Eine grassierende Impfmüdigkeit hat beispielsweise bei Masern zu einer Renaissance dieser Kinderkrankheit geführt. Auch bei einer Veranstaltung des Kreis-Gesundheitsamts am Mittwoch im Berufsschulzentrum in Bietigheim-Bissingen vor rund 200 Schüler spielte in der Fragerunde die Angst vor möglichen schlimmen Nebenwirkungen eine Rolle. Experten versuchten diese Befürchtungen indes zu entkräften. Schwere Nebenwirkungen seien höchst selten und stünden vor allem in keinem Verhältnis zu den Vorteilen des Impfens, so lautete der Tenor.

Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer Aktion, die bis April/Mai nächsten Jahres geht. Als Experten informierten der Arzt Dr. Oliver Harney über Impfungen vor Reisen, die Ärztin Birgit Wohland-Braun vom Krebsverband Baden-Württemberg  über Krebsprävention durch Impfung. Dr. Christiane Müller ging auf Kinderkrankheiten als unterschätzte Gefahr für junge Erwachsene ein, und Dr. Rainer Oehme befasste sich mit Zecken und Zeckenimpfung.

Sammeln von Impfdaten

Wie Dr. Uschi Traub vom Kreis-Gesundheitsamt erläuterte, ist es das Ziel des Projekts,  die Jugendlichen durch Aufklärung dazu zu bewegen, ihren Impfschutz zu verbessern. „Wir können das Buch der Impfkrankheiten immer noch nicht zumachen“, sagte Traub und verdeutlichte dies an Beispielen.

Aufsehen erregte etwa der Fall des jungen Max aus Sersheim, der 2014 im Alter von nur 19 Jahren an den Folgen einer  Masernerkrankung starb. Er hatte sich als Baby infiziert (die BZ berichtete). Inzwischen sei Deutschland einer der Hauptexporteure von Masern, warnte Traub.

Sie hofft, die Berufsschüler als „die Eltern von morgen“ für das Thema zu sensibilisieren. Wer sich impfen lasse, schütze sich persönlich, nehme aber zugleich auch „eine soziale Verantwortung gegenüber anderen Leuten wahr“. Abschreckende Bilder von Kranken, die von Keuchhusten, Windpocken oder anderen Krankheiten heimgesucht wurden, die man durch eine Impfung verhindern kann, sollten die Botschaft unterstreichen.

Neben der Auftaktveranstaltung wurde bereits eine Fragebogenaktion gestartet. Letztere wurden in Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt erstellt. Die Bögen wurden von den Lehrern in rund 20 Klassen des Gymnasialzugs und der Berufsschulen verteilt. 386 ausgefüllte Bögen kamen zurück. Mitarbeiter des Gesundheitsamts überprüften die Impfausweise der Schüler.

Von August bis Oktober sollen die Daten im Gesundheitsdezernat des Kreises eingegeben und ausgewertet werden. Weiterhin ist im Herbst eine Plakataktion an der Berufsschule geplant, und es gibt eine weitere Befragung. Anfang 2018 sollen erneut die Impf­ausweise der Schüler inspiziert werden, um zu sehen, was es gebracht hat. Die Ergebnisse werden dann im April oder Mai bei einer Abschlussveranstaltung präsentiert. Eventuell werde die Aktion – die zuvor schon 2015/16 am Berufschulzentrum am Römerhügel in Ludwigsburg stattfand – dann auch auf andere weiterführende Schulen im Landkreis ausgedehnt, sagt Traub.