er rechnet damit, dass es drei bis vier Jahre dauert, bis im ersten Bauabschnitt alle Gebäude stehen.

Bürgermeister Joachim Kölz verwies darauf, dass 2013 im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung der Entwurf des Büros ARP zur Planung des Wohngebiets ausgewählt wurde. Ausschlaggebend seien mehrgeschossige Wohnungen, klare städtebauliche Strukturen, eine Lärmschutz-Bebauung entlang der Stuttgarter Straße/B27, eine sparsame Erschließung und eine zentrale Grünfläche – auch als Ersatz für die wegfallenden Bäume auf dem Hubele-/Kienzle-Areal – gewesen.

Geplant sind im ersten Bauabschnitt 175 Wohnungen, davon 24 im Segment bezahlbares Wohnen, sagte Andrea Schwarz, die Leiterin des Stadtentwicklungsamts. Es dominierten Mehrfamilienhäuser, von denen die höchsten Gebäude – an der B27 – viergeschossig sind, teilweise plus Dachgeschoss (DG). Die übrigen Mehrfamilienhäuser sind dreigeschossig (plus DG), drei Reihenhäuser im Süden haben zwei Geschosse (plus DG). Es seien viele öffentliche Fußwege geplant, so Schwarz, die Energieversorgung soll mittels Fernwärme erfolgen.

Der erste Bauabschnitt soll wie berichtet ausschließlich über die Gartenstraße erschlossen werden. Ein Anschluss an die Stuttgarter Straße soll erst im 2. oder 3. Bauabschnitt folgen. Die städtische Planerin geht davon aus, dass durch die Bebauung im ersten Abschnitt 55 zusätzliche Fahrten in der nachmittäglichen Spitzenstunde hinzukommen. Insgesamt würde das dann 162 Fahrten in der Spitzenstunde ergeben oder 2,7 Fahrten pro Minute.

Problem: Längsparker

Das Problem sei, dass in der Gartenstraße derzeit komplett längs geparkt werde, erläuterte Andrea Schwarz. Diese sei dadurch zu schmal für den Begegnungsverkehr. Um die Verkehrssituation zu verbessern, plant die Verwaltung im Süden, an der Einmündung in den Gröninger Weg, einen Kreisverkehr und an der Freiberger Straße eine Ampel. Die Parksituation soll neu geordnet werden, indem die Längsparkplätze wegkommen (mit Ausnahme des Abschnitts am Haus Caspar), wodurch der Straßenquerschnitt breiter wird. Stattdessen sollen Senkrechtparkplätze und weitere Parkflächen („Parktaschen“) angelegt werden. In Summe gewinne man dadurch Parkplätze hinzu, erklärte Schwarz. Aktuell gebe es dort 57 öffentliche Parkplätze, nach dem ersten Bauabschnitt würden 29 neue dazukommen. Im Zuge der weiteren Bebauung seien noch einmal 35 neue geplant.

Seitens der Zuhörer sah man die Baumaßnahme dennoch skeptisch. In der Gartenstraße sei jetzt schon alles zugeparkt, sagte ein Anwohner, insbesondere durch Besucher im Haus Caspar oder im Hospiz. Wenn noch 175 Wohnungen dazu kämen, gebe es ein Chaos. Eine Anwohnerin wies darauf hin, dass ein Taxiunternehmen vier bis acht Parkplätze in Beschlag nehme. Eine Mitarbeiterin im nahegelegenen Fliederweg-Kindergarten wies darauf hin, dass auch hier die Parkplätze Mangelware seien. Sie brauche oft eine halbe Stunde für die Suche. Stadtplanerin Andrea Schwarz entgegnete, dass die Stadt weitere öffentliche Stellplätze auf Privatgelände anlege. Sie betonte aber auch: „Wir können in der Gartenstraße nicht sämtliche Probleme lösen.“ Schwarz erklärte aber, die Stadt prüfe noch die Idee eines Anwohnerparkens wie am Krankenhaus. Dann würden aber 50 Prozent der öffentlichen Stellplätze wegfallen.

Angst vor Schleichverkehr

Die Befürchtung, dass durch die Verbreiterung Schleichverkehr in der Gartenstraße entstehe, versuchte Andrea Schwarz mit dem Hinweis zu entkräften, dass durch die ebenfalls geplante Aufweitung des Einmündungsbereichs der Freiberger Straße an der Kreuzung vor der Bahnunterführung der Verkehr auf dieser Straße besser abfließen werde.

Ebenfalls bemängelt wurde die Stellplatzzahl von 1,2 pro Wohnung. Zudem würden Anwohner nicht immer in die Tiefgarage fahren. Schwarz erwiderte, man setze darauf, dass die neuen Bewohner zunehmend den öffentlichen Personennahverkehr nutzen, also nicht so viele Stellplätze bräuchten. OB Kessing sah das ebenso: „Wenn ich auf das Auto verzichten kann, dann am Bahnhof.“

Auch die Umwandlung der Gartenstraße in eine Einbahnstraße oder eine Sackgasse gehörte zu den Ideen, die geäußert wurden. Kessing erklärte, dass am Ende der Gemeinderat entscheiden müsse, welche Anregungen aufgegriffen werden. Alle Anmerkungen seitens der Bürger würden festgehalten. Darüber hinaus könne man sich noch bis Monatsende zu den Entwürfen äußern, die auch auf der städtischen Internetseite unter „laufende Planverfahren“ zu finden sind.

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