Der Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris hat nicht nur die Franzosen geschockt. Das Entsetzen über die Schäden an dem Weltkulturerbe ist weltweit groß. Wie der Blick in die Stadtgeschichte zeigt, mussten im 18. Jahrhundert auch die Bietigheimer um ihre Stadtkirche kämpfen.

Ein Feuer, das am 2. Dezember 1721 ausbrach, gilt als der größte Brand des 18. Jahrhunderts in Bietigheim. Es entstand abends gegen 9 Uhr im sogenannten Stadtbau, der sich dort befand, wo heute die Städtische Galerie ihr Domizil hat. Als Ursache wurde Brandstiftung vermutet. Die Feuersbrunst habe gleich viel Nahrung gefunden, weil im Hof frisch gedroschenes Stroh lag, beschreibt Stefan Benning im Buch „Bietigheim 789 – 1989“ den Ausbruch des Feuers. Der von starkem Westwind angefachte Brand habe sich explosionsartig ausgebreitet. In wenigen Stunden fielen 19 Häuser und 9 Scheuern zwischen oberer Hauptstraße und Schwätzgässle den Flammen zum Opfer.

Selbst die Pfarrgasse habe keine unüberwindbare Feuergasse gebildet, so Benning. Die Häuser östlich davon erlitten ebenfalls erhebliche Schäden, wenngleich es gelungen sei, mit Hilfe der inzwischen aus Besigheim eingetroffenen Feuerspritze den Brand einzudämmen. Auch nördlich der Pfarrgasse brannten Häuser.

Und schließlich wurde auch das Gotteshaus von der Feuersbrunst bedroht. Funken sprangen auf die Kirchturmhaube über, die Feuer fing. Sie brannte binnen Kurzem lichterloh, schildert Benning. Die vier Glocken schmolzen, wobei das glühende Erz den Turm herunterlief. Von der Haube erreichte das Feuer das Dach und fraß sich weiter in zwei Aufbauten auf der Sakristei. Erst dann sei es gelungen, den Feuersturm zum Stehen zu bringen, schreibt Benning.

Metzger wird verdächtigt

Der entstandene Schaden war hart für die Bewohner der betroffenen Häuser wie für die Kirchengemeinde. Neben der Turmhaube, dem Kirchendach und den Glocken war auch die Orgel zerstört worden, zwei Kirchengebäude – Pfarrhaus und Diakonat – waren abgebrannt. Eine Landeskollekte wurde für die Gemeinde abgehalten. Noch 1722 machte sich die Kirchengemeinde an den Wiederaufbau, so Stefan Benning. Bis alle Schäden repariert waren, habe es aber Jahre gedauert. Noch 1744 seien die Kirchturmhaube und das Kirchendach immer noch nicht vollständig instandgesetzt gewesen.

Noch an Heiligabend des Brand-Jahres wurde der vermeintliche Brandstifter gefasst, als ein weiteres Gebäude, eine Scheune, in der Stadt brannte. Der Metzger Christoph Simon Imlin wurde verdächtigt. Allerdings reichten die Indizien vor dem Tübinger Landgericht für eine Verurteilung nicht aus, Imlin saß aber für andere Vergehen beinahe ein Jahr im Kerker.

Das Feuer von 1721 war bei Weitem nicht das einzige in der Stadtgeschichte. Verheerende Brände in der Altstadt sind unter anderem aus den Jahren 1831, 1870, 1883 und 1921 überliefert.