Greta Thunberg, die schwedische Klimaaktivistin, ist nicht die einzige, die sich Sorgen um die Entwicklung des Weltklimas macht. Weil der Klimawandel momentan das brennende Thema ist, haben es sich auch die Bietigheim-Bissinger Akademietage diesen Herbst auf die Fahnen geschrieben und laden zu einer Vortragsreihe mit dem Motto „Klimakatastrophe – Können wir sie noch verhindern?“ mit hochrangigen Dozenten ein. Viele Aspekte der Energiewende werden in den sieben Vorträgen behandelt und mit dem Publikum diskutiert.

Um in das Thema der Vortragsreihe einzuführen, gibt es am 21. Oktober einen Auftaktveranstaltung mit Dr. Franz Alt. Der Journalist packt das Thema positiv an und wird darstellen, warum „die Energiewende uns zu Gewinnern macht“, so das Thema seines Vortrags. „Eine gute Zukunft werden wir nur haben, wenn wir endlich aufhören, den Planeten zu ruinieren“, so Franz Alt, dem aber nichts ferner liegt, als ein Horrorszenario der Zukunft der Welt zu verbreiten, sondern zeigen will, wie es möglich ist, die Erde für die nachfolgenden Generationen lebenswert zu erhalten. Die Auftaktveranstaltung ist als Anregung für die Akademietage am 5. und 6. November anzusehen.

Die eigentlichen Akademietage beginnen dann am Dienstag, 6. November. Verschiedene Redner, allesamt versierte Wissenschaftler, werden sich des Themas von verschiedenen Seiten her annähern. Dem Klimawandel aus geowissenschaftlicher Sicht nähert sich Prof. Dr. Gerald Haug, Geologieprofessor an der Universität Karlsruhe. Er beschäftigt sich mit der zentralen frage, inwieweit die Klima-Prozesse durch den menschengemachten Klimawandel revidiert werden können.

Auf der Pariser Klimakonferenz wurde 2015 festgelegt, dass die globale Erwärmung auf 2 Grad begrenzt werden soll. Prof. Dr. Hermann Held, Physikdozent an der Universität München, will in seinem Vortrag beleuchten, auf welcher Basis das 2-Grad-Ziel formuliert wurde, inwieweit ein Grad mehr oder weniger eine Rolle spielen  und welche Kosten eine Reduzierung bedeuten würde. Er geht auch auf die Forderung der „Fridays For Future“-Bewegung ein.

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt ist ein ausgewiesener Energieexperte. Er kommt in seinem Vortrag zu einem beunruhigenden Ergebnis: „Die deutsche Energiewende ist ein sich anbahnendes Desaster“ mit hohen Strompreisen, Millionen Subventionen, massiver Eingriff zu Lasten des Natur- und Artenschutzes durch Windkraftanlagen, Biogas und Biosprit. Als Wissenschaftler hat sich der Chemiker kritisch mit Klimamodellen auseinandergesetzt. Der Vortrag geht auf die andere Seite der Medaille Klimaschutz ein.

Rolle des Wasserstoffs

Am Mittwoch, 7. November, geht es weiter mit einem Vortrag von Dr. Ulrich Bünger. Der Ingenieur, der Systemanalytiker bei der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik, wird darstellen, welche Rolle dem Wasserstoff als Hauptenergieträger zukommen könnte. Bünger stellt die wichtigsten Optionen und den Entwicklungsstand vor. Bünger hat sich insbesondere mit der Wasserstoffspeicherung bei Fahrzeugen beschäftigt.

Kluge Energiewende

Dass die Energiewende keinesfalls zu teuer ist, sagt Prof. Dr. Claudia Kemfert in ihrem Vortrag. Die Wirtschaftsexpertin leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung in Berlin. Sie ist im Sachverständigenrat für Umweltfragen. Kemfert wird die Wirtschaftlichkeit einer klugen Energiewende untersuchen und die wirtschaftlichen Chancen unterstreichen.

Die Akademietage 2019 werden beendet durch den Abschlussvortrag von Dr. Gert Rosenkranz.  Der Journalist, bis zu seinem Ruhestand Leiter der Abteilung Politik und Presse der Deutschen Umwelthilfe,  spricht über „Stand und Perspektiven der Energiewende“. Rosenkranz hat die Theorie, dass die Energiewende eine tragende Säule für die Wirtschaft sein könnte, wenn es um die „zukunftsfeste Modernisierung des Industriestandorts“ gehe, so der  Journalist. Seine Befürchtung ist, dass die Energiewende im „Getriebe vielfältiger Einzelinteressen versandet“.

Der Klimawandel sei nicht mehr länger eine künftige Bedrohung, so Gert Rosenkranz, sondern aktuelle Realität.

Die Akademietage Bietigheim-Bissingen


Die Akademietage sind eine Initiative der Stadt Bietigheim-Bissingen, dem Dachverband für Seniorenarbeit Bietigheim-Bissingen und der Schiller-Volkshochschule (VHS) des Landkreises Ludwigsburg in Zusammenarbeit mit der Bietigheimer Zeitung.

Die Vortragsreihe „Klimakatastrophe – Können wir sie noch verhindern“ der 13. Akademietage beginnt mit einer Auftaktveranstaltung mit Dr. Franz Alt mit dem Thema „Die Energiewende macht uns zu Gewinnern“ am Montag, 21. Oktober, 19 Uhr, im Kronenzentrum. Franz Alt hat Politik, Theologie, Geschichte und Philosophie studiert und über Konrad Adenauer promoviert. Von 1972 bis 1992 leitete er das Politmagazin „Report“ und danach weitere Sendungen. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, sein letztes heißt „Lust auf Zukunft – Wie unsere Gesellschaft die Wende schaffen wird“.

Am Dienstag, 5. November, beginnt um 8.30 Uhr die eigentliche Vortragsreihe. Um 9 Uhr spricht Prof. Dr. Gerald H. Haug zum Thema „Klimawandel aus geowissenschaftlicher Sicht“. Um 11.15 Uhr ist das Thema „Das 2-Grad--Ziel und seine klimapolitischen Herausforderungen“ mit Prof. Dr. Hermann Held. Um 14.15 Uhr hält Prof. Dr. Fritz Vahrenholt den Vortrag „Klimaschutz und Energiewende – Dichtung und Wahrheit“.

Am Mittwoch, 6. November, geht die Reihe um 9 Uhr weiter mit Dr. Ulrich Bünger und „Sektorenkopplung – der Beitrag von Wasserstoff zum Gelingen der Energiewende“. Um 11.15 meint Prof. Dr. Claudia Kemfert „Nein, die Energiewende ist nicht zu teuer“. Um 14.15 Uhr beendet Dr. Gert Rosenkranz die Vortragsreihe mit „Stand und Perspektiven der Energiewende“.

Alle Vorträge finden im Kronenzentrum Bietigheim statt, im Anschluss gibt es immer Zeit für Fragen und eine Diskussion. Die Veranstaltungsreihe endet jeweils um 16.30 Uhr. Der Eintritt zu der Auftaktveranstaltung ist frei. Eine Anmeldung, ausgenommen für die Auftaktveranstaltung am 21. Oktober, ist erforderlich unter der Kursnummer 19B058106 bei der Schiller-VHS, Telefon (07141) 1 44 26 66, per Mail an info@schiller-vhs.de und online. Die Gebühr für beide Tage beträgt 50 Euro, ermäßigt 40 Euro. sz

www.schiller-vhs.de