Reformations-Gottesdienst „Wir sind das Salz der Erde“

Nahezu 500 evangelische Christen nahmen an dem Gottesdienst auf dem Marktplatz teil.
Nahezu 500 evangelische Christen nahmen an dem Gottesdienst auf dem Marktplatz teil. © Foto: Martin Kalb
Günther Jungnickl 17.07.2017

Es war ein  schöner sonniger Sonntag und deshalb versammelten sich auch besonders viele Gläubige an diesem Morgen   unter den Marktplatz-Platanen.

Nahezu 500 evangelischen Christen, aus  durchaus unterschiedlichen Kirchengemeinden der Stadt, feierten damit den Lutherschen Thesenanschlag von Wittemberg vor 500 Jahren, indem sie gemeinsam ihre „Einheit in Vielfalt“ beschworen. Zum Höhepunkt der Veranstaltung wurde die Verteilung von Salz aus Salzstreuern an alle Besucher und die öffentlichen Bekenntnisse von sechs evangelischen Gemeindemitgliedern von der zentralen Bühne herab: „Warum wir das Salz der Erde sind.“

Viele Mitwirkende

Mitwirkende waren alle drei Kirchengemeinden von Bietigheim und Bissingen und dazu noch die von  Metterzimmern, die Süddeutsche Gemeinschaft Bietigheim, die Methodisten, die Baptisten sowie  die Volksmission. Auch alle evangelischen  Posaunenchöre der Stadt hatten sich zusammengefunden und intonierten gemeinsam unter der Leitung des jungen Dirigenten Matthias Böhler so bekannte Kirchenlieder wie „Danke für diesen guten Morgen“  und „Aus Gottes guten Händen“.

 Pfarrerin Christa Epple-Franke (Pauluskirche)  verdeutlichte, warum Luther so wichtig war für die Verbreitung des Glaubens, indem er die Bibel ins Deutsche übersetzte. Damit auch jeder, der des Lesens mächtig war, sich seine eigenen Gedanken zum Text machen konnte und nicht nur auf die Interpretationen einer geistlichen Elite angewiesen war. Und sie stellte auch den Bezug zu Bietigheims Geschichte her, denn hier war es Sebastian Hornmold, der im Auftrag von Herzog Ulrich von Württemberg die Thesen Luthers unter das Volk brachte.

 Wie vielfältig sich danach die reformatorischen „Zweige“ der evangelischen Kirche   in den Jahrhunderten danach entwickelten, wurde in vier Szenen von Laiendarstellern verdeutlicht. Natürlich tauchte dabei Sebastian Hornmold samt Tochter Hanna im 16. Jahrhundert genauso auf, wie etwa John Wesley, der Gründervater der Methodisten oder im 19. Jahrhundert Johann Oncken, der in Hamburg die Baptisten bekannt machte.

Eine Demonstration von „Einheit in Vielfalt“ des evangelischen Christentums, dessen Kernbotschaft allerdings immer gleich geblieben sei.

 Die ebenso kurze wie prägnante Predigt von  Stadtpfarrer Bernhard Ritter hatte gerade das zum Inhalt. Aber Ritter machte auch deutlich, das bei aller Dankbarkeit gegenüber der Leistung des Reformators nur eines gelte: „In der Mitte unseres Glaubens steht nicht Martin Luther, sondern Jesus Christus.“

Abendmahl als vielfältige Einheit

Bei aller Unterschiedlichkeit der Kirchengemeinden sei darin die „vielfältige Einheit“ zu sehen - im gemeinsamen Abendmahl. Und dabei wollte er auch die katholischen Christen einbezogen wissen: „Aber Ökumene ist kein Einheitsbrei.“ Alle Christen vereine der Gedanke, eine Gemeinschaft der Hoffnung zu sein: Das Salz der Erde.

 Und um das zu verdeutlichen, wurde auch die Salzaktion unter Leitung von Pfarrer Stephan Seiler-Thies zu einer besonders eindrucksvollen Symbolik. Das „weiße Gold“ sei nämlich nicht nur 250 Millionen Jahre alt, sondern auch strahlend weiß und trotzdem transparent und jedes Körnchen ganz unterschiedlich und doch von intensivem Geschmack. „Ohne dieses Salz könnten wir nicht existieren, es ist die Würze des Lebens auf dieser Welt“, sagte Stephan Seiler-Thies.