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Osmanen Germania
Stuttgart/Bietigheim-Bissingen / Bernd Winckler

Am sechsten Verhandlungstag in Stuttgart zeichnete sich in dem Großverfahren gegen einen 26-jährigen Mann aus Kornwestheim, der mutmaßlich zu der inzwischen verbotenen Rockergang Osmanen Germania BC angehören soll, ein Ende ab. Zu seiner Rolle anlässlich der Schüsse in der Nacht zum 1. März vorletzten Jahres auf das in Eglosheim fahrendes Auto eines Asperger Gastwirts, hat der Angeklagte zwar bislang vor Gericht keine erschöpfenden Angaben gemacht. Doch diesen Vorfall werden die Stuttgarter Richter laut einem am Montag verkündeten Beschluss nicht weiter verfolgen. Ebenso eingestellt hat das Gericht einen Kassendiebstahl im Ludwigsburger Marstallcenter. Viel wichtiger sei eine mögliche Verurteilung wegen riesiger Mengen von Rauschgift in Ludwigsburg – und wegen damit verbundener Geldwäsche, sowie wegen Besitz scharfer Waffen und verbotener Anabolika-Handel. Allein die Rauschgiftgeschäfte sollen den Angeklagten nach Meinung des Staatsanwalts zu einem äußerst vermögenden Mann gemacht haben.

Jetzt hat das Stuttgarter Landgericht im Prozess angekündigt, dass man zumindest einen Teil seines Vermögens, nämlich eingenommene Drogengelder in Höhe von einmal 40 000 Euro sowie 83 000 Euro und dazu noch 17 000 Euro, macht zusammen 140 000 Euro, einziehen werde. Auch sein 115 000 Euro teures Auto soll er nicht mehr zurück bekommen, wie es bereits in der Anklageschrift vermerkt ist. Nächste Woche will die 18. Strafkammer dazu ein Urteil fällen.

Permanenter Drogenkonsum

Doch nicht immer befand sich der 26-Jährige in der Rolle des Angeklagten. In der Nacht zum 6. Januar 2017 waren die Rollen vertauscht. Im sogenannten Machtkampf und Bandenkrieg zwischen den beiden verfeindeten Rockergruppen Osmanen Germania BC und der kurdischen Bahoz-Bewegung war er auf offener Straße in Bietigheim-Bisssingen in einen Schusswechsel geraten. Ein schwarz Gekleideter habe direkt auf ihn geschossen, aber nicht getroffen.

Schon damals hatte der heute 26-Jährige im Zeugenstand ausgeführt, dass die Kurden Ludwigsburg zu ihrer Rocker-Hauptstadt erklärt hätten. Seit diesem Schusswechsel, die Akteure sind inzwischen verurteilt, gehe es ihm psychisch sehr schlecht, sagt er heute. Dazu komme der permanente Drogenkonsum. Dazu will das Gericht noch eine Gutachterin vernehmen, um festzustellen, ob die Drogenabhängigkeit auch Auslöser der vorgeworfenen Straftaten sein kann.