Ein blaues Schild mit einem weißen Rollstuhl drauf, dazu ein gültiger Parkausweis für Behinderte - beides ergibt eigentlich eine Möglichkeit für mobilitätseingeschränkte Menschen, mit einem Auto auf bestimmten Plätzen kostenlos zu parken. Dachte auch eine Leserin der Bietigheimer Zeitung, die regelmäßig eine Arztpraxis auf dem Gelände des Bietigheimer Krankenhauses aufsucht. Bis sie Ende März nach ihrer Rückkehr einen Strafzettel an ihrem Auto vorfand. 15 Euro sollte sie an die HIB Parkraum Nürtingen GmbH zahlen, die seit Anfang Februar für die sogenannte Parkraumbewirtschaftung rund ums Krankenhaus - und das neue Parkhaus - zuständig ist. Denn auch die Behindertenparkplätze seien kostenpflichtig, wurde ihr mitgeteilt - allein: Sie konnte das gar nicht erkennen.

Denn erst im Lauf des Montags hat die HIB entsprechende Schilder an besagtem Parkplatz und ebenso an den beiden an der Auffahrt zum Haupteingang der Klinik angebracht. "Nachgeholt", wie einer der Geschäftsführer sagt. Man sei davon ausgegangen, dass die Kunden hätten erkennen können, dass die Behindertenparkplätze nun zur Parkraumbewirtschaftungszone gehören und deshalb kostenpflichtig sind, so Thomas Veith. Einer Handvoll Menschen sei es ähnlich ergangen wie der Leserin, sie hätten ebenfalls einen Strafzettel bekommen - der dann aber storniert worden sei. "Auch für uns ist es nicht schön, wenn wir Strafzettel ausstellen müssen." Aber man habe nun alles "repariert".

Doch warum sind die Behindertenparkplätze nun kostenpflichtig, gerade in Krankenhausnähe? Das sei heutzutage auf von privaten Unternehmen betriebenen Flächen so üblich, erklärt Veith. Als Beispiel führt er den Stuttgarter Flughafen an, auch dort könnten Behinderte nicht kostenlos parken. Schließlich sei allgemein nicht vermittelbar, warum manche Menschen in bevorzugter Lage in Eingangsnähe parken dürften und dann auch noch dafür nichts zahlen müssten.

Bei der Leserin stößt das auf Unverständnis. Sie wird künftig aber versuchen, auf einen der Plätze zu kommen, auf denen man mit Parkscheibe bis zu sechs Stunden stehen kann, oder auf die noch verbliebenen zwei Behindertenparkplätze in der Uhlandstraße in der Nähe der St. Laurentius-Kirche - zuständig ist hier die Stadt - auch wenn gerade diese beiden oft belegt seien.

Kritik gibt es auch vom Sozialverband VdK. "Wir stellen fest, dass der öffentliche Parkraum immer knapper wird und immer mehr privat bewirtschaftet wird", sagt Stefan Pfeil. "Das ist eine Entwicklung, die sehr negativ ist, da geht einiges fehl." Viele Kommunen, die die Plätze früher kostenfrei angeboten haben, hätten irgendwann angefangen, sich aus der Verantwortung zu nehmen und private Unternehmen beauftragt. Und die würden allgemein nicht verpflichtet werden, Behindertenparkplätze kostenlos zur Verfügung zu stellen oder zumindest einen Sozialtarif anzubieten. Möglich wäre das nur, wenn es im Vertrag zwischen der Stadt oder der öffentlichen Einrichtung und dem Parkraumbetreiber explizit vereinbart sei. Doch da verweist auch die Klinken-Holding auf HIB.

Parkplätze am Krankenhaus

Änderung Seit Anfang Februar gilt rund um das Krankenhaus unter anderem das Bewohnerparken, zudem werden Flächen von der HIB betrieben. Hintergrund war die Neueröffnung des Parkhauses und der Parkdruck in dem Gebiet. Der habe sich nun Richtung Obi verlagert, so die Stadt. Man werde das aber weiter beobachten.

Zahlen Laut einem städtischen Plan gibt es 215 Plätze für Bewohner, 222 mit Parkscheibenregelung bis zu sechs Stunden Parkdauer und 67 bewirtschaftete Plätze von HIB. Dazu gibt es drei städtische Behindertenparkplätze, von HIB fünf auf dem Klinikgelände und drei im Parkhaus.