Offene Jugendarbeit Angebot kommt bei der Jugend gut an

Das Team des Jugendhauses 4D zog Bilanz. Im Bild eine Veranstaltung mit der Band „I chose hell“ im März.
Das Team des Jugendhauses 4D zog Bilanz. Im Bild eine Veranstaltung mit der Band „I chose hell“ im März. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Walter Christ 08.11.2018

Der Bedarf von Jugendlichen an den Hilfen und Angeboten der Offenen Jugendarbeit ist größer denn je. Harald Finkbeiner und sein 20-köpfiges Team der Jugendförderung „Das Netz“ betreuen inzwischen hunderte von jungen Menschen, die insgesamt eine vielschichtige Bandbreite an Problemen, Beratungs- und anderen Wünschen haben, wie auch eine Fragebogenaktion (Jugendgipfel) zeigt. Aber die Betroffenen sind offenbar in guten Händen. In der jüngsten Sitzung des Jugendausschusses des Gemeinderats jedenfalls gab es von den Fraktionsvertretern rundum sattes Lob für die intensive und kompetente Arbeit von Finkbeiner und seiner Mannschaft.

Laut Jahresbericht gehört zu den Herausforderungen zum einen die inzwischen dauerhafte Personalfluktuation und das wichtige „Einlernen“ der Neuen, wenn man auf einem umkämpften Personalmarkt Nachfolge überhaupt gefunden hat. Zum anderen fehlt es an Schulen hier und dort an geeigneten Räumen für die Sozialarbeit.

Räume, die inzwischen mehr als nur eine Anlaufstelle seien, sondern wichtige Begegnungsstätten. „Oft bieten das Büro der Schulsozialarbeit oder die Toiletten der Schule die einzige Rückzugsmöglichkeit für Kinder und Jugendliche an der Schule“, wie Finkbeiner mitteilte. Apropos Toiletten: Laut den Schülern gibt es da erheblichen Sanierungsbedarf.

Die klassischen Problemfelder, mit denen die Sozialkräfte tagtäglich in einer „hochkomplexen Gemengelage und mit unterschiedlichen Milieus“ konfrontiert werden, reichen nach wie vor von Gewalt und sexueller Gewalt in Familien, Drogenmissbrauch und -Abhängigkeit, psychischen Störungen und fehlenden Schul- und Ausbildungsplätzen über Straffälligkeiten, Arbeitslosigkeit, Bedrohungen, Beleidigungen, Ängste bis hin zu pubertätsspezifischen Problemen und einer Fülle weiterer Aufgabenfelder.

Besucherstarke Saison

„Das Netz“ begegnet diesen Anforderungen unter anderem mit mobiler Jugendarbeit, Streetworkern, Einzelfallhilfe, Angeboten für Cliquen, Jugendhaus 4D, Stadtteiltreffs und attraktiven Mitmach-Angeboten, die von Boxen bis zur Musikwerkstatt und Ausfahrten reichen. Insbesondere die Schulsozialarbeit hat dabei wesentliche Relevanz.

Weil die personalintensiven Leistungs- und Koordinationsanforderungen hier deutlich angestiegen sind, wurde die Schaffung einer Fachbereichsleitungsstelle für die Schulsozialarbeit angeregt und nicht-öffentlich vorberaten. Eine Entscheidung darüber soll in der Sitzung des Stiftungsrats der Stiftung zur Förderung von Sozialeinrichtungen am 13. November fallen.

All die genannten Angebote werden von Kindern und Jugendlichen in der Stadt stark angenommen. Im Jugendhaus 4D beispielsweise gab es laut Finkbeiner „eine außergewöhnlich besucherstarke Saison mit teilweise bis zu 200 Besuchern pro Tag“, womit die Belastungsgrenze in den Wintermonaten erreicht gewesen sei.

Geschlechtsneutrale Toiletten?

Interessante Ergebnisse brachte schließlich eine Umfrage unter den Kindern und Jugendlichen mit 1102 ausgefüllten Fragebögen und 365 Beiträgen. Dabei gab es zur Freude von Harald Finkbeiner sowie SVS-Chef und SPD-Stadtrat Günter Krähling allen voran für den Sport in der Stadt positive Resonanzen.

Auf der Liste der Wünsche nach Treffpunkten, Dirtpark, freiem WLAN und anderem mehr tauchte auch die Bitte „von sich immer mehr Outenden“ nach „genderneutralen Toiletten“ auf. Gemeint sind zusätzlich zu Mädchen- und Buben-Klos an Schulen auch geschlechtsneutrale Toiletten. „Ein Thema, das uns in der Tat in Zukunft beschäftigen wird“, wie Sitzungsleiter Bürgermeister Joachim Kölz bestätigte.

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