Bietigheim-Bissingen "Wir lesen intensiv": Startschuss für die kreative Freiheit

Bietigheim-Bissingen / MICHAEL KRAUTH 13.01.2015
Mit einem Auftakt-Treffen fiel am Montag der Startschuss für das Kooperationsprojekt "Wir lesen intensiv" zwischen der BZ und Schulen in der Region. Hunderte von Schülern beteiligen sich an der Aktion.

Ein neues Konzert der hauseigenen Schüler-Band, die Betriebsabläufe bei einem Energieversorger oder die aufwendige Pflege von Weinbergmauern - der Kreativität der jungen Teilnehmer des Kooperationsprojekts "Wir lesen intensiv" sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Hunderte von Schülern machen sich ab sofort wieder mit Kugelschreiber, Block und Computer zunächst an die Recherche und dann an die Produktion eigener Zeitungsartikel für die Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung. Am Montag fiel der Startschuss.

Neben zahlreichen Lehrern aus verschiedenen Schulen der Region waren auch Vertreter der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) und des Schuh-Herstellers Sioux aus Walheim ins Verlagshaus gekommen. Die beiden Unternehmen sind Sponsor des Zeitungsprojekts. Dieses hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, bei Schülern die Lust an der täglichen Zeitungslektüre sowie an der Zeitungsproduktion zu wecken. Von Chefredakteur Andreas Lukesch, Kulturredakteurin Gabriele Szczegulski und Marketingleiter Volker Hug wurden die teilnehmenden Pädagogen darüber informiert, in welcher Form in den kommenden Monaten Zeitungsartikel produziert und veröffentlicht werden.

Lukesch wies unter anderem darauf hin, dass die lokale Tageszeitung ein Alleinstellungsmerkmal von großem Interesse zu bieten habe. Denn die Redakteure vor Ort berichteten aus dem "unmittelbaren Lebensumfeld" der Menschen in der Region. Er sei deshalb sehr gespannt darauf, welche Themen und Artikel die jungen Teilnehmer aus ihrem schulischen Leben zur Zeitung beisteuern würden.

Die Resonanz von Seiten der Lehrer war zum Auftakt des Projekts durchweg positiv. So sagte etwa Mario Glanzmann vom Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium, dass es aus seiner Sicht sehr wertvoll sei, dass Schüler durch die Aktion "über die Schulbücher hinaus etwas über Journalismus erfahren". Durch die Möglichkeit, zusätzlich zur eigenen Recherche und Produktion von Texten auch einen Redakteursbesuch für den Unterricht zu buchen, werde das Thema Zeitung " für die Schüler relevant und authentisch erlebbar".

Katharina Pott ist Deutsch- und Musik-Lehrerin an den Ellental-Gymnasien in Bietigheim-Bissingen. Sie erinnerte sich mit Blick auf das BZ-Projekt auch an ihre eigene Schulzeit. Schon damals habe es Kooperationen zwischen ihrer damaligen Schule und einer Lokalzeitung gegeben - was einen spannenden Unterrichtstoff nach sich zog. "Ich finde es toll, dass es einen Redakteursbesuch gibt und für die Jugendlichen auch eine Führung durch das Verlagshaus angeboten wird", so Pott. Dass die Texte der Schüler in der Zeitung sowie im Internet veröffentlicht würden, sei für diese "ein echtes Erfolgserlebnis". Auch Ingrid Stracke-Bühler von der Realschule im Aurain sagte, dass der "außerschulische" Impuls des Projekts sicher gut bei ihren Schülern ankommen werde.

Von einer "Win-Win-Situation" für alle Seiten sprachen Ute Grothe, Sprecherin der Stadtwerke, und Reiner Pfeiffer, Marketingleiter bei Sioux. Laut Grothe sei es in den vergangenen Jahren sogar gelungen, über das Zeitungsprojekt eine künftige Auszubildende gewinnen zu können. Und Pfeiffer hatte mit Marius Hetterich und Franziska Gruber gleich selbst zwei Auszubildende zu dem Treffen mitgebracht. Sie sind bei Sioux nun Ansprechpartner für die Schüler.

Ein Kommentar von Andreas Lukesch: Jugendliche und Zeitung

Das Zeitungsprojekt der BZ ist ein Erfolgsmodell, seit Jahren. Einst hieß es "Zisch", heute "Wir lesen" - aber vom Grundsatz hat sich wenig geändert. Jugendliche nähern sich der Zeitung, kritisch, aber auch voller Neugier. Junge Menschen und Zeitung, das passt auch im Zeitalter allumfassender Smartphone-Kommunikation zusammen. Ob online oder gedruckt - die Beiträge der Tageszeitungen genießen bei der jüngeren Generation nach wie vor höchstes Ansehen, wenn es um Verlässlichkeit, Seriosität und Einordnung geht. Die Mehrzahl der Jugendlichen ist interessiert und gut informiert, kennt sich aus im Tagesgeschehen. Ihr Wissen beziehen sie oft von den Nachrichtenportalen der Tageszeitungen. Beim Schulprojekt "Wir lesen" lernen sie aber nicht nur eine Informationsquelle kennen, sondern einen wichtigen Baustein einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Das ist wichtig, gerade in Zeiten wie diesen.