Soziales „Wir kommen, wenn es brennt“

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 12.10.2018

Mit einer Jubiläumsfeier in Remseck-Hochdorf würdigte die Evangelische Jugendhilfe Hochdorf am Donnerstag das 20-jährige Bestehen ihrer „Flexiblen Hilfen“. Ihre Wurzeln haben diese in Bietigheim: Die erste Dienststelle wurde 1998 am Kronenplatz bezogen.

In Bietigheim haben die „Flexiblen Hilfen“ immer noch ihren Standort, allerdings sind sie inzwischen aus Platzmangel vom Kronenplatz 2 an den Kronenplatz 3 umgezogen. Und aufgrund steigenden Bedarfs sind weitere Standorte hinzugekommen: Neben Bietigheim-Bissingen gibt es Dienststellen in Ludwigsburg, Sachsenheim und Großbottwar. Von anfangs zwei Mitarbeiterinnen wuchs die Belegschaft auf nun 30 sozialpädagogische Fachkräfte.

Nach den Worten von Claudia Obele, der Vorstandsvorsitzenden der Jugendhilfe Hochdorf, werden die Mitarbeiter der „Flexiblen Hilfen“ dann aktiv, wenn Familien durch äußere oder innere Belastungen in schwierige Situationen kommen und die Sorgen und Nöte ihrer Kinder nicht mehr gelöst werden können. Sei es durch psychische Probleme, Trennung oder Scheidung der Eltern. „Wir schauen, wo der Hase im Pfeffer liegt“, sagt Obele. Gerufen werden sie in der Regel vom Kreisjugendamt, das auch die Kosten trägt.

Für rund 150 Familien

Während früher Kinder oft aus Familien mit Problemen herausgenommen wurden, sei es das Ziel der „Flexiblen Hilfen“, dass sie zuhause bleiben können. Derzeit werden in allen Dienststellen rund 150 Familien betreut. Eine Wohngruppe für Kinder habe aufgelöst werden können, berichtet Claudia Obele. „Diese Art der Unterstützung ist sehr effektiv.“

Flexibel nennt sich die soziale Einrichtung deshalb, weil über Umfang, Zeit, Ort und Inhalt der Unterstützung je nach Fall entschieden und das jeweilige Vorgehen den Entwicklungen in der Familie angepasst wird. Neben der Jugendhilfe Hochdorf gibt es im Kreis noch weitere Anbieter.

„Wir kommen, wenn es brennt“, beschreibt Mitarbeiterin Claudia Schulz-Kroll ihre Tätigkeit. Im Durchschnitt werden Familien über zwei Jahre betreut, einige auch wesentlich kürzer. Es komme auch auf die Größe der Familie und deren Mitwirkungsbereitschaft an. Die Helfer nehmen bis zu drei Termine pro Woche in einer Familie wahr. Wenn sich die Familien selbst beim Jugendamt meldeten und Hilfe suchten, was die große Mehrzahl der Fälle ausmache, sei es leichter, wenn das Jugendamt von sich aus aktiv werde, schwerer. Dann müssten sie manchmal auch zu zweit hin, so Schulz-Kroll.

Die betreuten Familien kommen nach der Erfahrung von Sozialarbeiterin Annika Ekenja aus allen sozialen Schichten. Etwa drei Viertel seien Deutsche. Sie und ihre Kollegen betreuen jeweils 8 bis 12 Familien.

Um zu helfen, werde auch geschaut, welche weitere Unterstützung die Familien benötigen, etwa durch Arzt oder Therapeut. Auch in die Schulen gehen die Familienhelfer unter Umständen. Andrea Braun, Mitarbeiterin „der ersten Stunde“ in Bietigheim, bringt ihre Arbeit so auf den Punkt: „Die Helfer sollen sich überflüssig machen.“

Info Die Evangelische Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg ist ein gemeinnütziger Verein. Mit circa 100 Mitarbeitern hält er an vielen Orten im Landkreis Ludwigsburg sozialpädagogische Angebote und Hilfen bereit.

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