Die Strecke vom Enzpavillon durch den Bürgergarten in Richtung Aldi in Bietigheim eignet sich perfekt für Spaziergänge und Radtouren. Das findet auch die FDP-Fraktion Bietigheim-Bissingen. Allerdings habe sie Bedenken, dass sich „der Begegnungsverkehr zwischen Fußgängern und Radfahrern in zunehmendem Maß problematisch gestaltet“. Durch einen Antrag an die Stadtverwaltung wollte die Fraktion folgende Fragen beantwortet bekommen: Hält die Verwaltung daran fest, dass der genannte Abschnitt sowohl für den innerstädtischen Radverkehr als auch für das Landesradnetz und den Enztalradweg in beiden Richtungen als Radweg ausgewiesen wird? Gibt es Überlegungen, die Radfahrer über das westliche Enzufer zu leiten? Bedarf es bei Elektrorollern neuer Überlegungen? Die FDP erhielt eine ausführliche Antwort der Stadt.

2,50 Meter breit

„Zufrieden bin ich damit nicht“, sagt Dr. Georg Mehrle, FDP-Stadtrat. Denn die Stadt macht zwar Hoffnung, doch in nächster Zeit wird sich an der Situation nichts ändern. Zur Einschätzung des Begegungsverkehrs teilt das Stadtentwicklungsamt in einem Schreiben mit, dass die Mindestbreite eines Geh- und Radwegs auf freier Strecke mit Radverkehr in beiden Richtungen 2,50 Meter beträgt – und das sei hier der Fall. „Die Verwaltung verkennt damit sowohl die berechtigten Klagen der Initiativgruppe Barrierefreie Stadt als auch die grundsätzlichen Probleme, die der Verteilungskampf um den knappen Platz auf innerstädtischen Straßen mittlerweile aufwirft“, findet Mehrle. „Aus verkehrlicher Sicht wäre eine Trennung des Fuß- und Radverkehrs im Hinblick auf beide Verkehrsteilnehmer wünschenswert“, führte Amtsleiterin Andrea Schwarz in der Gemeinderatssitzung aus, als der Antrag diskutiert wurde.

Zur zweiten Frage, der Ausweisung als Radweg, teilt das Amt mit, dass es ganz klar dagegen ist, den Bürgergarten nur für Fußgänger auszuweisen. Er soll auch für Radfahrer als Aufenthalts- und Erholungsfläche dienen. Überlegungen, den bestehenden Schotterweg entlang der Enz als Radweg auszuweisen, wurden bei verwaltungsinternen Diskussionen verworfen, da es Bedenken gegen eine Asphaltbefestigung des Weges gab wegen des Naturschutzes. Zudem würde der Weg dann über den Spielplatz führen.

Doch es gibt auch gute Nachrichten, denn mit dem ersten Netzentwurf des „RadNETZ BW“ von 2014 wurde die Route westlich der Enz vom Land ins „Zielnetz“ übernommen, weil die bestehende Streckenführung östlich der Enz auf der Wobachstraße zahlreiche Konfliktstellen (Aldi-Parkplatz, viele Fußgänger auf gemeinsamem Geh- und Radweg) enthält. Deswegen sollte die Alltags-Radroute westlich der Enz auf der Holzgartenstraße verlaufen. Die Route durch den Bürgergarten bleibt aber im Bestandsnetz. Im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans wurde die Route westlich der Enz ins städtische „Alltagsradverkehrsnetz Konzept“ aufgenommen. Das Konzept wurde dem Arbeitskreis Verkehr und der Öffentlichkeit vorgestellt. Von der Bürgerschaft gab es keine Änderungsvorschläge, die Trennung des Fuß- und Radverkehrs wurde mit hoher Priorisierung eingestuft, teilt Andrea Schwarz mit.

Die weitere Planung der Radroute westlich der Enz wird nun im Zuge der Verkehrsentwicklungsplanung angegangen. Folgende Maßnahmen sind angedacht: Ausbau des drei Meter breiten, gemeinsamen Geh- und Radwegs zum mindestens fünf Meter breiten, getrennten Geh- und Radweg und die Prüfung der Holzgartenstraße als Fahrradstraße (Kfz frei). Damit dürften hier auch E-Tretroller fahren. Denn der Bundesrat gibt vor, dass E-Tretroller Radwege nutzen müssen und auf Gehwegen und in Fußgängerzonen nicht zugelassen sind. Zu allgemeinen Situation ergänzt Schwarz: Im Rahmen der Masterplanung „Aufwertung Unteres Mettertal“ werde derzeit ein neuer Radweg zwischen der Holzgartenstraße und der Alten Enzbrücke geplant. „Immerhin gibt es bei der Verwaltung Überlegungen, wie man Abhilfe schaffen könnte“, fasst es Mehrle zusammen.