Von Marketing verstand man auch schon vor 100 Jahren etwas, als es das Wort selbst noch gar nicht gab. Als „erstes Haus am Ort“ bezeichnete der damalige Besitzer des Hotels Krone-Post, August Adler, auf einer Postkarte von 1910 sein Gasthaus. Er warb ferner damit, dass es nur 15 Minuten zum Bahnhof seien.

Die Werbung hatte aber durchaus einen berechtigten Hintergrund: Adler hatte 1907 an der Krone einen großen Saal anbauen lassen, mit Theaterbühne und elektrischem Licht. Das Gasthaus wurde dadurch zum „Kulturzentrum“ des damaligen Bietigheim, stellt Sonja Eisele vom Stadtarchiv in der jüngsten Ausgabe der Blätter zur Stadtgeschichte fest. „Hier fand jahrzehntelang das gesamte Bietigheimer Kulturleben statt: von den Weihnachtsfeiern der Vereine mit Laientheaterstücken über Tanzveranstaltungen, Konzert, Ausstellungen bis hin zu politischen Veranstaltungen.“

1825 auf andere Seite verlegt

Die Gastwirtschaft konnte damals bereits auf eine jahrhundertealte Tradition in Bietigheim zurückblicken. „Gemeinsam mit dem ebenfalls in der Vorstadt vor dem Unteren Tor gelegenen Gasthof zum Schwarzen Adler hatte die Krone seit dem 15. Jahrhundert Durchreisenden Mahlzeiten und Unterkunft geboten“, schreibt Sonja Eisele.

Allerdings befand sich die alte Krone auf der anderen Straßenseite. 1825 wurde sie auf die gegenüberliegende Seite verlegt, wo das stattliche Gebäude errichtet wurde, das auch auf alten Postkartenansichten zu sehen ist. Die alte Krone wurde abgebrochen, der Holzhändler Friedrich Leo errichtete dort ein neues Haus, in dem sich heute das Schuhhaus Matter befindet.

Laut Sonja Eisele wurde im Jahr 1874 die Poststelle der Königlich Württembergischen Staatspost vom Marktplatz in zwei Erdgeschossräume der Krone verlegt. Von dort aus fuhren Postwagen zum Bahnhof und zurück. Später griff Gastwirt Adler diese Funktion auf und nannte das Haus Hotel Krone-Post.

Das Ende des historischen Gasthauses kam ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Hotel sei zur Bierbar, dann zur Gastwirtschaft für griechische Gastarbeiter geworden, so Eisele. Ende der 60er-Jahre kam das Anwesen an die Stadt Bietigheim, kurze Zeit später, im Jahr 1972 wurde die Krone abgerissen. An ihrer Stelle entstand das Kronenzentrum als neuer Mittelpunkt des städtischen Kulturlebens.